Ögertours auf Bulgarisch

Man kann über Schwiegermütter sagen was man will – meine fetzt!

Natürlich hat sie, wie alle anderen auch, eine Reihe von Macken, die ich mir ungern aneignen würde und ab und an trainiert sie damit meinen Geduldsfaden kräftig. Aber im großen und ganz ist unsere Oma schon eine coole Sau. Gelegentlich gewinne ich den Eindruck, dass sie mit uns als Familie ganz glücklich ist und uns das irgendwie zeigen muss. Ein solcher Moment der glücklichen Zufriedenheit ereilte sie letztes Weihnachten, als sie uns einlud nach Bulgarien zu fliegen, um bei ihrer besten Freundin Urlaub zu machen.
Nun, die Sache mit der Freundin wurde schnell abgewählt und durch ein strandnahes Fünfsternehotel ersetzt – Bulgarien blieb. Der Tatsache, dass ich schon einen Portugal-Trip für meine 3 Herzchen organisiert hatte, ist es geschuldet, dass wir ohne Oma nach Bulgarien fliegen mussten, da die Freien Termine in unserem Kalender nur 4 Plätze im Reisebüro zuließen.

Fliegen – das war und ist der Grund für meinen Blog und auch dieses Mal komme ich nicht umhin, diese Erlebnisse mit dem gewillten Leser zu teilen.

Wir waren 2 Stunden vorm Start am Flughafen. Meine Frau glaubte dann mit Sicherheit in den Flieger zu dürfen, ich dagegen wollte mir in Ruhe die Mitreisenden anschauen. Eine gute Idee! Ich bin in Sachen Pauschalflugreise unerfahren und schwankte zwischen heftig amüsiert und extrem geschockt!
Die Stewardess sah aus wie eine ungeschminkte Version von Mireille Mathieu mit slawischem Akzent. Ihr Partner erinnerte mich an einen albanischen Türsteher, nur ohne Muskeln. Beide im Outfit der AIRVIA – schwarz, weiß, lila. Beide mit Absatzschuhen.
Sie mit ausgetretenen Pumps, die mal 2 Nummern kleiner waren, aber im Laufe vieler Jahre und Flüge langsam gewachsen waren und die Form ihres Fußes angenommen hatten. Er in einem Halbschuh der aus einem 50er Jahre Mafiafilm stammen könnte, Lackschwarz mit ca. 4 cm Absatz. Beide lieferten allein durch ihren Anblick ausreichend Ideen für ein Buch, zu Gunsten der Pauschaltouristen, verschone ich die Zwei jedoch.

Die Touristen in meinem Flieger waren die Kerze. Es war alles vertreten was mein Lästerherz begehrt. Horst der Taxifahrer; Mitte 50, mit Gattin Bettina; Verkäuferin in einer Kosmetikkette. Letzteres erkannte oder besser witterte ich trotz 5 Sitzreihen Distanz zwischen ihr und mir. Sie roch wie alle Duftteststreifen der letzten Woche auf einmal und hatte sich mit dem kompletten Sortimentswechsel-Angebot an Make Up bemalt.
Die Grünauer Version der Ludolfs; Opa, Vater, Mutter und Sohn. Der Opa war der scheinbare Grund für den Familienurlaub. Er schien als Einziger noch über liquide Mittel zu verfügen und seine Tochter Elke, hatte ihm wohl klar gemacht, die müssten am Goldstrand durchgebracht werden. Ihr Mann, so eine Art Bernd, bat im 15-Minuten-Takt die Stewardess, mal noch so eine „Mische“ zu bringen und Mireille lieferte, gegen 6.- € aus Opas Portemonnaie, bereitwillig die Wodka-Cola. Elke war scheinbar schon an den Flüssigkeitsverbrauch ihres Gatten gewöhnt und fragte stets nur, ob es diesmal schmeckt. Der Enkel; er sei der Einfachheit halber Tim genannt, war körperlich höchstens 15 Jahre alt und geistig seit seiner Einschulung kaum gealtert. Kurz nach dem Start wollte er sich ein Bier bestellen, was Bogdan, der High Heels-Steward, ablehnte. Elke machte dem hörbar missmutigen Jungen klar, dass so was erst im Hotel ok wäre; „dortn hamm mir arlingklusiff.“ Es gab Momente während des Fluges, an denen das Bulgarische Personal deutlicher und fehlerfreier Deutsch sprach, als viele der Fluggäste. Es gab aber auch halbwegs normale Leute an Bord.

Ich hatte, wie immer, einen Gangplatz gebucht und saß mit einer Oma und Ihrer Enkelin in einer Reihe. Mama musste eine Reihe weiter vorn am Fenster Position beziehen. Die drei waren wie die Damen vom Grill. Ohne Rücksicht auf ihr Umfeld, unterhielten sie sich miteinander über Themen die sie interessierten: der neue Freund der Mutter, was er verdient, wie er küsst, wo er rasiert ist – Omas leichte Inkontinenz und wie sie damit umgeht – die Abneigung diverser Jungs gegen die Enkelin und woher die wohl käme. Die drei Grazien rätselten geraume Zeit des Fluges über den letzten Punkt. Nach einer Weile fiel mir auf, dass die potentiellen Verehrer der Enkelin, sie stets erst dann sitzengelassen hatten, nach dem sie mal bei ihr zu Hause waren. Mutter und Oma philosophierten weit ereilend, dass die Wohnung geputzt und Küche, Stube und Ihr Zimmer aufgeräumt waren; das konnte es also nicht gewesen sein. Als mir klar wurde, dass die drei Mädels in einer Art WG oder Kommune zusammenlebten, verstand ich die Jungs; die sich sicher nicht vorstellen konnten, am ersten Morgen danach, mit Oma und Mama am Frühstückstisch Details zu erörtern.

„Schwester, bringse ma noch sone Mischö“ – Bernd plünderte die Alkoholreserven des Bordpersonals. Sein mittlerweile rosaroter kahler Kopf ruhte auf dem käsigen Oberkörper, den er lieblos in ein Unterhemd gepresst hatte. Reichlich Haare und Körpergeruch hüllten ihn ein. „Endlich mal raus ausm Alldach“ sprach er gelassen, als Bogdan ihm die bestellte „Mische“ lieferte. Er kippte den viertel Liter Wodka-Cola wie einen Shorty hinter und wollte gleich einen neuen, während Opa noch den alten bezahlen musste.

Ein wenig graute mir vor dem Gedanken, mit solchen Figuren im Raum, den morgendlichen Kaffee trinken zu müssen…

„Bringste mir noch eenen vor die Landung?“ – Bogdan versuchte Bernd klar zu machen, dass der Wodka alle sei, mit dem die „Mische“ zubereitet wird. Bernd versuchte Bogdan klar zu machen, dass es ihm völlig Wurst sei, was er in die Cola mischt, solange es genug Alkohol enthielt. Geschäftstüchtig bot Bogdan statt dessen Whiskey-Cola an, mit echtem Bourbon, für nur 8.- € oder 15 Leva. Der Preis irritierte mich. Doppelt so viel wie alle anderen Getränke im Flieger und auch der Tauschkurs von 1:2 stimmte hier nicht ganz. Bernd willigte lallend ein und Bogdan ging Richtung Heck; ich folgte ihm. Dort mischte er 2/3 einer goldgelben Flüssigkeit, aus einer Flasche mit kyrillischen Buchstaben, mit 1/3 Cola. Vermutlich eine Art bulgarischer Alkoholiker-Urin.

Während ich vor der Toilettentür wartete, deutete ich auf die Flasche „Bourbon?“
Bogdan grinste mich an, antwortete etwas ungarisches und zwinkerte mir zu, ich ihm auch.
Wieder an meinem Platz angekommen, bemerkte ich, wie Bernd feststellte, dass 8.- € für so ein gutes Mischungsverhältnis ok sind. Sein Schwiegervater schimpfte gut hörbar, dass er es ja sowieso nicht bezahlen müsse. Elke fragte verwundert: „aba mir hamm doch arlingklusiff?“  Ihr Mann erklärt ihr liebevoll: „doch nisch im Flüscher, Du dumme Kuh!“ Und Timmey fragte dazwischen: „ aber im Hotel Beladschio darf ich dann auch was drinkne?“

Der Glücksmoment dieser Unterhaltung durchströmte mich wie ein Blitz! Die Ludolfs sind in einem anderen Hotel, welches ca. 5 km weit weg von unserem ist. DANKE! Der Pilot verkündete knacksend im Lautsprecher, dass die Crew die Kabine zur Landung vorbereiten soll, die Anschnallzeichen erleuchteten und ich freute mich auf Varna – ohne die Ludolfs in meiner Nähe…

Alte Weine

Es gibt einen Grund warum manche Dinge sind wie sie sind und manche Dinge so wie wir sie haben wollen. Wenn man das Glück hat im zuhören und wahrnehmen etwas ausgebildet zu sein, trifft man viele Menschen die Gehör suchen.  Es ist nicht zwangsläufig immer Glück, ab und an belastet es auch, aber mit etwas Abstand betrachtet, springen sehr oft lustige Erlebnisse dabei raus. Mein bester Freund hat diese Fähigkeit. Es gelingt ihm zwar, diese zu nutzen und er schafft es auch, diese auf einzigartige Weise weiterzugeben. Nur der Witz, der aus der Sache entsteht, entgeht seinem geradlinigen rationalem Wesen zu oft. Eines Tages traf er auf eine Frau… eine Psychologin.

Psychologen sind nach meiner Erfahrung, Menschen die dermaßen einen an der Klatsche haben, das ihnen nicht mehr zu helfen ist. Deswegen studieren sie Psychologie, damit wenigstens einer Schadensbegrenzung betreibt.
Diese Dame erkannte sofort die „Zuhör- und Mitfühl-Fähigkeit“, witterte Hilfe bei der Schadensbegrenzung und sah , warum auch immer, das Ende Ihres Singledasein nahen… und all das in meinem besten Freund… Der war sich natürlich keiner Schuld bewusst und hatte, ehe er sich versah, 48 Stunden Telefonterror hinter sich. Es war ein Heidenspass!!
Sie rief an… ich hob ab… aufgelegt… sie rief an… er hob ab… aufgelegt. Unser Büro war zwei Tage nicht erreichbar. Zu dieser Zeit waren Mobiltelefone nicht weit verbreitet und teuer… entsprechend groß war der Zorn der Entstand. Eine Mischung aus Steve Urkel und King Kong sprang durchs Büro und versuchte krampfhaft Normalität herzustellen. An seinem Hals pulsierte eine bockwurstdicke Ader etwa 3-4 mal pro Sekunde, seine Gesichtsfarbe wechselte sprunghaft von Himbeer- über Kamin- nach Rubinrot. Ich hatte einen riesen Spass und erinnere mich heute noch gerne an die beiden Tage. Und dieses Erlebnis haben wir einer Frau zu verdanken, die einfach nur keinen Mann abbekommen hatte.

Das mit dem Singledasein scheint mir bei Frauen ein deutlich größeres Problem zu sein, als bei Männern. An einem Billardtisch wurde ich mal über folgenden Sachverhalt informiert: „Ich bin 34 und selbstbewusste Single“. Das sie Single ist glaubte ich Ihr sofort. Zweiunddreißig strahlend weiß gebleichte Zähne, alle oben und alle vorne, verrieten mir sofort „ ich beiße nach allem und jedem“. Das sie 34 war glaubte ich Ihr schon weniger, ehr das sie die Zahl aus der Wurzel ihrer Gesichtsfalten errechnet hatte.
Und was das Selbstbewusstsein betraf, war dieses nach 2 kleinen Litern portugiesischem Rotwein so was von abgesoffen, das es sich als ausgereifte Torschlusspanik entpuppte. Ein weiterer Abend an dem mir die Fähigkeit zuzuhören eine Menge Spaß bescherte. Da ich es ja nicht so mit Alkohol habe und schon gar nicht mit Wein, war ich immer noch mit dem ersten Glas beschäftig, während Sandy, so will ich die selbstbewusste Singlefrau mal nennen, auf den Boden der dritten Flasche Vino Tinto zusank. Ihr Alkoholspiegel und ihr Selbstbewusstsein verhielten sich umgekehrt reziprok zueinander. Am Boden der Flasche und Ihres Selbstbewusstsein eröffnete mir Sandy den Einblick in die Abscheulichkeit ihres Singledaseins, berichtete von den Erlebnissen in Datingportalen, auf Singletreffs, von gut gemeinten aber missratenen Verkupplungsversuchen. Ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, ab und an einen Kommentar abzugeben und scheinbar gelang es mir Sandy aus der Seele zu sprechen… leider!! Die vierte Flasche Wein war nicht das einzige was sie öffnen wollte, als sie mich fragte ob wir diese nicht auf Ihrem Zimmer leeren wollen. Ein solches Angebot ereilt mich nicht täglich, aber die wenigen mal die es bisher geschah, genügte ein Verweis auf die beste Ehefrau von allen oder die Behauptung, das ich SadoMaso-Fetischist sei. All das war Sandy schon seit Flasche zwei egal. Sie wollte einen Mann, nicht um des Mannes willen, nein, nur um sicher zu stellen das sie noch einen akzeptablen Marktwert besitze… der war allerdings auch schon mit Flasche zwei abgesoffen. Wie kommt man aus so einer Nummer? Sandy machte nicht den Eindruck als würde sie ihr Vorhaben an der Zimmertüre aufgeben und so entschied ich mich, gar nicht so weit zu gehen. Es blieb mir nichts anderes übrig als ihr klar zu machen, das jeder auf sein Zimmer gehen werde. Zugegeben… ich hätte es sanfter ausdrücken können, aber ich war müde und die gerauchte Schachtel Gauloises sorgte für etwas Übelkeit. So kam es, das ein „Ich will nicht mit Dir aufs Zimmer und schon gar nicht ins Bett“ genügen sollte um den Abend und die Konversation enden zu lassen. Weit gefehlt. Einer Comicfigur gleich, brach Sandy lauthals in Tränen aus, um mir im direkten Anschluss und nur durch kraftvolles schnäuzen unterbrochen, zu erklären, warum sie nicht verstehe, das sie keiner will.
Eine gefühlte Ewigkeit erklärte sie mir wie gefühlvoll, selbständig, endilli… indille… intelü… klug, fleißig und unabhängig sie sei! Ihr Alkoholspiegel führte bereits zu Wortfindungsstörungen und Ausfall des Gleichgewichtssinnes.

