Anton Hynkel „wir müssen sofort in Osterlitzsch einfallen“

Am Dienstag war es mal wieder soweit. Eine, mit etwas Glück, Schweiß und die Unterstützung meiner Partner erarbeitete Schulungs- und Erholungsreise wollte angetreten werden. Zehn Tage Burgenland…
Die kürzeste Strecke dorthin führt über Dresden, Prag, Brünn, Bratislava.. 674 Kilometer Anreiseweg, 2 % Landstraße, der Rest Autobahn. Die Art der Prozentrechnung sei hier kurz genauer erklärt.
Meine Rechnung : 660 km Autobahn + Rauch-& Tankpause +  Landstraße = 7 Stunden
Sylvias Rechnung: 660 km Autobahn + Rauch-& Tankpause +  Landstraße = 12 Stunden

Für mich ist Mathematik etwas logikbasierendes, weshalb ich nicht verstehe, wie die beste Ehefrau von allen zu diesem Ergebnis gekommen ist.
Die meiste Zeit lenke ich den Familieneigenen Leopard2Kampfpanzer, zwischen Praha und Brno löste mich Sylvia für knapp 100 km ab… Reisedauer 7 h 25 min… es hätte mich fast den Führerschein gekostet, die Zeit zu halten, aber die fast 1,5 Stunden die meine Göttergattin die Reisegeschwindigkeit regelte, mussten ja reingespielt werden.
Nicht desto trotz, gönnte ich mir ab und an einen kleinen Spaß. Bei unserem letzten Trip spuckte der Bordcomputer mit dem BMW typischen Dingding eine Fehlermeldung der Einspritzanlage aus… ein Umstand, der etwas Panik bei meiner Liebsten verursachte, sich aber, dank des besten Schraubers von allen schnell klärte. Dieses Mal war gar nichts kaputt… aber wenn mein Schatz eingeschlummert ist und ich während der Fahrt das Gurtschloß öffne, ertönt aus dem Bordcomputer ein sanftes Dingding, welches herrlich anzusehende Reaktionen bei der schreckhaft erwachenden Ehefrau verursacht…ich hatte Spaß und die nächsten 80 Minuten auf keinen Gesprächspartner. Man kann nicht alles haben. Unsere geliebten Kinder haben wir per Flug nach Osterlitzsch versendet, das macht die Fahrt als solche und die Reisedauer erträglich und nahm der besten Ehefrau von Allen die Möglichkeit, mich bei der Benutzung des Gaspedals zu kritisieren.
Das Feriendorf liegt unweit vom Neudiedler See, direkt an der Ungarischen Grenze. Die Position lässt mich immer wieder vermuten, das der Ort im Jahr 1988/89 entstanden ist, dort wo die politischen Flüchtlinge über die Zonengrenze ins imperialistische Ausland gerobbt sind.
Heute zeigt sie das Örtchen als 5Sterne Hotelanlage. Sehr Detailverliebt und Luxuriös, ich glaube hier hat jeder Baum seinen eigenen Gärtner und jedes Handtuch sein eigenes Zimmermädchen. Ich bin Gast in dieser Anlage…  seht es mir nach, das ich hier also nichts erwähnen werde, was mein Zynikerauge also würdig entdeckt hat.
Die Geschichten und Erlebnisse die mir meine Familie liefert, sowie der ein oder andere Gast sowie das Personal, sollen für die kommenden Tage genügen Stoff bieten.
Der Ankunftstag war voll bestückt mit kleinen und größeren Anreisemodalitäten, Begrüßungsimbiss in den Bauch stopfen, Wochenplan ausarbeiten, Fahrräder abholen, Fahrräder umtauschen… ja Umtauschen. Max konnte es nicht verschmerzen, das sein gewähltes Fahrrad Lila/Pink coloriert war und ein anderer Junge die gleiche Bauart in rot/blau um die Gäste fuhr. Die Anreise fand ihren Abschluss als wir endlich, bei 28 Grad Luft- und 26 Grad Wassertemperatur, den hoteleigenen Badesee aufsuchten und zu 80 % in die Fluten stürzten. Vier von fünf Reisenden badeten, ich zog es vor, unter dem Schatten eines Sonnenschirms, andere Badegäste zu beobachten und mir gedankliche Anregungen zu sammeln… und es gab so viele davon!!
Spielende Kinder, die von ihren Übergewichtigen Müttern zu einer gesunden Mahlzeit genötigt werden, Cheeseburger mit Pommes und Cola.
Fußballbegeisterte Väter, die sich sichtlich bemühen, das frisch gezapfte Bier zu leeren um noch vor Ende der Werbepause ein neues zu ordern. Ich bin mir sicher, wir werden viel erleben, von dem ich berichten kann.

