We were awesome!

Liebe Freunde, nach zwei weiteren Tagen gekochtem Wildschwein in Pfefferminzsoße, ist es mir ein tiefes Bedürfnis weitere Erlebnisse und Gedanken zu veröffentlichen.
Gestern haben wir fast den ganzen Tag im Wicksteedpark zugebracht. Dieser Park ist eine gekonnte Mischung aus dem Wörlitzer Park, dem Belantis und der Sparkasse Leipzig. Rein landschaftlich angelehnt an die hochherrschaftlichen Parks französischer Könige, besticht er durch ewig lange Fußwege und wenige Sitzmöglichkeiten. Letztere sind, so vorhanden, bereits belegt durch Pfefferminztee trinkende Veteranen aus dem zweiten Weltkrieg. Dann gibt es natürlich noch die zu den Restaurants gehörenden Sitzmöglichkeiten, welche in Komfort in etwa gleich zu setzen sind mit einem westindischen Fakirkissen. Der nächste Baustein (Belantis) weckte da schon deutlich mehr Interesse bei den uns. Jedoch reichte auch hier die Bewertung von 0 – 10. Je nach dem, wer bewertete und was und wann bewertet wurde. Mit der Begeisterung wie sie nur kleine Jungs von sich geben können, entdeckte mein Sohn eine GoKartbahn… selbst Gas geben, selbst Lenken, der Erwachsene muss nur daneben sitzen. Wir stellten uns an. Natürlich, wie bei allen Attraktionen, an eine ganz kurze Schlange… naja… ist mein Lieblingssohn! „The Race“ erwies sich jedoch als Sache deren Spaßfaktor einem Lebertranwettrinken nicht den Rang ablaufen kann. Die Karts knatterten mit der doppelten Geschwindigkeit eines AOK-Choppers über die hosenträgerbreite Holperstrecke. Es war unmöglich irgendetwas andere zu machen, als im Entenmarsch hinter den anderen her zu tuckern. Der liebste meiner Söhne, brachte es mit einem Satz auf den Punkt, den ich treffender nicht formulieren hätte können: „Das ist ja, wie wenn Mama fährt!“ Ein Autoscooter, eine Wildwasserrutsche und den ganzen anderen Kram ließ ich zum Spaße meiner Kinder über mich ergehen. Meine Lieblingspatentochter rettete den Tag mit den Worten: „Holly, spielst Du Laser-Tag?“…

Emi und ich kämpften uns teils Schulter an Schulter, teils Rücken an Rücken durch hunderte, fast tausende von Gegnern. Wild um sich ballernde 6 jährige. Militante Mütter der neben ihrer Lasergun mit Handtasche, Blackberry und Tempos bewaffnet, ihren heulenden Kleinkindern erklärten, das sie nicht wirklich sterben müssen. Teenager die, enttäuscht über den Mangel an Realität, lieber mit roher Gewalt aufeinander losgingen. Die bereits erwähnten Kriegsveteranen, welche augenscheinlich verwundert waren, das ein Deutscher mitspielen durfte und ein junges gutaussehendes Mädchen mit ihm kollaborierte. Wie auch immer…
We were awesome!
Mit einer Hitrate oberhalb RAMBO 1-3 gingen wir wie ein heißes Messer durch irische Butter.
Wer sich jetzt fragt, was die Leipziger Sparkasse in der Beschreibung diese Parks zu suchen hat, dem seinen die Preise dieses Unternehmens in Erinnerung gerufen. Ob man 3 Erwachsen und 3 Kinder bis 14 Jahren durch diesen Park schleust, oder den bereits erwähnten E250 mietet, ist rein finanziell ein marginaler Unterschied. Einzig und allein das über alle Maaßen begeisterte erzählen der lieben kleinen entschädig großzügig für das „ich muss mal, ich hab Hunger, wann sind wir endlich da“ auf An- und Abreise!

Weil einmal nicht genug ist, ging es heute in den nächsten Park. Woburn Safari Park. Ja, ihr vermutet fast richtig. Ein Park, Tiere, Imbissbuden die auch das letzte Hemd in Zahlung nehmen und Kriegsveteranen mit ihren (Ur)Enkeln. Der erste Teil des Parks ist wie eine Safari in der afrikanischen Savanne angelegt… nur mit betonierten Straße. Wir fuhren also an Löwen, Giraffen, Nashörnern, Elefanten und vielerlei anderem Getier vorbei. Ja, wir fuhren! Der alte Isegrim und Meister Petz schlichen um unser Auto, in der Hoffnung etwas Essbares zu erhaschen. Belegte Brote, Obst, Gemüse, kleine Kinder, ältere Frauen… alles was das Raubtierherz begehrt, gab es als Essen auf Rädern. Verlustfrei und ohne Materialschäden kämpften wir uns weiter durch die Savanne Mittelenglands in die Gegend, wo Affen ihr Unwesen trieben. Während meine  Fahrgäste regelmäßig lauthals ihre Begeisterung über Aussehen und Tun dieser Tierchen äußerten, gönnte ich meiner Zynikerseele einen Moment Erholung und fing an Gemeinsamkeiten zwischen den Primaten und mir persönlich bekannten Personen zu finden. Anhaltspunkte dafür gaben mir Gangart, Balzverhalten, Auftreten in der Gruppe, Körperbehaarung und Umgang mit dem Nachwuchs. Unerwarteter Weise gab es sehr viele Übereinstimmungen, das ich sie hier und heute unerwähnt lasse um Später darauf zurück zu kommen. In einer Sache bin ich mir aber nun ganz sicher: Die Menschen stammen vom Affen ab… zumindest die meisten, die ich kenne.