Kurz um, sie machte sich zum begehrensunwürdigsten Wesen im Umkreis. Das war ihr natürlich nicht klar… Sandy glaubte wirklich daran, das es nützlich ist, einen Kerl an Land zu ziehen, wenn man ihm erkläre, wie toll man das Leben ohne diesen meistern könne. Sie berichtete mir von ihren Eskapaden mit anderen Männern. Ihrem erhöhten Alkoholspiegel ist es zu verdanken, das ich viel Geld beim Psychologen bezahlen müsse, um diese Bilder wieder aus meinen Kopf löschen zu lassen. Ich erfuhr genug über Ihre Wohnungseinrichtung, Ihren Kontostand, Ihre Urlaube und ihre verblassten Beziehungen um ausreichen Geschichten zu haben für das Buch „leider Single und wie ich dafür Sorge, das es auch so bleibt.“ Das bisschen Müdigkeit in mir war blankem Entsetzen gewichen… damals glaubt ich noch, eine solche Frau müsse doch keine Sorgen haben, wenn alles geregelt und organisiert ist, bleibt ja genug Zeit für einen Partner und es müsse doch ausreichend Typen geben, die Schlange stehen….damals. Heute bin ich zehn Jahre erfahrener und habe gefühlt weitere zwanzig Sandys getroffen und bemitleiden gelernt.

Die meisten haben irgendwann die Kurve und einen neuen Kerl bekommen, eine statt eines Kerls eine schön anzuschauende Ehefrau. Basieren auf einer persönlichen Veränderung gelang es den meisten sich so zu Wandeln, das sie wieder attraktiv für beziehungswillige Männer wurden und letztendlich auch einer dabei war, den sie in eine Beziehung verwickeln konnten. Ein neuer Job, ein neues Hobby, ein anderer Sportverein.. es war stets nur eine Kleinigkeit. Neue Haare, neue Kleider oder neue Schuhe halfen selten, fast nie. Ein oder zwei mal war es ein Kind, ungeplant und natürlich auf einer Verhütungspanne basierend, welches dazu führte, das im Singlegeist die Erkenntnis eintrat „Es dreht sich nicht immer alles um mich.“

Tracy McMillan beschreib in ihrem Buch „Ausgezickt“ 10 Kardinalfehler, moderner Frauen und mir ist nicht ganz klar, warum das Buch nicht als Topseller geführt wird.

Mich erschreckt am meisten daran, das es scheinbar ein lohnenswertes Projekt ist, darüber ein Buch oder Artikel zu schreiben. Bei meinen Recherchen hab ich natürlich auch mit der einen oder dem anderen gesprochen. Recht schnell ist mir klar geworden, daß alle mehr oder weniger verlernt haben, sie selber zu sein. Viel entscheidender, dem oder der anderen zuzugestehen, daß jeder seine eigenen Macken haben darf. Viel zu schnell wird dem neuen Partner die Zwangsjacke der Wunschpartners angezogen. Er fühlt sich nach 2 Wochen neuer Freundin „endlich angekommen“, sie ist plötzlich „fasziniert von Ihm“… Ihm…den sie nach 3 Kneipenabenden und 4 Nächten WhatsUp zu kennen glaubt. Meine Eltern haben fast ein viertel Jahr gebraucht bevor sie zum ersten mal knutschend im Hausflur erwischt worden… eine Zeitspanne, in der heute meißt schon alles vorbei ist. „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam….“ Lothar J. Seiwert bringt es in seinem Buch auf den Punkt. Leider sind nur noch wenige Menschen im Stande, sich selber mal zu bremsen und den Moment wahr zu nehmen. Ein herzensguter Junge aus meinem Freundeskreis, an dessen Seite sich eine Frau sich glücklich schätzen kann, leidet unter genau diesem Phänomen. YOLO You only live once… höher schneller…weiter. Das neue Auto, der schnellere Computer, die Gehaltserhöhung, das neue Tattoo, der nächste Party-Abend. Sein Leben ließt sich wie ein Autorennen der kleinen und großen Erlebnisurlaube. Und wie bei so vielen Autorennen fährt auch mein Freund ohne Beifahrerin. Bei den vielen Stationen die er anfährt, bleibt er gar nicht lang genug um jemanden zu treffen, der ihn wirklich kennen und lieben lernen könnte. Meißt ist ihm das egal… nur manchmal in einem der seltenen ruhigen Momente, wünscht er sich nicht mehr alleine zu sein… mittlerweile öfter als vor 3-4 Jahren. Ein weiser Mann hat mir mal gelehrt: „Erhöhte Geschwindigkeit ersetzt keine mangelnde Richtung!“ Aber wie bringt man eine solche Weisheit einem Rennfahrer bei, während er die Boxengasse passiert?

Wie gibt man überhaupt einem gefrusteten Single einen Tipp, ohne ihm oder ihr gleich auf den Schlipps zu treten? Es ist 3 Wochen her, da heulte sich eine junge, gutaussehende Frau an meiner Schulter aus. Sie beschwerte sich über die Männerwelt und was diese wohl alles falsch mache, weswegen sie seit mehreren Jahren keinen Partner fände. Etwas überfordert sagte ich „da wird schon ein passender kommen“ und erntete eine biestiges „wie lange soll ich den noch warten?“ Da mir Ironie ja kein Fremdwort ist, fragt ich was denn alle anderen vom falschen Standpunkt betrachten, was nur sie richtig zu sehen glaubt… Naja, der Abend war hin. Den Denkanstoß sich mal an der eigenen Nase zu zupfen, griff sie als persönlichen Angriff auf und verließ wutschnaubend das Restaurant in dem wir zu Abend gegessen hatten. Feinfühlig wie ein Elefant im Porzellanladen, nennt das die beste Ehefrau von allen. Sie hat recht. Emotional bin ich wohl der größte Tollpatsch unter der Sonne und gerade deswegen weiß ich wie wichtig es ist, langsam zu gehen. Ich traf einmal ein Mädchen die das begriffen hatte. Alles an Ihr sagte „Ich bin bereit den Mann fürs Leben zu treffen!“ Sie war ohne Eile in Liebesdingen, nahm sich Zeit um Menschen kennen zu lernen und war innerlich so gefestigt, das sie sich auf einen Partner einstellen konnte und es nicht anders rum sein musste. Eigentlich kannte ich Maria schon etliche Monate, aber erst jetzt fiel mir auf das sie sich so entwickelt hatte. Zwei Wochen später stellt ich ihr Carsten vor, ein Mann knapp unter 30, dessen zweiter Vorname Ausgeglichenheit ist. Es funkte noch am selben Abend, überstürzt haben die beiden jedoch nichts. Im Gegenteil, es bedurfte eines kleinen Stupses, das sich die beiden als Paar zusammenfanden. Mit etwas Glück werde ich bald zur Hochzeit eingeladen. Mit etwas mehr Glück darf ich auch ein paar Worte sagen… die Rede hab ich sicherheitshalber schon fertig geschrieben.

Das Leben ist das was statt findet, wenn man was anderes plant. Oder um meinen sehr alten Freund Rimota Jikushi mal sinngemäß zu zitiren:

Machst Du Fehler, lebst Du…
hörst Du von ihnen, lernst Du…
Bemerkst Du sie, verstehst Du…
Zeigst Du anderen Deine, hilfst Du…
Änderst Du sie ab, dann wächst Du…
wünschst Du Dir Fehler, dann liebst Du!

Liebe macht blind hat meine Oma immer gesagt. Es ist gar nicht wichtig, wie perfekt der Partner ist oder ob er überhaupt perfekt ist. Es wird nie wie bei Pretty Woman sein, wichtig ist, das wir nie aufhören dafür zu kämpfen. Nur wer seine eigenen Macken zugeben, hinnehmen und ändern kann, der kann auch einem Partner gegenüber die Geduld, Hingabe und Kraft für dessen Macken aufbringen. Nur so wird der Lebensabschnittspartner auch zum Weggefährten für das ganze Leben.

Die Tanners (Flugangst II)

