Nach etwas Plätzchen-wechsel-Dich, zu Gunsten eines 2,15 großen Kollegen teilte ich mir die Sitzreihe mit zwei Damen einer vierköpfigen Familie. Vater und Sohn saßen außer Hör- und Sichtweite und so hatte ich die beiden Mädels für mich. Ich war erholt und braun gebrannt. Etwas Hunger unterdrückte die wenige, verbliebene Müdigkeit und die Chance auf zweieinhalb Stunden Konversation mit den beiden weiblichen Familienmitgliedern der Tanners konnte ich mir nicht entgehen lassen. Für alle denen „Die Tanners“ nichts mehr sagen, das ist die Familie, bei der Gordon Shumway, also ALF gelebt hat. Da ich den Gangsitz am liebsten habe, um die Stewardessen beobachten zu können, hatte ich den Mädels die verbliebenen Sitze angeboten, welche sie bereitwillig in Beschlag nahmen. Lynn saß am Fenster und Mutter Kath hatte sich zwischen mich und ihre Tochter gesetzt. Während das offensichtlich rebellische Töchterchen Kaugummi kauend aus dem Fenster stierte, versuchte Mom den Start zu überstehen. In Faro wehte ein ablandiger Wind, welcher erfahrungsgemäß über dem Meer zu heftigen Luftlöchern führt. In freudiger Erwartung stellte ich meine Rückenlehne aufrecht und schloss meinen Gurt. Der Kapitän feuerte die Triebwerke an, ich wurde in meinem Sitz gepresst, Lynn presste ihre Nase an die Fensterscheibe und ihre Mutter presste Luft aus ihren Nüstern.
Kath´s Puls müsste bei etwa 200 sein und sie versuchte krampfhaft die Fassung zu bewahren. Ich nutze den Moment um ein Gespräch zu beginnen. „Fliegen scheint nicht ihr Hobby zu sein“ lächelte ich sie mit betont sanfter Stimme an. Es funktionierte. Da all ihre Schutzmechanismen versuchten einen Schrei zu verhindern und das Frühstück im Magen zu behalten, reagierte sie prompt und ohne Gegenwehr, „Weiß Gott, das ist gar nicht mein Ding.“ Der Bann war gebrochen und in den kommenden drei Minuten erklärte sie mir, daß sie bei jedem Flug Höllenängste ausstehen würde. Es sei zwar noch nie etwas geschehen, aber sie glaube immer, es sei gleich zu ende. Die Frage wie oft sie schon geflogen sei, beantwortete sie mit einem laut gellenden Schrei. Wir waren über dem Meer und wie erwartet verließ uns die Schwerkraft in Form eines wirklich kleinen Luftlochs. Sie hatte vor Schreck meinen Arm gepackt und hinterließ mit den klallroten Fingernägeln deutliche Abdrücke in meiner Haut. „Autsch, wie soll ich das den meinen Frauen erklären?“ Zu Flugangst und Übelkeit gesellte sich auch noch Scham. Ein wirklich beschauliches Farbspiel schimmerte zaghaft durch ihr MakeUp. Cirka 10 Minuten und zwei Lüftlöcher später, war sie deutlich gefasster und die Neugier nach meinen Frauen zu fragen war größer als die Angst unwissend bei einem Flugzeugabsturz über dem Mittelmeer zu sterben. Der kleine Plausch zog sich von meinen drei Mädels zuhause über ihren Urlaub und bis zu den elterlichen Problemen, die sie mit zwei pubertierenden Kindern habe. Kath war offensichtlich froh jemanden getroffen zu haben, der ihr mal zuhörte und sie nicht als abwaschendes, putzendes und Reisetasche tragendes Familienmitglied sah. Wir unterhielten uns prächtig und weil bei Lufthansa alles inklusive ist, lud sie mich zu einem Glas Rosé ein. Die nächsten beiden trank sie ohne meine Unterstützung und ließ, gelockert durch den Wein, ihre gelöste Zunge frei von der Leber weg sprechen. Lynn hatte in der der Zwischenzeit den Versuch aufgegeben, tolle Fotos aus dem Flugzeugfenster zu machen und gab sich geraume Zeit den hämmernden Bässen ihres iPod hin. Erst als ihre Mutter auf sie deutete, um mir zu erklären, dass sie dieses ständigen BUMBUMBUM in den Wahnsinn treiben würde, zeigte sie verwundertes Interesse an unserer Konversation. Wie Teenager so sind, widersprach sie fortan Mamas Aussagen zu beider Familienverhältnissen. So kam es, das sich die beiden Mädels recht heftig in die Haare bekamen und ich nutzte den Augenblick um den Keramischen Saloon im Heck des Fliegers aufzusuchen.