Eine Erkenntnis hab ich schon aus den Erfahrungen des ersten Tages. Wer jemals zu 5 ein Ferienhaus bucht… stellt sicher, dass 2 Toiletten da sind. Nichts ist schlimmer, als am Morgen der erste in der Dusche sein zu müssen und als letzter aufs Klo zu dürfen!

Die Zeit zwischen Frühstück und dem Beginn der Morgendlichen Veranstaltungen überbrückten meine beiden Lieblingskinder mit Fahrradrennen um den direkt vorm Haus gelegenen Kletterspielplatz.
Dieser Punkt wurde auch als erstes und wichtigstes Thema in meiner Schulung angesprochen. Mäxchen hatte einen neuen Rekord aufgestellt. Diese Tatsache alleine genügte der Geschäftsleitung und der anwesenden Führungsriege, die Tagesordnung um den Punkt „Helmpflicht für Kinder“ zu erweitern.
Mein Junior schaffte es in einer bisher nie da gewesenen Kürze, die Zeitspanne vom Fahrrad ausleihen bis zum ersten Totalschaden mit Schmerzschreien und blutigen Körperteilen zu überwinden. Beim Radrennen verlor er die Kontrolle über sein, in Schräglage driftendes rot/blaues Fahrrad und hinterließ auf dem asphaltierten Weg ca. 10 Meter Kratz- und Schleuderspur bevor er an einem, am Wegesrand liegenden, Findling ruckartig zum liegen kam. Ein lautes, in den Morgen gewimmertes Aauaahahaa weckte die Aufmerksamkeit aller Bewohner, der um den Spielplatz angeordneten 12 Häuser. Sofort eilten einige Väter und alle Mütter meinem Sproß sorgenvoll zu Hilfe.
Seine Mutter sprintete natürlich auch zu ihrem Mäxchen.
Hätte Usian Bolt, der Olympiasieger, meine Frau in diesem Moment rennen gesehen, er würde seine Goldmedaille für 100m zurückgeben und bitterlich weinen. Ich kenne meinen Sohn, ich kann unterscheiden ob er einen Mitleids- oder Schmerzschrei ausstößt und ich weiß: seit er Judoka ist, kann er fallen. Klang und Intensität des  Aauaahahaa ließen mich auf leichte Schürfwunden schließen. Ich hatte Recht. Knie, Ellenbogen und Kinn besaßen jetzt weniger Hautstärke als die anderen Körperregionen. Der Blutverlust hielt sich in Grenzen und kann im Milliliterbereich angegeben werden. Ein scheinbar richtig ausgeführtes Mae-Ukemi (Fallübung vorwärts) sowie der, vorsorglich von meiner Gattin angelegte, Fahrradhelm verhinderten schlimmeres. Muttis Trost und eine dicke Portion Mitleid von Oma und Schwester, halfen meinem Lieblingssohn schnell wieder auf die Beine.
Meinem Sohn ist es also zu Verdanken, das der hoteleigene Konsum einen Umsatzanstieg in Fahrradschutzkleidung verzeichnete. Den Unterschied zwischen vorausdenkenden und mehrpreiszahlenden Eltern erkennt man nun an den fahrradfahrenden Kindern. Bunte lustige Helme oder blau mit Hotellogo…

Nach meiner Schulung treffen wir uns zum Mittag fassen und dann sammle ich neue Erlebnisse….

Der lange Weg nach Gohlis!