Nach etwas Plätzchen-wechsel-Dich, zu Gunsten eines 2,15 großen Kollegen teilte ich mir die Sitzreihe mit zwei Damen einer vierköpfigen Familie. Vater und Sohn saßen außer Hör- und Sichtweite und so hatte ich die beiden Mädels für mich. Ich war erholt und braun gebrannt. Etwas Hunger unterdrückte die wenige, verbliebene Müdigkeit und die Chance auf zweieinhalb Stunden Konversation mit den beiden weiblichen Familienmitgliedern der Tanners konnte ich mir nicht entgehen lassen. Für alle denen „Die Tanners“ nichts mehr sagen, das ist die Familie, bei der Gordon Shumway, also ALF gelebt hat. Da ich den Gangsitz am liebsten habe, um die Stewardessen beobachten zu können, hatte ich den Mädels die verbliebenen Sitze angeboten, welche sie bereitwillig in Beschlag nahmen. Lynn saß am Fenster und Mutter Kath hatte sich zwischen mich und ihre Tochter gesetzt. Während das offensichtlich rebellische Töchterchen Kaugummi kauend aus dem Fenster stierte, versuchte Mom den Start zu überstehen. In Faro wehte ein ablandiger Wind, welcher erfahrungsgemäß über dem Meer zu heftigen Luftlöchern führt. In freudiger Erwartung stellte ich meine Rückenlehne aufrecht und schloss meinen Gurt. Der Kapitän feuerte die Triebwerke an, ich wurde in meinem Sitz gepresst, Lynn presste ihre Nase an die Fensterscheibe und ihre Mutter presste Luft aus ihren Nüstern.
Kath´s Puls müsste bei etwa 200 sein und sie versuchte krampfhaft die Fassung zu bewahren. Ich nutze den Moment um ein Gespräch zu beginnen. „Fliegen scheint nicht ihr Hobby zu sein“ lächelte ich sie mit betont sanfter Stimme an. Es funktionierte. Da all ihre Schutzmechanismen versuchten einen Schrei zu verhindern und das Frühstück im Magen zu behalten, reagierte sie prompt und ohne Gegenwehr, „Weiß Gott, das ist gar nicht mein Ding.“ Der Bann war gebrochen und in den kommenden drei Minuten erklärte sie mir, daß sie bei jedem Flug Höllenängste ausstehen würde. Es sei zwar noch nie etwas geschehen, aber sie glaube immer, es sei gleich zu ende. Die Frage wie oft sie schon geflogen sei, beantwortete sie mit einem laut gellenden Schrei. Wir waren über dem Meer und wie erwartet verließ uns die Schwerkraft in Form eines wirklich kleinen Luftlochs. Sie hatte vor Schreck meinen Arm gepackt und hinterließ mit den klallroten Fingernägeln deutliche Abdrücke in meiner Haut. „Autsch, wie soll ich das den meinen Frauen erklären?“ Zu Flugangst und Übelkeit gesellte sich auch noch Scham. Ein wirklich beschauliches Farbspiel schimmerte zaghaft durch ihr MakeUp. Cirka 10 Minuten und zwei Lüftlöcher später, war sie deutlich gefasster und die Neugier nach meinen Frauen zu fragen war größer als die Angst unwissend bei einem Flugzeugabsturz über dem Mittelmeer zu sterben. Der kleine Plausch zog sich von meinen drei Mädels zuhause über ihren Urlaub und bis zu den elterlichen Problemen, die sie mit zwei pubertierenden Kindern habe. Kath war offensichtlich froh jemanden getroffen zu haben, der ihr mal zuhörte und sie nicht als abwaschendes, putzendes und Reisetasche tragendes Familienmitglied sah. Wir unterhielten uns prächtig und weil bei Lufthansa alles inklusive ist, lud sie mich zu einem Glas Rosé ein. Die nächsten beiden trank sie ohne meine Unterstützung und ließ, gelockert durch den Wein, ihre gelöste Zunge frei von der Leber weg sprechen. Lynn hatte in der der Zwischenzeit den Versuch aufgegeben, tolle Fotos aus dem Flugzeugfenster zu machen und gab sich geraume Zeit den hämmernden Bässen ihres iPod hin. Erst als ihre Mutter auf sie deutete, um mir zu erklären, dass sie dieses ständigen BUMBUMBUM in den Wahnsinn treiben würde, zeigte sie verwundertes Interesse an unserer Konversation. Wie Teenager so sind, widersprach sie fortan Mamas Aussagen zu beider Familienverhältnissen. So kam es, das sich die beiden Mädels recht heftig in die Haare bekamen und ich nutzte den Augenblick um den Keramischen Saloon im Heck des Fliegers aufzusuchen.
Als ich zurück zu meinem Platz kam, saß die flugängstliche Mama am Fenster und tat als ob sie schlafen wolle. Meine neue Sitznachbarin ergab sich dem BUMBUMBUM ihres iPod und zeigt mit jeder Faser ihres pubertären Wesen „lass mich bloß in Ruhe“.
Ich klappte mein Laptop auf und schrieb meine Erlebnisse auf, nicht ohne ihre neugierigen Blicke zu bemerken. Als ich mein iTunes startete um etwas Musik zu hören, vernahm ich ein leises „so eins möchte ich auch haben, Mama.“ Der Wunsch nach einem baugleichen Laptop war größer als die momentane Abneigung ihrer Mutter gegenüber. Lynn hatte sich zu Mama gebeugt und ihr ins Ohr geflüstert. Wenn der Smaltalk mit den Tanners zu retten war dann jetzt…
„Schon mal MacBook benutzt?“ fragt ich spontan. Kurz darauf waren wir drei in ein Gespräch über Kosten, Nutzen, Zensuren, schulische Notwendigkeit und jugendliches Benehmen vertieft. Es fehlte nur noch das Lynn mich am Arm zupft und sagt „Papa bittääää!“ Ein vegetarisches Pizzaschnittchen aus der Hand der Stewardess beendete das Gespräch. Rein biologisch gesehen halte ich Menschen für Allesfresser und machte mich spontan an der Verzehr der Flugration. Kath, noch sehr benommen von ihren drei Rose, teilte Lynn und mir mit, das sie es meiden möchte das Schnittchen zwei mal durch ihre Speiseröhre zu würgen. Lynn fasste es kürzer und im Teenagerslang zusammen… „so ne $(H€I&€ fress ich nicht.“ Die Mädels waren teils verwundert und teils dankbar, als ich ihnen den Imbiss abnahm. Die Frage wie ich so etwas Widerliches verspeisen könnte, beantwortet ich mit „wenn Du Dich drei Wochen im Dschungel von Würmern und Kleinnagern ernährt hast, ist das wie ein 5 Sterne Festessen.“ Ich hatte nur sieben Tage Firstclass-Essen hinter mir, aber die Damen glauben fortan, ich war drei Wochen in der Wildnis zum Specialforce-Überlebenstraining… Ich ließ sie in dem Glauben. Lynn berichtete von Ihrem Familienurlaub an der Algarve und von Joáo, dem supersüßen Animateur des Hotels. Neugierig fragte ich nach was sie so alles erlebt hatten und Lynn erzählte von Bustouren, Badeparks und Shoppingcentren. Das erschien mir zu langweilig. „Also das übliche Touristenzeugs“ unterbrach ich sie „und was hast Du mit Joáo“ so angestellt?“ Lange und Detailverliebt berichtete mir Lynn über ihre kleine Liaison. Der erste Abend, an dem er sie zum Tanz aufforderte, seine tollen tiefbraunen Augen, die kleine Bar in der die Animateure ihren Feierabendabsacker tranken und in die er sie mitnahm. Ausgiebig berichtete Lynn von dem Abend in diesem „stylischen Oldscool Fischrestaurant“ in das sie ihn eingeladen hatte. Mir wurde schnell klar, das meine Tochter in JEDEM Urlaub einen Keuschheitsgürtel tragen wird! Als Lynn mit schmalzig verliebter Stimme erzählte, das Joí, wie sie ihn liebevoll betitelte, einen so wundervoll durchtrainierten Körper hat und nahtlos braun gebrannt sein, fragt ich spontan, wo sie das gesehen haben will. Geistig völlig abwesend und ohne die Konsequenzen ihrer Aussage bedenkend, antwortete sie spontan „als er mir am Morgen danach das Frühstück ans Bett brachte.“
Lynn ergänze noch das es in Deutschland viel zu wenige solche zärtlichen gut aussehenden Liebhaber gäbe, während ich mich diebisch auf den Landeanflug freute. Das PLONG mit dem die Anschnallzeichen erleuchtet waren, verursachte bei Kath einen Adrenalinschub, der sie augenscheinlich erwachen ließ… kurz bevor mir Lynn verriet das sie bei Joáo übernachtet hatte. Mama hatte alles mit angehört, mir jedoch die Geschichte gegönnt um selber mehr über die Schandtaten ihrer Tochter zu erfahren.
„Ich dachte, Du warst die ganze Nacht tanzen“ Kath´s Nüstern blähten sich wie der Ausgleichsbehälter einer voll besetzten Hüpfburg. Es fehlte nur etwas Rauch und Feuer und ich hätte mich wie beim Drachen von Shrek gefühlt. Lynn erstarrte zur Salzsäule, ihr Puls schoss in die Höhe und ihrer Pupillen weiteten sich so, als wollten sie sämtliches Licht aufsaugen um alle Scham mit Dunkelheit zu bedecken. „Und was heißt hier deutsche Liebhaber?“ Augenscheinlich wusste Kath nicht das Lynn ihre Jungfräulichkeit schon längst verloren hatte, aber die Dose in der sie mal drinnen war, des öfteren benutzte. Eine über mehrere Reihen gut vernehmbare Diskussion begann, während ich mich in meine aufrecht gestellte Lehne sacken ließ. Heiße Gesprächsfetzen entlockten mir in kurzen Abständen ein Schmunzeln… meine Tochter das Strandflittchen… was die Nachbarn denken sollen… wenn das Dein Vater erfährt… die Mädels hatten ein Gesprächsthema gefunden, welches beide fesselte und mindestens 3 Sitzreihen amüsierte. Die Erregung der neuen Erkenntnis ließ Kath ihre Flugangst vollends vergessen. Erst als die nette Stimme der Stewardess uns bat, sitzen zu bleiben, bis wir in der Parkposition sind, bemerkte Kath, das wir gelandet sind. Sie pausierte mit den Worten „da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“
Mama drängelte sich durch den Gang um ihren Gatten die grausligen Neuigkeiten zu berichten, Lynn blieb sehr weinerlich zurück.
„Mütter vergessen, das sie auch mal jung waren“ nahm ich das Gespräch wieder auf.
Außer eine traurige Schnute zeigte Lynn keine Reaktion. Ich erinnerte sie witzelnd daran, das Mama mit 2 Kindern auch keine Jungfrau mehr sein könne und sie vermutlich nur versuche, sie vor dem falschen Mann und einem unehelichen Kind zu bewahren. Lynns Gesicht hellte sich schlagartig auf. „Papa und Mama haben auch erst mich gehabt,  sind erst später zusammen gezogen und haben erst nach meinem Bruder geheiratet.“ Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Noch in der Gangway petzte Kath die Sünden ihrer Tochter, dann verlor ich die Familie in Frankfurt aus den Augen. Der Flughafen ist riesig und auf dem Weg zum Flugsteig luden Raucherinseln, Imbissbuden und schmutzige Toiletten mehr oder weniger zum verweilen. Der Flug nach Leipzig hatte einen Außenparkplatz und ich erwischte den letzten Bus vor Gateschließung. Die Kabine wurde zu Start und Landung verdunkelt und da Frankfurt-Leipzig nur aus Start und Landung besteht, schrieb ich im Dämmerlicht meine Erlebnisse auf und trank dabei einen Kaffee der schmeckte als wäre er gerade durch ein Suspensorium gepresst worden. In Leipzig wartete ich geduldig auf mein Koffer und als ich mich damit auf den Weg zur besten Ehefrau von allen machte, tippte mich jemand auf die Schulter. „Danke fürs zuhören“ Lynn und ein milchbärtiger Riese standen hinter mir. „Wie war das letzte gesprochene Wort?“ fragte ich. Lynn stellt mir ihren Bruder vor… „Robert“ und berichtete das Papa das ganz und gar nicht schlimm sah, sich aber erbeten habe, die Herren in Zukunft kennenlernen zu dürfen. Wären ich mir vornahm genau so gelassen zu reagieren wenn Fizza ihren Keuschheitsgürtel abgelegt habe, also in 30-40 Jahren vernahm ich Kaths Stimme „das ist der Herr mit der Einzelkämpferausbildung.“
Sie schob wie erwartet den Kofferwagen und neben Ihr lief mit einem Golfbag behangen ein Kollege von mir. „Hallo Willi, gegolft in Amercao de Pera?“, „Hallo Holly, nein dieses Jahr in Lagos.“ Wir verabschiedeten uns und kurz darauf ließ ich mich von der besten Ehefrau von allen ins Bett bringen… Ich bekomm ja keinen Ärger mit Mama… ich bin ja schon verheiratet… nur meine Frau hatte gleich zwei uneheliche Kinder am Hals… ich habe sie trotzdem erwählt!

Kostolany für Dummies (Flugangst I)

Ich habe, warum auch immer, mal wieder die Ehre über die Firma nach Portugal fliegen zu dürfen. Auf mich warten 40 Grad im Schatten, gekühlte Getränke, freundliches Servicepersonal und nette Kollegen. Es ist 5:45 Uhr, ich sitz im Leipziger Terminal herum, die Aussicht zwischen den Seminartagen sommerliche Bräune zu erhaschen und die Erwartung kulinarischer Köstlichkeiten entschädigt mich für die mitternächtliche Flugzeit. Wirklich in die Höhe wird meine Laune jedoch von den weiteren Fluggästen getrieben. Ich kann nicht wiederstehen, ich muss mein Laptop aufklappen und Notizen machen. Direkt nach der Sicherheitskontrolle fiel mir ein älteres Ehepaar auf.
Oma und Opa, rüstig, verbringen Ihren Lebensabend damit auf Reisen andere Leute zu nerven und suchen Gleichgesinnte und Opfer. Das passt wohl am besten für die Beiden. Sie erschien wie eine Kreuzung vom unheimlichen Hulk mit Inge Meisel.

Er hatte große Ähnlichkeit mit Mrs Sophies Buttler James. Etwas unterwürfiges Verhalten seiner Frau gegenüber, holpriger Gang und Wortkargheit. Die beiden scheinen von einer Reise zu nächsten zu eilen, Inge erwähnte nebenbei, das sie gar nicht alle Dinge regeln konnte, die sie für den Deutschlandaufenthalt geplant hatte. James hatte zustimmend genickt… es wirkte aber ehr so, als hätte er nicht alles geschafft, was sie ihm aufgetragen hatte.

Entweder durch Zufall, eine frühere Reisebekanntschaft oder pure Aufdringlichkeit sind die beiden, also ehr Inge, mit einem anderen, vermutliche auch Rentnerehepaar ins Gespräch gekommen. Das andere Ehepaar wurde besprochen…. bequatscht…. zugetextet.