Während der Fahrt durchs Dschungelcamp blieben mir die meisten der Üblichen „ich muss mal pullern“ und „ich hab Hunger“ Rufe erspart und die restlichen konnte ich, dank meiner sehr Bildhaften Vorstellung zu o.g. Gedanken ignorieren. Erst ein ungewöhnlich hektisches Verhalten meiner Lieblingsehefrau gepaart mit einem säuerlichen Duft ließ mich das leise dahingewürgte „mir ist schlecht“ meiner kleinen Prinzessin als solches wahrnehmen. Ein englisches Frühstück, 2 Mentos und je ein viertel Liter Saft und Wasser fand gut durchmischt Platz im Fond unseres PKW.
Es was der Zeitpunkt gekommen, den Teil des Parks aufzusuchen, welcher zu Fuß erobert werden will. Dieser durchaus reiz- und liebevoll angelegte Teil enthielt mehrere Käfige, Tierhäuser, Terrarien und Becken. An jeder Stelle ein anderes Schließsystem und jedes für sich hätte das Herz eines jeden Strafvollzugsbeamten schon höher schlagen lassen. Unsere drei Krümel verhielten sich wie alle Kinder in einem solchen Park. Sie wählten den direkten Weg zum einzigen und deshalb überteuerten Restaurant um dort das zu tun was Kinder eben so tun, sie fraßen uns die Haare vom Kopf… Überzeugt Euch kommenden Mittwoch selbst. Alle drei wählten einen kleinen Snack. In Summe mit zwei Latte Macchiato, die schmeckten als wären sie durch ein betagtes Suspensorium gepresst worden, ging eine Tankfüllung von oft erwähntem E250 über den Tisch des Hauses. Nach dem wir alle mehr oder weniger satt waren bzw. es satt hatten, sollte es zu den Tierchen gehen. Eine Gebäude welches eine Hüpfkrabbelkletterrutschhangelspringburg enthielt machte diesen Plan zunichte. Tiere hatten wir ja schon genug auf der Safari gesehen. Also verbrachten wir die folgenden 3 Stunden in diesem „Kinder haben Spaß“-Haus und ließen uns auf den eigens bereit gestellten „genervte Eltern warten“-Stühlen nieder. Ein Kinderland wie man es in Deutschland des Öfteren findet. Kleine, mittlere und große Kinder schrien, quakten, heulten und schlugen sich treppauf rutscheab durchs Haus. Und im „Achtung strenger Körpergeruch“-Bereich warteten betagte Kriegsveteranen, kugelköpfig-rothaarige und leicht angetrunkene Eingeborenenväter sowie eine überdurchschnittlich große Menge an Müttern, die es entweder nicht geschafft hatten, ihren Mann zu überzeugen mitzukommen oder es nicht geschafft hatten irgendeinen Mann zu überzeugen…
Letztere auffallend oft in Leggins aus dem XXXL-Store und … wie nicht anders zu erwarten… Ballerinas. Ab und an war ich versucht, mal hin zu gehen und den Mädels zu stecken, das es so nichts wird, anderer Seitz fand ich den Gedanken dann doch wieder abstoßend, mit einer dicken Sonnenallergikerin ins Gespräch zu kommen. Meine Lieblingsgattin und ich beschränken uns darauf ab und an den Platz zu wechseln, um dem stetig wechselnden Stelldichein der Körpergerüche etwas Einhalt zu gebieten. Gegen 16.30 Uhr traten wir, die vom Navi mit 50 Minuten recht kurz angesetzte, Heimreise an. Im Nachhinein bin ich zu der Erkenntnis gelangt das Frauen im Allgemeinen und 12jährige Mädchen ohne Führerscheingrundkenntnisse, gepaart mit Linksverkehr und einem Süßsauren Aroma vom warmen Erbrochen keine guten Beifahrer sind. Das mehr an Meilen durch diverse unnötige Umwege, habe ich jedoch gern zur Vermeidung von Blech- oder Personenschäden in Kauf genommen. Zu guter Letzt hatte ich die Möglichkeit alle schlechten Fußballspieler, Alleinerziehende und Kriegsveteranen RECHTS zu überholen. Durch eine klitzekleine Diskrepanz zwischen dem Navi und meiner ortsunkundigen aber fließend englisch sprechenden Patentochter, bot sich mir die Möglichkeit eines längeren Autobahnaufenthalts… Wir waren 18.12 Uhr wieder im Basislager. In >Tante Pissis House< wurde ich für alle Entbehrungen des Tages mit gutbürgerlicher Hausmannskost entschädigt… immer noch ohne Pfefferminz!

2 Gedanken zu „We were awesome!

  1. Ich weiß nicht woher du die Zeit holst, um das hier zu schreiben, aber daaaanke, dass du es tust. Wenn das einem mal nicht den Tag rettet… :D. Jetzt weiß ich umso mehr zu schätzen, dass ich beim letzten Mal den wohlriechenden Retouren deiner Tochter haarscharf entkommen konnte. Wenigstens gabs diesmal weder davor, noch danach Knobibrot ;). Ich wünsche euch noch viel viel Spaß, aber irgendwo zwischen den Zeilen, könnte man erahnen, dass du den hast 😉

  2. Liebster Holli,
    Micha und ich haben uns köstlichst über Deine Aufzeichnungen amüsiert! Wie ich sehe, habt Ihr einen doch sehr ereignisreichen Urlaub! Also erholt Euch auch weiterhin so gut und halte Dich tapfer an „der Front“.

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