Mitten in der Nacht, 3:00 Uhr versuchte die beste Ehefrau von allen, leise das Bett zu verlassen. Ich verriet ihr nicht, das ich die ganze Nacht wach war, weil ich aus einem mir unbekannten Grund nicht schlafen konnte. Halb vier sollte Abfahrt sein und sie setzte alles daran, diesen Termin zu halten. Mit liebevoller Bestimmtheit weckte sie unseren Sohn, meine Tochter war bereits munter und hatte volle Betriebstemperatur erreicht. Ein hastig eingefüllter Kaffee, ein Nutellatoast, eine Zigarette und Los. Tante Pissi und das Navi sprechen nicht ganz die gleiche Sprache. Ich bin der Ursache nicht genau auf den Grund gegangen. Zum einen ist die Mutter meiner Patentochter gebürtige Deutsche, das Navigationssystem unseres Taxis schien mir auf Grund des Dialektes ehr britisch. Der zweite, wohl gewichtigere Unterschied: Männer erfinden Satellitennavigation um nicht nach dem Weg fragen zu müssen, Frauen verfahren sich einfach. Es ist Nachts um 4.20 Uhr schwer möglich auf der Autobahn nach dem Weg zu fragen. So kam es, das wir um unser Ziel kreiselten wie der Ring um das a beim @. Der Unterschied zwischen ursprünglich errechneter und tatsächlicher Ankunftszeit betrug jedoch nur ein Paar Viertelstunden und so schien es mir wenig verwunderlich, als nach dem CheckIn auf der Infotafel bei unserem Flug ein „LAST CALL“ zu lesen war.
Auf die Frage ob sie sich noch etwas zu trinken kaufen könne, erklärte ich Emy, wenn sie jetzt nicht sofort rennen würde, dürfe sie nach Leipzig laufen. Ihr Antwort will ich hier nicht wortgetreu wiedergeben, sinngemäß war sie zwischen einem Onanierenden und dem Ende des Dickdarms angesiedelt, aber sie rannte. Endlich erreichten wir das Gate und die Angestellten dort wirkten genauso erfreut darüber wie wir. Vermutlich war ihre Freude aber darin begründet, das sie unser Gepäck doch nicht ausladen mussten. Wir waren die letzten die den Flieger betraten. Von den ca 10 freien Sitzplätzen befanden sich 3 hintereinander in Reihe 11 bis 14. Ja es hat mich auch verwundert, aber auch bei Easyjet schein man dem Aberglaube zu erliegen und verzichtet auf Reihe dreizehn. Diese Sitze eroberten meine Kinder mit ihrer Mutter. Emy und ich fanden je ein lauschiges Plätzchen in Reihe 28 und 29, gegenüber der hinteren Toilette. Das sich das als etwas unangenehm erweisen sollte, merkte ich erst nach dem Start. Zum einen war es bei dem gepolter welches die Stewardessen hinter mir veranstalten, kaum möglich bei diesem Text zu bleiben. Viel intensiver war jedoch die vor dem Pissoir wartende Menschenmenge. Ich hatte das Gefühl, als würden die Urinalbesucher draußen Schlange zu stehen um einmal in meiner nähe pinkeln zu dürfen. Besonders anregend empfinde ich dann immer die typisch englische Dame, die ihre geschätzten 75 Jahre mit Unmengen an MakeUp und süßlichem Parfüm auf unter 50 zu drücken versucht. Sie stand geraume Zeit neben mir und nur die kurzen Momente, in denen die bordeigene Klimaanlage mir das Atmen erlaubte, sicherten mein Überleben. Ein Mitarbeiter von Easyjet musste in den letzten Tagen meinem Blog gelesen haben. Irgendetwas war anders. Es dauerte eine ganze Weile bis ich feststellte das die Stewardessen nicht dem erwarteten Bild der Ballerinas tragenden Pummelfee entsprachen. Keine der Damen war mit Joggingschuhen bestückt und alle samt schienen nur wenig übergewichtig sein. Nicht desto trotz, gab es genügend amüsante Auffälligkeiten. Die Teamchefin fiel mir als erstes aus. Ihre geschätzten 6 Fuß Körpergröße die sie dank schwarzer Pumps erreichte, hob sie auf angenehme Art und Weise von ihren ehr Zwergenhaften Kolleginnen ab. Das Figurbetonte