Die sympathischen alten Leutchen, eine gelungene Symbiose aus einer in Würde gealterten Katy Perry und einem zerknitterten Wladimir Putin versuchten vergeblich das Gespräch an sich zu reißen, aber das entgegnete „Aha, das hatten wir damals auch, als wir…“ wurde gekonnt ignoriert und übertönt. Inge erklärte lang und ausgiebig im Zahnprothesenbedingten Nuschelsächsisch, was ihr und vermutlich ihrem Man alles wiederfahren ist. Ein grausamer Flug nach sonst wo, Bodenpersonal, welches sich nicht mit Rotwein auskennt, Spanier die kein Deutsch sprechen, Engländer die zu Frühstück Bohnen essen und Italiener die Kaffee anders trinken als Inge und James. Der Leidensweg diese Pärchens um die Welt war schauderhaft anzuhören. Es mangelte mir an Mitleid und das musste man mir auch angesehen haben. Eine spätpubertäre Version von Cindy aus Marzahn, saß mir gegenüber und fing herzhaft an zu lachen. Erst da fiel mir auf, daß ich des Öfteren vom Mitleid- zum Entsetzen-gesicht gewechselt habe, als ich mich innerlich in die so arg gebeutelte Inge hineinversetzt hatte. Mit einem kleinen Augenzwinkern wollte ich Cindy signalisieren, das ich die beiden Ehepaare etwas seltsam finde… sie kam mir zuvor, deutete auf die Oma, verdrehte die Augen und sprach ein lautloses blablabla… wir verstaden uns. Keinen im Umfeld wunderte es, als Katy und Wladimir plötzlich aufsprangen und unbedingt beide noch mal auf Toilette mussten, bevor es in den Flieger ginge… Mein iPod schützte mich vor weiteren Verbalerbrüchen. Zu AC/DC nahm ich nur noch die Plapperbewegung Inges wahr.. . bis plötzlich alle zum Flieger schritten. Wladimir und Katy saßen schon im Flieger und waren sichtbar glücklich, als Inge und James einen Sitzplatz, deutlich entfernt im Heck aufsuchten. Cindy saß weit vorne, ich bin am Notausgang platziert worden. Etwas Charme und baucheinziehen signalisierte der CheckInDame „ich kann den Notausgang öffnen“

Fünfundvierzig Minuten Flug mit 2 Kaffee, solch frühe Flüge sind meist Ereignislos.

Die Wartezeit zu Anschlussflug blieb abenteuerfrei. Im Flieger LH 1165 nach Faro gibt’s da schon etwas mehr .

Ich freue mich immer sehr auf die Stewardessen.  Die Damen der fliegenden Zunft bieten fast immer Anlass zu ein paar Komplimenten.  In meinem Sichtbereich tummeln sich drei Lufthansis und etwas enttäuscht war ich dann doch. Die augenscheinliche Chefin in langer Hose mit weißer Bluse und Halstuch kommandiert sehr unauffällig aber sehr bestimmt ihre beiden Kolleginnen durch die Kabine und ergänzt deren tun, ehr versehentlich durch ein freundliches Word und marginal durch körperliche Unterstützung. Ihre Haare streng nach hinten gespannt, vermutlich zwecks Faltenminderung und als einzige mit richtig schicken Schuhen bekleidet, erinnert sie an eine Mischung aus Theresa Orlowsky und Nicolas Cage. Ihre beiden Kolleginnen sind Lufthansas Antwort auf den König der Löwen. Timon und Pumba kümmerten sich mehr oder weniger um die Fluggäste. Timon, Anfang 20, als einzige im Rock, kaschierte auf liebevoll tollpatschige Art die Faulheit Frau Orlowskys und die Vergesslichkeit vom Pumba. Mein iPod spielte mir softe Housemusik ins Ohr und in Kombination mit dem regen Treiben der Damen, kam ich mir vor wie bei „BlueMenGroup – on Airplane.“

Ich verlor das Interesse für das fliegende Personal als mir ein paar junge Kerlchen auffielen, alles samt super hip, super gut gelaunt, super erfolgreich und wie ich feststellte, superbescheuert. Drei Komiker aus der Finanzbranche die lauthals fachsimpelten, wie genial ihre Anlagestrategien sind, warum sie nie Verluste machen und immer auf der Gewinnerseite des Lebens stehen…

Schlafmangel führ zu leichter Reizbarkeit und je schwachsinnige die Dreierkonferenz war, desto weniger Schlaf fand ich und wurde gereizter. Es musst etwas geschehen.

Ich klinkte mich in das Gespräch ein.  Mit etwas simuliertem Interesse, gestellter Neugier, mathematischer Unbedarftheit und einem Quantum an Fragetechnik, gelang es mir den Jungs glaubhaft zu machen, ich würde keinen Plan von dem haben was sie besprachen …hab ich ja auch nicht… und ich würde solch tolle Anlageprofis bewundern… was ich auch nicht tue..  Irgendwann kam der entscheidende Zeitpunkt dem Gelaber ein Ende zu setzen. Im Smalltalk hatte ich den „Oberguru“ identifiziert und den fragte ich nun, ob er wirklich so gut sein mit seinen Anlagen und wirklich so viele Kunden und Millionen Euros betreue. Eine Arroganz erfüllte Brust versicherte mir, das dem so sei. Wenn, dann sei er und nur er, der zukünftige André Kostolany, versicherte er mir ohne mit der Wimper zu zucken. Mag ja sein das er recht hatte, aber ich wollte meine Ruhe und holte zum Angriffsschlag aus. „Basierte Kostolanys Erfolg wirklich auf abgelaufenen ungeputzten Schuhen, abgekauten Fingernägeln und mieserablen Börsenfachwissen oder braucht man dazu zwingend eine gewonnene Urlaubsreise in der Economy-Class?“ Das Mimenspiel der drei Börsianer verriet mir, das mir ein Blattschuss gelungen war. Einer wollte sich noch aufbäumen… aber, ähm, ähm, aba….  „Ich verstehe, geschulte Rhetorik und etwas Schlagfertigkeit sind auch von Nöten“… das saß. Erfahrungsgemäß neigen Menschen in Flugzeugen ehr selten dazu Schlägereien anzufangen…. Kostolany Junior war ganz kurz davor, er hatte seine Erschütterung in Zorn gewandelt und sucht krampfhaft einen Weg, Rache an mir zu nehmen. Beide Fäuste geballt und mit leicht nach vor geneigtem Haupt starrte er mich an. Er hatte genug.. blöd nur das es mir grade anfing Spaß zu machen. Seine Halsschlagader schwoll auf die Stärke eines Fahrradschlauches an und zeigten deutlichen Puls oberhalb hundertachzig, seine Nüstern blähten sich unter einem unüberhörbaren Atemgeräusch. Sein Sitznachbar erkannte die Gefahr und versuchte ihn zu besänftigen, indem er wahllos Beleidigungsversuche in meine Richtung absonderte. Timmon war auch Grund der gewachsenen Gesprächslautstärke zu uns geeilt und versuchte uns mit „möchten die Herren noch ein Getränk“ abzulenken. Mir lag auf der Zunge, sie zu fragen ob sie das erste Getränk verschüttet hatte, entschied mich aber zu Gunsten der Flugsicherheit, den Hahnenkampf zum Ende zu bringen und empfahl dem schäumenden Werwolfkostolany ein Seminar, welches ihm sicherlich an Glaubwürdigkeit, Selbstbewusstsein und Fachwissen deutlich voranbringen würde.  Das Seminar ist ziemlich bekannt in unserer Branche und der Referent eine Konifere. Kostolany, der sichtlich schon mal davon gehört, aber noch nie teilgenommen hatte, erkannte Sich in dem Spiegel dem ich Ihm vorhielt und gab klein bei.
Gut, er kann mich jetzt sicher nicht mehr leiden, aber ich hatte einen angenehm ruhigen Flug und vielleicht kauft er ja irgendwann trotzdem mein Buch.

Meine Woche in Albernao, eine Art Bootcamp für die Leute meiner beruflichen Zunft, verlief bis auf weinige Unfälle unfallfrei.

Der Rückflug nahte…

Du bist was Du isst!

Ein mit mir befreundetes Pärchen, Johanna und Jens, leben mit ihren beiden Jungs in einem kleinen Häuschen am Stadtrand. Er ist irgendwas mit Computern, sie hat sich nach dem Magisterstudium der Mineralogie dazu entschieden Hausfrau und Mutter zu sein. Eine fast normal Familie möchte man sagen… nur zum Essen darf man nicht kommen und auch sonst sollte das Thema gemieden werden. Jens ist ca. 1,90m groß und bringt stattliche 82 Kilo auf die Waage. Bei Johanna scheint es andersrum zu sein. Sie misst rund 1,65m und ihre Waage zeigt seit langer Zeit an, sie sei viel zu klein für ihr Gewicht… oder einfach nur ERROR. Die beiden Jungs sind gesund, etwas drahtig, unauffällig. Auf den ersten Blick alles normal. Nur.. Johanna ist Vegetarierin. Ein Grund, warum ich das Vergnügen habe, mit ihrem Mann in regelmäßigen Abständen einen Nahrungsergänzungsabend im Escados verbringen zu dürfen. Jens und Johanna kennen alle Salat- & Vegetarierwitze und wenn ich mal einen Neuen erzähle, hab ich ihn von den beiden. Sie kocht für ihre Männer mit Hingabe und mittlerweile kommt sehr oft genießbares raus. Mir ist nicht klar, wie sie einen Hackbraten bereitet, ohne Fleisch und Soße zu kosten. Selbst Steaks hat sie für ihren Gatten und mich schon bereitet. Johanna isst nur Möhren, Blätter, Tomaten und manchmal, wenn sie sündigt sogar Obst. Sie trinkt stilles Wasser oder grünen Tee. An besonderen Tagen auch mal Tee mit Aroma.. Kaktus-Bittermandel, Algenteppich-Regenwald und Löwenzahn-Ebrochenes… Ich habe den üblen Gerüchen schon viele Namen gegeben und Jens pinkelt sich fast immer ein vor Lachen. Zum Repertoire Johannas Ernährung gehört natürlich auch Tofu. Frisch gefangene Sojapflanzen die zu geschmacklosem Glibber geformt werden und mit der Konsistenz von gekühltem Nasenschleim anmuten. Als Platte, ähnlich einem Kasslerstück, oder als Würstchen verarscht sich der eiweißgierende Pflanzenfresser selbst. Warum die Pampe in solche Formen gepresst wird, konnte mir Johanna nicht erklären. Sie argumentierte das Essen würde so normal aussehen. Es erschließt sich mir nicht, warum sie eine Kartoffelsuppe mit Würstchen kocht um die Würstchen wegzulassen und sie durch gestückelte Tofubolzen zu ersetzen. Ich stelle mir die Frage ob es nicht mal spannend wäre einen kleinen gemischten Salat aus Kochschinken, Hackbällchen, BiFis und BBQ-Soße zu machen…damit das Essen normal aussieht!?

Beim Essen…oder viel mehr beim Grasen… erklärt Johanna relativ oft, wie gesund, nahrhaft und bekömmlich ihre Art der Ernährung ist und welche vitalitären Vorteile uns ereilen würden, wenn wir auch auf Viehfutter umstellen würden. Sie sagt nicht Viehfutter, ihr Mann schon. Während ich mich auf die Giftstoffe, künstlichen Aromen und tierischen Fette des kommenden Whoppers freue, stell ich mir die Frage, warum von all den Vegetariern die ich kenne, die meisten militant sind? Meißt sind es diejenigen, deren Äußerliches an einen chronischen Burgerfleischvernichter erinnert, die glauben normale Allesfresser bekehren zu müssen??? Allzu oft treffe ich kleine dicke Vegetarier die wirklich eine Diät nötig hätten. Meißt erschließt es sich mir ja nicht, ab die Pummelchen erst durch den übermäßigen Genuss von Hafer ihre Hüften bekommen haben oder ob die Entscheidung vom gewachsenen Huftsteak gekommen ist. Oft denk ich mir, das Elefanten auch Vegetarier sind und frag nicht weiter nach. Vorteil der Elefanten, sie gehen zu keinem Löwen und erklären ihm, er soll seine Ernährung umstellen… Das unterscheidet den Elefanten vom Homa Sapiens Vegetarius.

Die großgewachsene langbeinige Blondine aus meinem Kundenstamm, die ein wenig ausschaut als wäre sie grade aus dem Hustler gehopst, hat seidigen Teint, max. 18% Körperfettanteil, Konfektionsgröße XS-S, tolle Haare, raucht, trinkt Cola, Kaffee und auch Alkohol… Sie versucht aber nicht irgendwen vom Vergetariertum zu überzeugen… ihr Anblick wäre Beweis genug…wäre! Zum Leidwesen die Grünzeugzunft ist ihr fast jedes Steakhouse in und um LE und einige Currywurstbuden gut bekannt. Wenn die beste Ehefrau von allen, Sonntagmorgen mit meiner Lieblingstochter vom Bäcker kommt, findet mein Sohn stets „Vogelfutterbrötchen“ im Einkaufskörbchen. Grinsend tastet er dann seine Lippen ab, um zu prüfen ob ihm ein Schnabel für die vielen Körner gewachsen ist. Während er sich wieder seiner Frühstückaufgabe zuwendet, sagt er nicht ohne etwas Ironie „Papa, es gibt Körner für die Hühner und richtiges Frühstück für uns.“ Dann bereitet er ein pomfortionöses Rührei mit Bacon. Obwohl wir jedesmal böse Blicke unserer Hühner ernten, reicht sein Teil nie ganz für alle, Körnerbrötchen bleiben über. Ich glaube der Grund warum kleine biologisch gefütterte Pummelfeen so radikal auf ihre Vogelfutterernährung drängen, liegt in der Möglichkeit von den eigenen Mankos ablenken zu können. Jemand der sich normal ernährt, hat ja keine Ahnung, wo wann und wie welche Tofuwurst in welchem Salat irgendwelche entschlackenden Wirkungen erzielen könnte. So kommt der beschwatze gar nicht auf die Idee, nach der Ursache für Pickel, Übergewicht und Allergien zu fragen.
Mediziner werden sicher widersprechen, aber ich kenne keinen mit einer Steakallergie oder Bratwurstüberempfindlichkeit. Gut.. von Fischallergien hab ich schon gehört.. aber mal im Ernst.. Fische haben weder Hufe noch Hörner. Möhren, Fruchsäuren, Datteln, Nüsse, Knoblauch…selbst Pollen… alles Pflanzen die algerische Reaktionen bei Leuten die mir persönlich bekannt sind, verursachen. Die ganzen Modeerscheinungen in Sachen Ernährung gehen mir auf den Weizenkeks. Nicht weil jemand eine Allergie, einen Glauben oder eine Einstellung hat, die ihm Fleisch, Fisch, Eier, Milch u.v.m verbieten. Das permanente Belehren… oder wie wir Fleischfresser sagen „Gesülze“… die Besserwisserei, das gefährliche Halbwissen und die darauf basierende Vorverurteilung sind nervig. Ich bin 183cm groß und 94 kG schwer, ich esse Rind, Schwein, Lamm und Kanninchen… letzteres mit Thüringer Klößen und Rotkraut… also sehr ausgewogen..