Als ich zurück zu meinem Platz kam, saß die flugängstliche Mama am Fenster und tat als ob sie schlafen wolle. Meine neue Sitznachbarin ergab sich dem BUMBUMBUM ihres iPod und zeigt mit jeder Faser ihres pubertären Wesen „lass mich bloß in Ruhe“.
Ich klappte mein Laptop auf und schrieb meine Erlebnisse auf, nicht ohne ihre neugierigen Blicke zu bemerken. Als ich mein iTunes startete um etwas Musik zu hören, vernahm ich ein leises „so eins möchte ich auch haben, Mama.“ Der Wunsch nach einem baugleichen Laptop war größer als die momentane Abneigung ihrer Mutter gegenüber. Lynn hatte sich zu Mama gebeugt und ihr ins Ohr geflüstert. Wenn der Smaltalk mit den Tanners zu retten war dann jetzt…
„Schon mal MacBook benutzt?“ fragt ich spontan. Kurz darauf waren wir drei in ein Gespräch über Kosten, Nutzen, Zensuren, schulische Notwendigkeit und jugendliches Benehmen vertieft. Es fehlte nur noch das Lynn mich am Arm zupft und sagt „Papa bittääää!“ Ein vegetarisches Pizzaschnittchen aus der Hand der Stewardess beendete das Gespräch. Rein biologisch gesehen halte ich Menschen für Allesfresser und machte mich spontan an der Verzehr der Flugration. Kath, noch sehr benommen von ihren drei Rose, teilte Lynn und mir mit, das sie es meiden möchte das Schnittchen zwei mal durch ihre Speiseröhre zu würgen. Lynn fasste es kürzer und im Teenagerslang zusammen… „so ne $(H€I&€ fress ich nicht.“ Die Mädels waren teils verwundert und teils dankbar, als ich ihnen den Imbiss abnahm. Die Frage wie ich so etwas Widerliches verspeisen könnte, beantwortet ich mit „wenn Du Dich drei Wochen im Dschungel von Würmern und Kleinnagern ernährt hast, ist das wie ein 5 Sterne Festessen.“ Ich hatte nur sieben Tage Firstclass-Essen hinter mir, aber die Damen glauben fortan, ich war drei Wochen in der Wildnis zum Specialforce-Überlebenstraining… Ich ließ sie in dem Glauben. Lynn berichtete von Ihrem Familienurlaub an der Algarve und von Joáo, dem supersüßen Animateur des Hotels. Neugierig fragte ich nach was sie so alles erlebt hatten und Lynn erzählte von Bustouren, Badeparks und Shoppingcentren. Das erschien mir zu langweilig. „Also das übliche Touristenzeugs“ unterbrach ich sie „und was hast Du mit Joáo“ so angestellt?“ Lange und Detailverliebt berichtete mir Lynn über ihre kleine Liaison. Der erste Abend, an dem er sie zum Tanz aufforderte, seine tollen tiefbraunen Augen, die kleine Bar in der die Animateure ihren Feierabendabsacker tranken und in die er sie mitnahm. Ausgiebig berichtete Lynn von dem Abend in diesem „stylischen Oldscool Fischrestaurant“ in das sie ihn eingeladen hatte. Mir wurde schnell klar, das meine Tochter in JEDEM Urlaub einen Keuschheitsgürtel tragen wird! Als Lynn mit schmalzig verliebter Stimme erzählte, das Joí, wie sie ihn liebevoll betitelte, einen so wundervoll durchtrainierten Körper hat und nahtlos braun gebrannt sein, fragt ich spontan, wo sie das gesehen haben will. Geistig völlig abwesend und ohne die Konsequenzen ihrer Aussage bedenkend, antwortete sie spontan „als er mir am Morgen danach das Frühstück ans Bett brachte.“
Lynn ergänze noch das es in Deutschland viel zu wenige solche zärtlichen gut aussehenden Liebhaber gäbe, während ich mich diebisch auf den Landeanflug freute. Das PLONG mit dem die Anschnallzeichen erleuchtet waren, verursachte bei Kath einen Adrenalinschub, der sie augenscheinlich erwachen ließ… kurz bevor mir Lynn verriet das sie bei Joáo übernachtet hatte. Mama hatte alles mit angehört, mir jedoch die Geschichte gegönnt um selber mehr über die Schandtaten ihrer Tochter zu erfahren.