Als ich klein war haben wir kaum Allergien gehabt und im Kindergarten sogar alle das gleiche gegessen… Und wenn ein Kind mal einen ADHS Anfall hatte, gabs eine Watsche von Mama und es war geheilt! Es gibt zwei Arten von Pflanzenfressern…die die Pflanzen zum Zentrum ihrer Ernährung gemacht haben und diejenigen, welche alle andersdenkenden bekehren wollen… ich bin für die ADHS-Behandlung!

 

Tagesaktuelle Erkenntnise mit Augenzwinkern

„Eine uralte Weisheit der Dakota-Indianer besagt:
Wenn Du merkst, Du reitest auf einem toten Pferd… steig ab!“
Tom Snider, sächsischer Cowboy

Diese Einstellung ist geprägt von Resignation und Passivität und damit kein Vorbild für uns. Na ja, was verstehen die Sioux auch schon von Pferden?
Da sind wir weiter. Wir als hochqualifiziertes Führungspersonal in der kommunalen Verwaltung haben für derartige Situationen zahlreiche erfolgsorientierte Strategien und zielführende Methoden entwickelt:

  • Wir sagen: „So haben wir das Pferd doch immer geritten.“
  • Wir weisen den Reiter an, sitzen zu bleiben, bis das Pferd wieder aufsteht.
  • Wir stellen dem Reiter eine Beförderung in Aussicht.
  • Wir ordnen Überstunden für Reiter und Pferd an.
  • Wir schließen mit dem Reiter eine Zielvereinbarung über das Reiten toter Pferde.
  • Wir gewähren dem Reiter eine Leistungspämie, um seine Motivation zu erhöhen.
  • Wir schicken den Reiter auf ein Weiterbildungsseminar, damit er besser reiten lernt.
  • Wir organisieren regelmäßige Teamgespräche mit einem externen Supervisor, um die Kommunikation zwischen Reiter und totem Pferd zu verbesseren.
  • Wir schlagen dem Personalrat vor, Leistungsanreize für tote Pferde einzuführen.
  • Wir erläutern dem Pferd, dass sein Verhalten zur Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen führen könnte.
  • Wir sourcen den Stall für tote Pferde aus, um Futterkosten zu sparen. (Vorschlag von „asterio“)
  • Wir setzen den Reiter um und schreiben die Stelle verwaltungsintern aus.
  • Wir schreiben die Stelle des Reiters des toten Pferdes bundesweit aus, nachdem sich aus dem eigenen Haus kein qualifizierter Bewerber gefunden hat.
  • Wir besorgen eine größere Peitsche.
  • Wir verdoppeln die Futterration für das Pferd.
  • Wir wechseln den Pferdelieferanten.
  • Wir wechselnd den Futterlieferanten.
  • Wir wechselnd das Stroh im Stall aus.
  • Wir lassen den Stall renovieren.
  • Wir schließen mit dem Personalrat eine Dienstvereinbarung über den Einsatz toter Pferde in der Verwaltung.
  • Wir berufen einen ämterübergreifenden Arbeitskreis, um das tote Pferd zu analysieren.
  • Wir besuchen andere Verwaltungen, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
  • Wir stellen fest, dass die anderen auch tote Pferde reiten und erklären dies zum Normalzustand.
  • Wir schließen uns einem interkommunalen Vergleichsring an, um entsprechend dem best-practice-Gedanken das tote Pferd zu optimieren.
  • Wir bringen im Rahmen des Budgets die Produkt- und die Finanzverantwortung des toten Pferdes zur Deckung.
  • Wir starten einen verwaltungsinternen Ideenwettbewerb zum Reiten toter Pferde.
  • Wir ernennen einen Verwaltungsmitarbeiter zum Beauftragten für das Totepferdewesen.
  • Wir beauftragen eine renommierte Beratungsfirma mit einem Gutachten, ob es billigere und leistungsfähigere tote Pferde gibt.
  • Das Gutachten stellt fest, dass das tote Pferd kein Futter benötigt und empfiehlt, nur noch tote Pferde zu verwenden.
  • Ein Ergänzungsgutachten ergibt, dass die Leistung des toten Pferdes etwa doppelt so hoch ist wie die Arbeitsleistung eines durchschnittlichen Beamten und empfiehlt die Verbeamtung des Pferdes. („Häh???“)
  • Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde.
  • Wir lassen das tote Pferd nach DIN EN ISO 9001 zertifizieren.
  • Wir bilden eine Task Force, um das tote Pferd wiederzubeleben.
  • Wir stellen Vergleiche unterschiedlich toter Pferde an.
  • Wir ändern die Kriterien, die besagen, ob ein Pferd tot ist.
  • Wir schirren mehrere tote Pferde zusammen an, damit sie gemeinsam schneller werden.
  • Wir erklären: „Kein Pferd kann so tot sein, dass man es nicht doch motivieren könnte.“
  • Wir beantragen Fördermittel der EU aus dem Landwirtschaftsfond für Pferdehaltung.
  • Alternativ schlagen wir vor, das tote Pferd als EU-Kommissar nach Brüssel zu berufen.
  • Wir erklären: „Wenn man das tote Pferd schon nicht reiten kann, dann kann es doch wenigstens eine Kutsche ziehen“.
  • Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung für tote Pferde zu finden.
  • Wir überarbeiten die Dienstanweisung für das Reiten von Pferden.
  • Wir richten einen unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein.
  • Wir weisen darauf hin, dass im Rahmen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements das tote Pferd als bewegliches Anlagevermögen zu bewerten ist.
  • Wir definieren ein eigenes Produkt „Reiten toter Pferde“.
  • Wir erstellen eine Power-Point-Präsentation, um zu zeigen, was das Pferd könnte, wenn es denn nicht tot wäre.
  • Wir bilden innerhalb der Verwaltung ein neues Sachgebiet mit Integration aller toten Pferde, um Synergieeffekte zu nutzen.
  • Wir überlegen die Gründung einer kommunalen GmbH für tote Pferde, nachdem die Einrichtung eines optimierten Regiebetriebes bzw. eines Eigenbetriebes keinen Erfolg brachte.
  • Wir suchen einen finanzstarken Partner aus der Privatindustrie und gründen zusammen mit dessen toten Pferden ein Public-Private-Partnership-Projekt.
  • Wir tauschen das tote Pferd gegen ein anderes totes Pferd aus, das laut Produktbeschreibung schneller läuft.
  • Wir tauschen das tote Pferd gegen eine tote Kuh aus.
  • Wir erschießen alle lebendigen Pferde, um die Chancen unseres toten Pferdes zu erhöhen. (Vorschlag Thomas Vogler)
  • Im Rahmen eines internationalen Artenschutzabkommens verpflichten sich alle Partner, das Aussterben toter Pferde zu verhindern. (Anregung Heide Stan)
  • Wir kündigen nach Anhörung des Personalrates dem Pferd fristlos, da es sich um einen klaren Fall von Arbeitsverweigerung handelt.
  • Wir verklagen das Pferd zivilrechtlich auf Schadensersatz wegen Nichterbringung einer zugesicherten Leistung.
  • Wir wenden die Helmut-Kohl-Strategie an: Wir setzen uns hin und warten sechzehn Jahre, ob das Pferd sich nicht einfach nur tot stellt.
  • Wir wenden die Gerhard-Schröder-Strategie an: Wir schnallen dem toten Pferd einen leichteren Sattel um, damit es die Chance hat, sich wieder von selbst zu erholen.
  • Wir wenden die Angela-Merkel-Strategie an: Alle dürfen munter sich widersprechende Vorschläge machen und am Schluss ist der Koalitionspartner schuld, wenn das Pferd sich nicht bewegt.
  • Wir erklären, daß ein totes Pferd von Anfang an unser Ziel war.
  • Wir legen das tote Pferd bei jemand anderem in den Stall und behaupten, es sei seines.
  • Wir leugnen, jemals ein Pferd besessen zu haben.

Nun stellt sich dem lachenden Leser die Frage „woran merke ich, das mein Pferd verstorben ist?“ keine Ahnung, aber mein Tip lautet:

„Wenn Du sicher bist, dass Du ein totes Pferd reitest, sorge für einen bequemen Sattel – es könnte ein langer Ritt werden!“

Insofern… einen guten Ritt..
Euer Kenobi

Viren, Trojaner und Rassismus

Es ist schon ein paar Tage her, das ich das allererste mal an einem Computer gesessen habe. Damit galt ich in der siebten Klasse als technologischer Vorreiter und Guru aller Computerspiele. Regelmäßig, fast permanent klingelte es an der Tür und einer meiner Freunde wollte mich besuchen. Genau genommen wollte mich keiner besuchen, sondern gab dies vor, um sich mit Olympia-Games ´88, PacMen und Kakao den Nachmittag zu versüßen. Meine Versuche, die Modellbahn meines großen Bruders per PC zu steuern oder grafischer Darstellung einer Mandelbrotmengenberechnung stießen auf wenig Begeisterung bei meinen Klassenkammeraden.  Der PC war mehr eine Spielekonsole mit Schreibmaschinenfunktion. Die meisten Menschen gaben offen zu, sie hätten keine Ahnung von Computern und müssten sich helfen lassen.Damals waren die Menschen noch ehrlich… bei sowas.

Von Viren oder gar Trojanern hatte niemand etwas gehört und das, was über den BASIC-Kurs der Volkshochschule hinaus ging, wurde für unmöglich gehalten.

Diskussionen unter Computerfreak auf dem Schulhof der Karl-Marx-EOS endeten oft mit einem „In meinem Handbuch steht das aber anders“ und schwere Computerproblem wurden mit dem Resetknopf repariert. Damals wurden Computer modern und der Kampf ums Wohnzimmer zwischen PC gegen C64 und Amiga war in vollem Gange.

Kaum 5 Jahre später war das Internet erfunden, aber zum Glück noch nicht in Deutschlang angekommen. Seltsamerweise ernannten sich immer mehr Leute zum Computerfachmann, weil sie einen Aldi-Computer ihr Eigen nannten und gerade daran tüftelten, ein Rennspiel auf ihrem PC zu starten. Auf Nachfrage, welches Problem bestünde, wurde sehr komplex erklärt woran es wohl läge… “ich bin zu dumm“ war der meistverschwiegene Grund!

Nahezu jede Form von Software wurde per Diskette verbreitet. Meist handelte es sich um eine grauslich anzusehende Version von Strippoker ´93 in Kombination mit einem Virus, welcher den Bootsektor der Festplatte infizierte und den Rest dieses 5 Zoll großen und 256Mbyte fassenden Speicherreliktes löschte.

Die Rettung in Form von 7 MS-DOS Disketten und 16 Windows 3.0 Disketten stand im Regal bereit oder konnte eben beim Schulfreund ausgeliehen werden. Sicherungskopien waren allgegenwärtig, Raubkopien gab es nicht und Kopierschutz … war das Wasserzeichen im 100DM-Schein.

Randgruppen, wie Amiga-User wurden als Grafikfreaks ausgeschlossen und jemand der einen Apple sein eigen nannte, wurde als Journalist abgestempelt. Die meisten der Computerfachleute dieser Zeit haben einen iMac noch für einen Burger gehalten und Linux für eine hochinfektiöse Geschlechtskrankheit. Besonders fähige Leute trauten sich schon mal, einen Computer zu öffnen um an verstaubten Leitungen zu wackeln. Bei der Gelegenheit wurden Baugruppen namentlich benannt, um Fachkompetenz und Erfahrung zu untermauern. War das Budget des Hilfesuchenden groß genug, wurde natürlich gleich der Wechsel diverser Teile empfohlen. Professionelle Helfer gönnten sich gerne eine ausgiebige Virensuche und größere Datensicherung. Schließlich lief die Arbeitsstundenuhr zu Gunsten des vermeintlichen Fachmannes!
Langsam etablierte sich der Computer vom Spielesklaven im Kinderzimmer zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand und deshalb wuchs auch rasch die Auswahl.
Viren, Würmer, Trojaner und was es sonst noch so gab, beseitigte der besorgte Besitzer wöchentlich mit einem überteuerten Internet-Security-Tool, welches er im Technikfachmarkt im Angebot gefunden hatte. Repairtool, Registrycleaner und sonst was für Zeug sorgte, wöchentlich benutzt, für Funktionssicherheit. Die Social-Networks waren noch in ihren Kinderschuhen in Amerika unterwegs und hatten im täglichen Leben noch nichts zu suchen. Der Rechensklave stand im Arbeitszimmer oder in der Stube und war dort völlig sicher vor allen Angriffen der Außenwelt… weil er nicht mit dem Internet verbunden war!

Irgendwann war es dann doch so weit:
das bitten der pubertären Sprösslinge, die Kollegin der Ehefrau mit den tollen Internetabnehmtipps oder Papa´s Kollege, der jeden Abend neue Pornos im Internet findet, manchmal waren es auch nur die fallenden ISDN-Preise…    „wir haben jetzt Internet zuhause“
An dieser Stelle wurde der digitale Rassismus unbewusst zum Leben erweckt.
Mit unzähligen neuen, unkontrollierten Quellen bezieht der mittlerweile überinformierte Nutzer Unmengen an Informationen, wo, was, wie und wer besser, schneller, billiger, größer sei. Die Qualität der Informationsquellen wird nicht mehr berücksichtig… es stand im Internet, reicht neuerdings als Begründung.
Mein Auto ist besser als deines, dieses Handy kann mehr als jenes, dieses Bauteil gehört keinesfalls in einen Computer, es muss derundder Hersteller sein.
Ich begrenze mich mal auf Computer obwohl es für medizinisches, telekommunikatives, finanztechnisches u.v.m genau so zutrifft.
Heutzutage glauben erschrecken viele Menschen, basierend auf ihren zusammengekehrten Halbwissen, es stünde ihnen zu, Dinge, Werte oder Verhalten beurteilen zu dürfen.
Es ist nicht mal zwei Monate her, dass mir ein Bekannter sagte „geh mit Deinem Mac weg“. Spontan fragte ich was er gegen meinen Mac habe und ließ mir erklären, das es mit dem Mac nur Probleme gäbe, keine Spiele richtig laufen würden und Software gäbe es auch keine dafür. Mein Interesse war geweckt und ich hoffte auf mehr Information.
„Ich mag einfach kein Obst“ mehr Gründe hörte ich nicht und fragte nach Details.
Leider vergebens, er war damit beschäftigt seinen PC während unserer LAN-Party dazu zu bringen, mit allen anderen Anwesenden zu spielen. Da ich keine weiteren Argumente erhielt setzte ich mich an meinen, von ihm schlechtgemachten Computer und spielte mit. Gehen konnte ich nicht, mein „Böser Mac“ stellte den Server auf dem sich alle anderen eingespielt hatten. Das sein Laptop nicht funktionierte, war ..logischerweise, meine Schuld, da ich ja einen Apple benutzte und er deshalb Probleme hätte…
Ein Computerrassist wie er im Lehrbuch stünde, sollte es mal ein Rassistenhandbuch geben.

Nirgendwo ist Arroganz mit Technikrassismus und Unwissenheit gepaart, wie beim Handynutzer. Als ehemaliger B-Netz-Mobiltelefonbesitzer denke ich gern an die Zeit, als mein Telefon 6 kg wog und nach 4-6 Stunden geladen weder musste. Heute ist man schon schlecht beraten wenn man ein iPhone mit 3,5 Zoll Display benutzt…denn da ist ein Apfel drauf und das Samsung xyc hat ja ein „riesiges“ 4 Zoll Display…. welches zum telefonieren in einem miserabel versorgen billig-Netz viel besser ist… die 12,5 Millimeter mehr Bildschirm entschädigen auch mal für 2 Monate warten auf die eigene Rufnummer oder eine fast chronische Nichterreichbarkeit! Geht’s noch???

Die vor langer Zeit ehrlich eingestandene Unwissenheit ist dem internetbasierten, gefährlichem Halbwissen gewichen. Und im Gegensatz zum alten Doktor Faust, bemerken heute auch vermeintlich schlaue Köpfe nicht mehr, das sie trotz vieler Jahre Studiums nichts wissen können. Ohne den Gedanken der Nachprüfung, werden Fakemeldungen und HOAXes bei Facebook verteilt und der Zeitschrift Guter Rat, alles Mögliche und leider auch alles Unmögliche geglaubt.

„Das ist der beste Laptop bis 500 €, steht so im Testbericht…“ ließ ich mich vor kurzen von einem befreundeten Computersuperspezialfachmann aufklären. Er arbeitet tagsüber als Aushilfe in einer Malerfirma, weil ihn natürlich keiner mit seiner enormen Vorbildungen bezahlen kann und er deshalb keinen Job als Steve Jobs oder Bill Gates findet. Ich machte mir die Mühe und suchte den Test heraus… es war gar nicht einfach, den einen Test zu finden, in dem seine Rechenkrücke gewonnen hatte, aber es gelang mir.
Der Testbericht laß sich wie ein JackAssDrehbuch für Informatiker.
Funktionalität nach Abstützen wurde gewertet… nicht Softwaretechnisches, sondern nach FALLHÖHE sortiert und auch die über die Tastatur aufzunehmende Menge an Kaffee, floss erheblich in die Benotung ein.
Bei der Ausstattung erzielte ein dritter USB-Slot mehr Punkte als der Arbeitsspeicher. Nutzungsdauer und Akkulaufzeiten waren gar nicht aufgeführt… wozu auch, es gibt ja ein Netzteil mit „Internationalem Steckeradapter“ dazu!
Letztlich gewann das Spitzenmodel auch weil es mit Windows 8 ausgeliefert wurde. … juhu…

Die Krönung erlebte ich auf einem Seminar, wo mir ein sonst recht pfiffiger Kollege von meinem MacBook abriet, weil Apple ja kein Flash unterstütze… soso!
Im Laufe des Abends hatte ich das fragwürdige Vergnügen, eben diesen allwissenden Tippgeber beim Erstellen seiner privaten Homepage zu beobachten… mit Frontpage 97.
Als mein Sohn 4 Jahre alt war, erziehle er schönere Ergebnisse auf seinem Magna Doodle!

Heutzutage glauben immer mehr Leute, das alle FBI Mitarbeiter mit Vornamen Agent heißen. Das sind dann diejenigen die Kettenbriefe versenden, um vor Kettenbriefen zu warnen oder wahllos Fakebilder von misshandelten Hunden oder verschwundenen Kinder bei Facebook teilen…
Der gute Wille, gepaart mit einem Internetzugang und dessen unglaubwürdige Quellen, bringen Informationen hervor die genauso nützlich und wertvoll sind wie eine Sollbruchstelle an einem Gipsbein.
Das ersparte selber denken, lässt so viele Menschen glauben:
Kinderfernsehen ist immer für Kinder geeignet, Kinderschokolade ist gut für Kinder,
Zitronenlimonade wird aus Zitronen gemacht, Diätpillen funktionieren wirklich,
Verona kauft bei Kik, der Grüne Punkt diene dem Umweltschutz,
Smarts dürften Quer parken, die Erde ist eine Scheibe und last but not least:
es gibt profitunabhängigen, investigativen Journalismus außerhalb von RTLplus.

In diesem Sinne:

„Das Dumme an Zitaten aus dem Internet ist,
dass man nie weiß, ob sie wahr sind.“

Leonardo da Vinci
vegetarischer Metzgermeister &
kubanischer Freiheitskämpfer
1209-1344

PS: Danke für die Berufsangabe an Henry J. (BitArtDesigner)

Lorbeer-Kaktus Pudding zum Schulanfang

Bevor ich einen kleinen Bericht über meine neusten Abenteuer auf der Suche nach intelligentem Leben auf der Erde abliefere… seid gewarnt: meine Lektorin war dieses mal die Autokorrektur, denn meine Lieblings-Lektorin Kati hat einen neuen Job und wenig Zeit… liebe Grüße!

Der letzte Mittwoch sollte ein schöner Tag werden. Sollte.. mein Kalender erinnerte mich an die Schulkonferenz. Eine Zusammenkunft, bei der Lehrer und Eltern gleichermaßen Entscheidungen über Planungen der kommenden Schulmonate treffen. Vor langer Zeit hat mich unsere freundliche lächelnde Klassenlehrerin für den Posten des Elternsprechers vorgeschlagen… wie sie wohl darauf gekommen ist. Irgendwann landete ich dann in der Schulkonferenz und hatte, ganz im Gegensatz zu meinem häuslichen Stand, plötzlich Stimmrecht.

Normalweise ist ein solches Treffen recht schnell abgearbeitet. Alle wichtigen Dinge werden kurz durchgesprochen und danach per Handzeichen entschieden. Normalerweise…
Seit einiger Zeit hat eine der kleineren Klassen eine neue Elternsprecherin. Aufgefallen ist sie mir gleich am Anfang, weil sie unhörbar ist. Sie spricht oder ehr nuschelt dermaßen leise, das es fast weh tut, so sehr muss man sich beim zuhören anstrengen.
Eine Frau die leise spricht…da spricht nichts dagegen, möchte man sagen. Doch selbst ein Volltrunkener mit entzündetem Zungenpiercing ist verständlicher. Auffällig wurde die Gute vor ca 18 Monaten, als sie vorschlug den Schulhof mit Obstbäumen zu bepflanzen… damit die Kinder sich mal frisches Obst pflücken könnten.

Um den Gedanken ad absurdum zu führen ergänze ich damals: „es wird schwer werden ganzjährig tragende Mischobstbäume mit 358fachem Fruchtabwurf zu finden, damit jedes Kind täglich einmal was frisches pflücken kann…“
Die Jutetasche, wie ihr Spitzname seither ist, schaute mich an und sagte „ soviel brauchen wir nicht, es nutzen ja sicher nicht alle Kinder“… und sie meinte das Ernst!

Seither glänzt Juti mit mehr oder minder undurchführbaren, hirnrissigen und/oder unbezahlbaren Vorschlägen zum Wohle aller Kinder. Wohl gemerkt ALLER Kinder. Meine beiden Terrorzwerge sind sicher nicht wie alle, aber sie essen gern und reichlich in der Schule, nicht immer, aber sehr oft. Beschwert haben sie sich noch nie und auch sonst habe ich kaum Beanstandungen über den Essenanbieter die Schule vernommen…außer von Juti…   In der von ihr vertretenen Klasse scheinen alle Kinder das Essen zu hassen und wünschen sich, scheinbar, nichts mehr als täglich frische Biodatteln, Gluten freie Weizenkleie und Birke-Brenneseltee zu Mittag.
Nicht falsch verstehen… seit die beste Ehefrau von allen, entschieden hat, ich will mich gesund ernähren, will ich das auch! Und wenn ich den Typen erwische, der jeden Monat im Escados mit meiner Kreditkarte 550g argentinisches Ribeye-Steak ißt, wehe dem…

Wie auch immer, gestern hat Juti vorgeschlagen „die Kinder aller Klassen könnten doch für sich selber und die Lehrer kochen“
Mr. Navarro hat mir gelehrt, kleine verdeckte Reaktionen der Menschen zu lesen… Umsonst. Verdrehte Augen, in Händen vergrabene Gesichter, spontan Richtung Ausgang gedrehte Füße und Körper und zunehmende Blässe in manchen Gesichtern sagten es überdeutlich „nein bitte, bitte nicht schon wieder ein biologisch abbaubarer Hirnfurz“

Zu spät. Ausgiebig erklärte Juti, wenn jede Klasse ein Kind pro Tag für eine Stunde zum Kochen abstellen würde, wären täglich 16 Kinder da, die das Essen für die ganze Schule bereiten könnten. Und das wäre gesund und würde dann allen schmecken.
Sie habe mal in einem Buch gelesen, das so etwas in einer Schule versucht wurde und allen Kindern habe es geschmeckt und sie waren fortan sehr glücklich.
Vermutlich war es das Jahrbuch der Woodstock „High“ Grundschule …

Ich erinnerte mich an den Versuch meiner Tochter, abgepackte Brötchen aufzubacken. Dem elektronischen Brandmelder verdanken wir unser Leben. Auch Max´ Idee Butter während des Toastens aufs Brot zu streichen, überstand er nur dank blitzschnell abschaltender Elektronik. Gepriesen sei Joe, der geniale Elektriker.