„Ich dachte, Du warst die ganze Nacht tanzen“ Kath´s Nüstern blähten sich wie der Ausgleichsbehälter einer voll besetzten Hüpfburg. Es fehlte nur etwas Rauch und Feuer und ich hätte mich wie beim Drachen von Shrek gefühlt. Lynn erstarrte zur Salzsäule, ihr Puls schoss in die Höhe und ihrer Pupillen weiteten sich so, als wollten sie sämtliches Licht aufsaugen um alle Scham mit Dunkelheit zu bedecken. „Und was heißt hier deutsche Liebhaber?“ Augenscheinlich wusste Kath nicht das Lynn ihre Jungfräulichkeit schon längst verloren hatte, aber die Dose in der sie mal drinnen war, des öfteren benutzte. Eine über mehrere Reihen gut vernehmbare Diskussion begann, während ich mich in meine aufrecht gestellte Lehne sacken ließ. Heiße Gesprächsfetzen entlockten mir in kurzen Abständen ein Schmunzeln… meine Tochter das Strandflittchen… was die Nachbarn denken sollen… wenn das Dein Vater erfährt… die Mädels hatten ein Gesprächsthema gefunden, welches beide fesselte und mindestens 3 Sitzreihen amüsierte. Die Erregung der neuen Erkenntnis ließ Kath ihre Flugangst vollends vergessen. Erst als die nette Stimme der Stewardess uns bat, sitzen zu bleiben, bis wir in der Parkposition sind, bemerkte Kath, das wir gelandet sind. Sie pausierte mit den Worten „da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“
Mama drängelte sich durch den Gang um ihren Gatten die grausligen Neuigkeiten zu berichten, Lynn blieb sehr weinerlich zurück.
„Mütter vergessen, das sie auch mal jung waren“ nahm ich das Gespräch wieder auf.
Außer eine traurige Schnute zeigte Lynn keine Reaktion. Ich erinnerte sie witzelnd daran, das Mama mit 2 Kindern auch keine Jungfrau mehr sein könne und sie vermutlich nur versuche, sie vor dem falschen Mann und einem unehelichen Kind zu bewahren. Lynns Gesicht hellte sich schlagartig auf. „Papa und Mama haben auch erst mich gehabt, sind erst später zusammen gezogen und haben erst nach meinem Bruder geheiratet.“ Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Noch in der Gangway petzte Kath die Sünden ihrer Tochter, dann verlor ich die Familie in Frankfurt aus den Augen. Der Flughafen ist riesig und auf dem Weg zum Flugsteig luden Raucherinseln, Imbissbuden und schmutzige Toiletten mehr oder weniger zum verweilen. Der Flug nach Leipzig hatte einen Außenparkplatz und ich erwischte den letzten Bus vor Gateschließung. Die Kabine wurde zu Start und Landung verdunkelt und da Frankfurt-Leipzig nur aus Start und Landung besteht, schrieb ich im Dämmerlicht meine Erlebnisse auf und trank dabei einen Kaffee der schmeckte als wäre er gerade durch ein Suspensorium gepresst worden. In Leipzig wartete ich geduldig auf mein Koffer und als ich mich damit auf den Weg zur besten Ehefrau von allen machte, tippte mich jemand auf die Schulter. „Danke fürs zuhören“ Lynn und ein milchbärtiger Riese standen hinter mir. „Wie war das letzte gesprochene Wort?“ fragte ich. Lynn stellt mir ihren Bruder vor… „Robert“ und berichtete das Papa das ganz und gar nicht schlimm sah, sich aber erbeten habe, die Herren in Zukunft kennenlernen zu dürfen. Wären ich mir vornahm genau so gelassen zu reagieren wenn Fizza ihren Keuschheitsgürtel abgelegt habe, also in 30-40 Jahren vernahm ich Kaths Stimme „das ist der Herr mit der Einzelkämpferausbildung.“
Sie schob wie erwartet den Kofferwagen und neben Ihr lief mit einem Golfbag behangen ein Kollege von mir. „Hallo Willi, gegolft in Amercao de Pera?“, „Hallo Holly, nein dieses Jahr in Lagos.“ Wir verabschiedeten uns und kurz darauf ließ ich mich von der besten Ehefrau von allen ins Bett bringen… Ich bekomm ja keinen Ärger mit Mama… ich bin ja schon verheiratet… nur meine Frau hatte gleich zwei uneheliche Kinder am Hals… ich habe sie trotzdem erwählt!