Sechzehn täglich wechselnde Kinder und eine Küchenfrau kochen alleine 360 Mahlzeiten auf ca 30 m². Ich stellte mir vor wie die Rettungssanitäter im St.Georg auf die Uhr schauen und sich gegenseitig zurufen:

„he lass uns schon mal losfahren, in der Scholli wird gleich wieder versucht zu kochen“ „sag mal, hat die Kleine aus der 3c ihre Vergiftung überstanden?“
„Ja, ihr Zustand ist stabil, aber der Erstklässler mit der Verbrühung wird es wohl nicht schaffen“
„seit der Mehlstaubverpuffung vor 2 Monaten kämpfen die Überlebenden darum, eine Cateringfirma zu bekommen, das wäre sicher am gesündesten für die Kinder“
„ich denk immer noch an den ausgehungerten Viertklässler, der vor Freude geweint hat, als ich ihm meine Bemme schenkte und ihm zuflüsterte >da ist Leberwurst drauf<“

All diese, durchaus realistischen Gedanken verdrängt Juti in ihrer Argumentationskette.
Die Kinder können doch gar nicht beurteilen wie gut richtiges Essen schmecken würde, weil sie ja nur FastFood kennen würden. Aha…
Ich verwarf den Gedanken, schuleigenes Cannabis zu pflanzen, um den Schulanfängern gleich zum Start pädagogisch richtig das Rauchen zu lehren, auch das schulgarteneigene Cocafeld strich ich zum gleichen Zeitpunkt.

Auf wundersame Weise gelang es unserer genialen Direktorin, das Thema und damit die Konferenz nach kurzweiligen 60 Minuten zu beenden. Erleichterung und Freudentränen zeigten sich in den angsterfüllten Augender meisten Teilnehmern.
Juti nuschelt nicht nur, sie scheint auch schwerhörig zu sein, den meinem Vorschlag einen Kurs „leckere Cocktails aus Eigenurin“ in das Nachmittagsprogramm zu integrieren, ignorierte sie augenscheinlich.

Ich verließ die Schule und beendet den Tag mit meinen Freunden bei Coffeein, Nikotin und Alkohol, sowie Wurzner Erdnusslocken….
Sicher…deswegen hat sich meine Lebenserwartung verringert… aber ich hatte wenigstens Spass dabei!!!

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und
realen Handlungen sind rein zufällig… ehrlich!!!

Wem ist diese Socke?

Einige Leserinnen äußerten die Vermutung, mir habe die Klassenfahrt nicht zugesagt! Dem kann ich nicht zustimmen und nicht wiedersprechen. Meinem Geist hat es einen Heiden Spaß gemacht, den Zwergen beizustehen, wie sie ohne Mama und Papa die Tage und Nächte überstehen. Körperlich betrachtet, aus einer 3000 Kilometer entfernten 5 Sterne Luxusvilla, muss ich feststellen: Auf meine alten Tage sind die Abenteuer, die ein 10jähriger locker wegsteckt, doch recht ermüdend! Aber ich würde immer und überallhin wieder als Mitreisepapa zur Verfügung stehen!

Am dritten Tag der 3a Weltreise war nichts konkretes geplant und der Vormittag mit Tasche packen, Bettwäsche abgeben und Zimmer beräumen verbraucht. All diese Aufgaben hatte ich zwischen fünf und sechs Uhr am Morgen erledigt, da sie indirekter Alternative zum schlafarmen umherwälzen auf meinem Ruhestein standen. Die Minions waren erstaunlich schnell auf Standardlautstärke, was wohl an der bevorstehenden Heimreise lag. Trotz emsigen umhereilens, gelang es nur Wenigen Abreisefertigkeit vor dem Frühstück herzustellen. Zu neu war die Situation, den Rucksack, den Koffer oder die Tasche selber füllen zu müssen. Ein Shirt, zwei verschiedene Socken und ein Legolichtschwert bleiben als Rest in den, mir anvertrauten Jungszimmern und natürlich hatte keiner der Jungs den Mumm zuzugeben, etwas liegengelassen zu haben. Das Lichtschwert war schnell zugeordnet, denn nur einer… mein kleiner vorlauter Padawan… hatte derart unnütze Bewaffnung dabei. Das Shirt konnte nur zweien der Racker passen, den kleinsten und auch hier fand sich der Besitzer recht schnell. Bei den Socken war das schon schwerer. Eine Schwarze mit rotem Rand und eine dunkelblaue mit weißer eins drauf. Wie sollte ich sie zuordnen… alle Socken zeigen lassen? Die unnummerierte Socke war mit 29-31 beschriftet. Fünf von vierzehn Seals gaben bereitwillig an, die gleiche Schuhgröße zu haben und waren sich sehr sicher, es handle sich nicht um deren Eigentum. Irgendwer muss sie beim Hausmeister in der Schule in den Fundsachenkarton legen. Der knuffigste der Gruppe, eine deutlich verkleinerte arabische Version von Bud Spence ohne Bart, dafür mit Brille, erklärte sich bereit, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu erledigen. Da mir die Nummer „1“ Socke seltsam bekannt vorkam, und ich einen besonders missratenen vergesslichen Schussel unter Verdacht hatte, klopfte ich einfach mal auf den Busch. Ich tat so, als würde ich an der blauen Socke riechen und zog eine angewidertes Gesicht. „Boaaah, wessen Füße riechen den hier nach totem Vogel und faulem Käse“… keiner meldete sich…. „Meine“ ergänze ich, um den Rabauken die Angst zu nehmen. Und wie zu erwarten, tappte der käsefüßige Sockenvergesser in die gestellte Falle. „Meine auch…manchmal“ strahle mich mein Sohn an, schnappte sich das Corpus Delicti und verstaute den Stinkerbolzen in seinem Rucksack zwischen seinen Comics.

Bis zum Mittagessen gab es Frisbee, Tischtennis, Fußball und allerlei anderer kurzweiliger Tätigkeiten, die den Minions die lange Weile nahmen und den Erwachsenen etwas Zeit gaben, die Abreiseformalitäten zu regeln. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle das „Duo Infernale“, zwei kleine Mäuschen aus der 3c.  Beide hopsten über die Parkbänke im Eingangsbereich der Herberge und ich glaubte mich zu erinnern, das so etwas nur ungern gesehen war. Nach einigen Bitten und Ermahnungen, die stets nach knapper Zeitspanne in Vergessenheit gerieten, schnappte ich mir eine der beiden Prinzessinnen, drehte sie in der Luft kopfüber, um sie mit dem Kopf über den Papierkorb zu halten und mit gespielter Strenge donnernd zu drohen: „wenn damit nicht sofort Schluss ist, wohnst Du ab heute im Mülleimer!“  Sie lachte und versprach gemeinsam mit ihrer Freundin, fortan meinen Anweisungen folge zu leisten.

Während ich mir noch gedanklich für diese pädagogische Meisterleistung auf die Schulter klopfte, vernahm ich die Klassenlehrerin der beiden Grazien: „wenn das mal kein Fehler war.“ Ich kapierte gar nichts, die Bänke waren leer, die Mädchen spielten abseits etwas anderes und niemand schien ein Problem mit dieser Version von Erziehung zu haben. „Die zwei sind mein Duo Infernale und die werden sie jetzt sicher nicht mehr los!“ lächelte, fast grinste mich die Lehrerin mit deutlichem Glanz von Schadenfreude an. Im Gedanken an mögliche Klagen wegen tätlicher Papierkorbkinderfüllung versunken, grübelte ich welche Bedeutung außer „teuflisch“ im Juristendeutsch dem Wort „infernale“ angedichtet werden würde.“ Prinzessin zwei des benannten Duos riss mich aus meinen Gedanken. Sie hatte sich neben mich gesetzt, legte ihren Kopf auf meinen Oberarm, an dem sie zeitgleich zuppelte und fragte mich unverhohlen „Bestrafen Sie mich bitte auch mal?“ Ich musste mir ein lachen verkneifen… „wie bitte?“
Ihre braunen Kulleraugen glänzten erwartungsvoll. „na weil ich doch auch auf der Bank gelaufen bin, möchte ich jetzt auch bestraft werden, weil ich ein böses Mädchen war!“ Es kostete mich alle Kraft, nicht lauthals loszulachen. Ich stand auf, sagt ihr, wie beiläufig „beim nächsten mal“ und suchte das Weite. Ich fand es 15 Meter entfernt, in Form der Klassenlehrerin, die mich äußerst schadenfreudig anstrahlte. „mein Duo Infernale“ sagte sie, worauf ich entgegnete „ sie wird mal einen sehr ausgeglichenen Ehemann haben!“
Ich bin mir sicher, wir hatten den gleichen Gedankengang und sehr ähnliche Bilder im Kopf, denn das „Ooh jaa“ klang sehr überzeugt.

Kurze Zeit später startete die Protonrakete zum letzten mal im Speiseraum, ein Hauch Wehmut lag in den Gesichtern der Kinder, sie wussten das nach dem Essen der Bus kommen würde. „Schon nach hause“ und „bald wieder bei Mama“ waren Tenor der Mittagsstimmung. Kurz vor der Abreise ließ auch die kleine zukünftige Zofe von mir ab und erbat sich Strafen bei den Jungen ihrer Altersklasse und fand natürlich genügend Räuber die sie bereitwillig mit einem Tuch an den Lichtmaßt fesselten und anschließend, mit kitzeln, bestraften.

Der Bus wurde beladen mit Kindern und Taschen, unsere Lieblingsklassenlehrerin zählte sanft lächelnd, ob ausreichend Kinder an Bord seien und ab ging die Post. Die Fahrt war schnell vorüber, was sicher auch daran lag, das ich etwas von dem lange vermissten Schlaf im Bus wiederfand. Wir waren fast eine Stunde früher da als auf dem Informationszettel stand und außer der besten Ehefrau von allen, waren keine Abhole-Eltern da. Zu gerne hätte ich das Schauspiel miterlebt und niedergeschrieben, aber man kann nicht alles haben. Wir hatten drei spannende Tage hinter uns, alle waren gesund und die meisten munter… Klassenfahrt eben, ich hatte das ja vor 20 Jahren zum letzten mal so erlebt und anders war es dieses mal auch nicht.

Die beste Ehefrau von allen berichtete mir am Abend, das unsere Kinder nur ein einziges Kleidungsstück verloren hätten, Max fehle eine blaue Socke Nummer eins. Etwas ratlos darüber fragte ich „ und die, zwischen den Comics? Hast Du die schon gefunden?“
„ja, aber die Andere war unauffindbar.“
Ich erzählte ihr nicht, wie die Socke in den Rucksack gefunden hatte, sonst wäre ich noch am Verlust der anderen schuld.

Fango für Kinder….

Bisher trug ich mich der Meinung, das nicht schlimmer sein als die gute Laune anderer Leute am Morgen nach einer durchzechten oder wie in meinem Fall sehr schlafarmen Nacht. Es gibt etwas deutlich Schlimmeres : Viele Kinder, egal welcher Laune. Da ich kaum geschlafen hatte, erhob ich mich missmutig von meinem Ruhestein, massierte die wundgelegenen Körperstellen um wenigstens die restlichen Nervenbahnen wieder mit Blut zu versorgen und schlappte zum Männerduschraum. Nahezu alle Anstaltsinsassen schliefen noch, den nach der späten Nachtruhe und dem aufregenden Tag war 5:53 Uhr einfach zu früh für die meisten Kinder. Ich schaute in den Spiegel als der Morgen graute, mir graute auch, viel kühles Duschwasser brachte meinen, recht betagten Kreislauf in Schwung und es gelang mir tatsächlich vor allen Anderen meine Morgentoilette, den Bettenbau und der Schuhputz abzuschließen. Der Tag kann kommen, dacht ich mir, während ich die Geschenke für unsere sanfte Lehrerin bereitlegte. Ja, sie hatte heute Geburtstag und viele der sonst, aus meiner Sicht, unerträglichen Terroristen hatten ein Präsent vorbereitet. Langsam begannen die Techniker den Start der Protonrakete vorzubereiten… stetig stieg der Geräuschpegel im Haus von Mucksmäuschenstill über Theatergemurmel auf Düsentriebwerksniveau an und erreichte gegen siebenuhrdreißig seinen Höhepunkt. Das Getöse hatte nun alle Langschläfer geweckt und jeder der unzähligen Minions begann auf seine Art und Weise mit dem Tag. Manche wuschen sich und putzten Zähne, andere Nehmen ein erstes Milkafrühstück in Form einer 300g Trauben-Nuss, einige spielten Starwars mit angeschlepptem Zubehör. Unsere Klassenlehrerin inspizierte die Räume ihrer Schützlinge mit dem ihr eigenen sanften Lächeln, welches heute besonders relaxt schien. Ein Umstand den ich ihrem Geburtstag zuschrieb. Dieser war auch der Grund, warum sie mehrmals an diesem Morgen mit einem lauthals dahingequäktem „Häbbie Börsdee Duu Juu“ überschüttet wurde. Mir blieb verschlossen, warum man an seinem Geburtstag zur Klassenfahrt fährt, wo man diesen doch mit ausgesuchten Menschen verbringen könne. Ich bin zu alt für diesen Kram, dachte ich mir, während ich die Protonrakete im Frühstücksraum zur Contenance pfiff und der so Angenehme geräuschlose Moment durch das tausendste Geburtstaglied niedergestreckt wurde.
Der Vormittag war frei, den die geplante Kremserfahrt wurde Abgesagt, nach dem der Wagenbesitzer unerwartet verstorben war. Vermutlich hatten unzählige Kinderfahrten mit ebenso vielen „ich muss mal“, „wann sind wir endlich da“ und „ich hab Hunger“ den letzten Funken Lebenskraft genommen oder ihn in der Selbstmord getrieben. Sicherlich würde er es mir im Himmel berichten, sobald auch ich durch etlichen Minions vom Suizidberg gestoßen bin. Tischtennis, Liegestütze, Hasche, Rempeleien… der Vormittag war dich gespickt mit vielen kleinen Kurzweiligen Programmpunkten und so kam es für die Taliban ganz und gar unerwartet, als die Protonrakete in den Speiseraum gerufen wurde, um die mittägliche Raubtierfütterung beginnen zu lassen.
„Am Nachmittag wandern wir nach Schmannewitz ins Bauernmuseum“ verkündete unser sanfte Lehrerin und ich grübelte ob das so eine gute Idee war. Zum einen konnte ich mir ganz und gar nicht vorstellen, ob es derart sehenswerte Bauern gab, daß man sie ausstellen konnte, andererseits taten mir die armen Bauern leid, die Wochentags von 9 bis 17 Uhr in einem Museum herumstehen mussten. „Zwölfuhrdreißig ist Abmarsch, denn die andere Gruppe war am Vortag über 90 Minuten dorthin unterwegs und wir wollen heute ja pünktlich ankommen“… war das die Herrausvorderung an mich oder nur so dahingesagt? Wie auch immer! Halb eins stand die 3a in Dreierreihe am Lagerausgang und wurde, fast im Gleichschritt von mir auf das 4200 Meter entfernte Ziel geschickt. „90 Minuten… das schaffen wir doch viel besser“ spornte ich die kleinen Seals an. Von der Geradlinigkeit meiner fast militärisch anmutenden Anweisungen begeistert, sangen wir sogar Marschlieder… mehr oder weniger zumindest….
Das Westerwaldlied scheiterte an Textsicherheit der Kinder, Alle meine Entchen passte nicht zum Schrittakt. Wir einigten und recht bald auf „aus den blauen Bergen kommen wir“ und ich erntete mit immer neuen Strophen, die Google mir aufs iPhone übermittelte, die Begeisterung der Kinder. Ein kleiner Strolch aus dem Zimmer meines Sohnes, den ich bereits als typischen Mitleidfarmer identifiziert hatte, verfiel erneut in diesen Modus. Mit „ich kann fast gar nicht mehr“ oder „nie darf ich ganz vorne Mitlaufen“ versuchte er sich durch erschnurrtes, grundloses Mitleid, einen Vorteil zu verschaffen (lG an Netti). Ich überlegt kurz ob es nützlich wäre, dem Zwerg Mitleid zu schenken, nachdem ich ihn „aus Versehen“ in einen Teich geschubbst habe, verwarf diesen Gedanken aber. Der kleine Kniebeißer, der fast ständig mit der Kapuze auf dem Kopf rumlief, war ja auch nur das Produkt, der Erziehung seiner Eltern. Die Kapuze trug er, weil alle Sithlord so was tun. Nun gut, dachte ich mir, versuch ich es mal mit der Macht. „wenn jemand in Meister Kenobis Team Kapuze tragen soll, dann sage ich das, den ich bin Meister Kenobi!“ Profunde Kenntnisse über das Starwarsuniversum sicherten mir schlagartig den Respekt des jungen Padawan und er folgte fortan willig meinen Anweisungen. Das machte ihn nicht erträglicher und so entschied ich mich, ihm die Aufgabe eines Scout nahezulegen. Mit etwas Spannung erklärt und die Wichtigkeit eines solchen Handels überzogen dargestellt, seppelte der junge Jediritter geschäzte 250 Meter vor dem Rest der Gruppe her, um uns vor nahenden Angriffen der imperialen Clonkrieger zu warnen.
Nach 74 Minuten Orientierungmarsch, 20 Lehrerfeindlichen Liederstrophen und mind. Drei vereitelten imperialen Angriffen, stand die Klasse 3a vor dem Gehöft, welches ein Bauernmuseum beinhalten sollte. Ein prima Zeit lobte ich die Achtjährigen und drängte sie Flüssigkeit und Nahrung zu sich zu nehmen. Zugegeben, ich hätte mich genauer ausdrücken können. CokaCola und Milkaschokolade war nicht das was ich für die passende Stärkung hielt, aber unsere kleinen Marathonläufer kamen augenscheinlich gut damit zurecht.
Nach dem das Finanzielle mit der Oberbäuerin geklärt war, begann die Führung. Es waren keine Bauern ausgestellt, aber sehr kindertauglich erklärt, wozu Bauern nütze sind und was sie so alles machen. Bauer im Wandel der Jahrzehnte, Technik um 1900 bis fast heute wurde unseren Stadtprimaten gelehrt. Manche Erkenntnis über ländliche Tätigkeit, Getreidearten und Agrarprodukte sicherte den pädagogisch wertvollen Teil unseres Trips ins Schmannewitzer Paralleluniversum. Nachdem wir uns antike Pflüge, Eggen, Saftpressen, Kartoffelwaschmaschinen und Kuhställe angesehen hat sowie einen Werbefilm über das bevorstehende Bauernfest, traten wir den Rückweg an. Es war 15:30 Uhr und somit reichlich Zeit, den dorfeigenen Eissalon zu erobern. 13 € aus der Klassenkasse sicherten jedem der kleinen Fruchteiszwerge einen kalten Snack in Waffel. Etwas abseits des Eiscafés, gleich beim ortseigenen Bach, ließen wir uns auf eine Wiese nieder. Erst lümmelten die erschöpften Krieger auf der Wiese rum und vertilgten ihren Imbiss. Mit der Zeit wurde das Bächlein, das kaum breiter war, als ein sechzigjähriger pinkeln kann, von den Rabaukenoberhäuptern zum „Reißenden Strom des Todes“ erklärt und nur die mutigsten der Mutigen würden es wagen ihn zu überspringen. Das ließ natürlich keiner auf sich sitzen. Nacheinander traten alle vorpubertären Basejumper an, den Todessprumg zu wagen. Ich überlegte mir, ob ich die wie gewohnt sanft zu Vorsicht mahnende Klassenlehrerin zu einer „wer fällt als erstes rein Wette“ anstiften sollte, als sich der Gedanke durch ein, vom Bach tönendes Flatsch, gepaart mit lautem „5ch€i?e“ und dem Gelächter einiger Kinder, in Luft auflöste. Allen Hinweisen zum trotz, hatte es eines der Minions gewagt, Knöcheltief im „schwarzen Schleim des Todes“ zu landen und schritt nun mit einem deutlich hörbarem Schmatzen im linken Schuh zu mir. „Verletzte?“ fragt ich und freute mich über ein deutliches „Nein“, den es nahm unseren beiden erwachsenen Begleiterinnen die gut sichtbaren Sorgenfalten aus der Stirn. Jonny Depp, wie ihn die Kinder auf Grund seines richtigen Namens nannten, ging es gut. Er zog es vor die schlammgeträngte Socke auszuziehen und barfuß im durchnässten Schuh heimwärts zu schmatzen. „Er kann ja hier warten bis er trocken ist!“ Der kleine Nerventöter riss mich aus meinen Gedanken. Er hatte seine Kapuze wieder über den Kopf gezogen und wartete umring von einigen Jungen auf meine Zustimmung. Auch die Erklärung der anwesenden Mama, das so etwas Unfug sei, brachte die Minions nicht von ihrer Meinung ab. Es war also an mir, die Situation zu retten. Es wäre ein leichtes gewesen, den Rackern die Anweisung zum Rückmarsch zu geben und ihre Meinung zu übergehen. Ich entschied mich anders. „Wir NAVI-Seals lassen keinen unserer Männer zurück, egal ob er gefangen wird oder verwundet ist! Ist das klar Männer?“ Die Augen der Jungs leuchteten auf, einer rief „Sir, yes Sir“ und fragte mich „wie ist ihr Plan General?“ Schnell waren die Aufgaben verteilt, zwei Scouts sicherten den Rückzug, drei weitere Sealsrekruten übernahmen das abwechselnde Tragen von Jonny´s Rucksack, einer mimte den Verbindungsmeister zwischen allen wichtigen Personen unserer Gruppe, zwei sicherten den rückwärtigen Raum. Ganz tief unten in meinen Erinnerungen an die Bundeswehr, hatte ich ein paar wichtig klingende Bezeichnungen verwendet und jeder glaubte, ohne seinen vollen Einsatz würde das Unternehmen „wir retten Jonny Depp vor dem schwatzen Todesschlamm“ scheitern. Ein Mädchen der Klasse, die sich ohnehin schon am besten mit unserer zu rettenden Zielperson verstand, bot sich spontan als Sanitäterin an. Das Team war gebrieft, jeder hatte seine Aufgabe und in sagenhaften 70 Minuten erreichten wir das rettende Basislager, wo es Essen, Getränke und Duschen gab. Meine kleinen Seals waren klasse! Wirklich! Keine imperialen Clone konnten uns etwas anhaben, wilde Tiere und Waldmonster wurden von den Scouts erkannt, von den Navigatoren umgangen oder von der Taskforce in die Flucht geschlagen und es gelang meinen Helden sogar zusätzlichen Ballast ( die Erwachsenen ) zu retten. Es war schon ein sehr erhebendes Gefühl im Jungszimmer zu stehen und aus TopGun zu zitieren… „Ihr seid die Besten der Besten! Ihr seid die Elite“ Meine 14 kleinen Seals platzten vor stolz und beim Abendbrot war der Start der Protonrakete irgendwie erträglicher als sonst. Nach Einbruch der Nacht war Lagerfeuer mit Knüppelkuchen.
Einige Kinder, die zuverlässigsten, wie mir versichert wurde, durften eine Sonderaufgabe übernehmen. Die andere Klasse hatte heute ihre Ruinenführung und wir sollten den Monsterteil übernehmen und sie zu Tode erschrecken. Viertel Zehn bezogen vier Jungs, fünf Mädchen, unsere Klassenlehrerin und ich den dunkelsten Teil des Weges zwischen Schlossruine und Herberge. Das Jungsteam unter meiner Leitung hatte die Aufgabe den Feind, wie die 3b kurzerhand von mir tituliert wurde, zu zermürben. Die Köpfe tief ins wegnahe Feld gepresst, verunsicherten wir den Gegner mit allerlei Wildtiergeräuschen. Mit Wildscheingrunzen, Kojotenheulen, Maulwurfscharren, Amselpfeifen und ähnlich gruseligen Geräuschen zogen wir die Konzentration des Gegners auf uns. Abgelenkt durch die bedrohliche Akustik gingen unsere erklärten Todfeinde in die Falle. Während alle mit Ihren Taschenlampen wieder und wieder über das Feld leuchteten um sicher zu gehen das ihnen keine Eichhörnchen des Todes, oder ähnliches grausliches Getier folgte, vergasen die Kinder die nahen Sträucher abzuleuchten. Dort lauerten unsere Mädels, die mit wahrhaft Ohrenbetäubenden Gekreische und Geschrei aus dem Unterholz schossen und die Klasse 3b vollends aufrieben. Es klang, als gäbe es 50% Rabatt auf alle Manolo Blahnik Schuhe! Die Kinder stoben auseinander wie eine Mehlstaubverpuffung und Chaos brach in der 3b aus. Es dauerte geraume Zeit bis wieder halbwegs Struktur zu erkennen war. Sonst ehr vorlaute Jungs weinten wie ihre 4jährigen Schwestern, Mädchen hielten sich mit angsterfüllten Augen zitternd bei den Händen, je größer die Klappe war, desto näher war das Kind am unkontrollierbaren Wasserlassen. Ein gelungener Einsatz der 3a-Seals, wie uns die schnell einkehrende Ruhe in der Herberge erkennen ließ. Auch heute gönnten sich die erwachsenen größtenteils einen trockenen Roten vor der Nachtruhe, denn unsere Klassenlehrerin hatte ja immer noch Geburtstag und ein wenig wollten wir ja auch das normal feiern! Kurz nach eins erklomm ich meinen Schlafstein, von der trügerischen Hoffnung getrieben, diese Nacht erholsamen Schlaf zu finden!