Kostüm stand ihr ausgezeichnet. Lange schlanke Beine reichten vom Pfirsichpopo unter dem knielangen, knapp sitzendem Rock hervor, bis zum Kabinenboden. Die dunklen, fast schwarzen Haare trug sie zu eine tennisballgroßen Knolle geformt. Ich saß auf einem Sitz am Gang und konnte sie gut beobachten, wärend sie Snacks und Getränke an die vor mir Sitzenden verkaufte. Sie stand mit dem Rücken zu mir und im nachhinein wünscht ich mir, es wäre so geblieben. Es kam der Zeitpunkt an dem sämtliche Kaffeekannen auf dem Bollerwagen entleert waren und die Teamleiterin entschloss sich im hinteren Ende des Fliegers neuen Kaffee zu holen. Ihr erinnert Euch, dort saß ich. Sie drehte sich also um und machte sich auf den Weg zu mir und meiner Toilette. Ich bin ein Mann und angefüttert, von dem was sie bis dato in Aussicht gestellt hatte und kleiner gedanklicher Ergänzungen meinerseits , wandte ich meinen Blick nicht von Ihr. Da war es wieder, das Vorurteil gegenüber Britischen Frauen. Das schwarze Brillengestell neueren Modells gab ihr etwas von strenger Lehrerin, auch wenn es etwas unpassend zu den darin platzierten Glaskugeln wirkte. Schlagartig wurde mir klar, das ihre Frisur nicht nur hochgesteckte Haare waren sondern auch eine Art Gegengewicht zu dieser Brille enthalten mussten. Versteht mich nicht falsch, für ihr Manko in der Sehstärke kann sie nichts und das wäre als solches nicht erwähnenswert gewesen. Einzig die Bauform der Gläser weckte meine Aufmerksamkeit. Ein befreundeter Optiker verriet mir mal, das auf Grund moderner Technologien selbst eine Linse mit starker Brechung, sehr dünn gehalten werden kann. Die Bauform des Glastropfen war hier der Grund für meine Aufmerksamkeit. Die Dinger, die die Brille auf der Nasenwurzel halten, hatten bereits Vertiefungen in die Nase gepresst, die rotumrandet weithin sichtbar waren. Ich ließ meinem Blick zu ihrer, am Bollerwagen fleißigen Kollegin wandern. Sie trug keine Brille und das Meiste von ihr war durch den ca 4 Fuß hohen Servierwagen verdeckt. Ich erblickte ein junges Mädchen, mit einem auffallendem Lächeln, welches jedem Zahnarzt das Herz öffnete. Blendend weiße Zähne, ohne Fehlstellung zeigten sich da. Ohne nachzuzählen schätzte ich, das sich alle 32 Zähne im vordersten teil des Oberkiefers befanden. Ihre freundliches und sehr breites Lächeln glich dem eines Haflingers. Dies ist auch die beste Beschreibung für den Gesamteindruck. Ein relativ kleiner Kopf mit breiter und langer Stirnpartie und großen Augen. Ihre haflingertypisch fuchsfarbenen Haare trug sie als eine Art Helm, welche mich ein wenig an einen aus Legosteinen gefertigten Darth Vader Hut erinnerten.

Alles in allem waren die 85 Minuten Flugzeit trotz oder gerade weil wir weit auseinander gesessen haben, ganz erträglich. Das nächste Highlight war die Passkontrolle. Zugegeben, der Polizist mühte sich sichtlich die über 200 Fluggäste schnell abzufertigen, aber das ging alleine halt nicht so schnell. Die 30 Minuten Anstehen vergingen wie im Flug. Gut eine Stunde nach der Landung, war unser Gepäck im Auto verstaut und die Parkhausschranke verweigerte uns die Ausfahrt. Eingefahren sind wir vor einer Woche mit Hilfe meiner EC-Karte und ich sollten diese, laut Internetbuchungsbestätigung, auch beim Verlassen nutzen können…theoretisch. Auf Grund der Bauarbeiten am Airport, hatte ein Baggerfahrer am gestrigen Tage die Datenleitung zw. Rechenzentrum und Parkhaus zertrennt und der Schranke so die Möglichkeit genommen, uns als zahlende Heimreisende zu identifizieren. In einem Pförtnerhäuschen unweit der Schranke thronte ein Mann der, sichtlich amüsiert, über meine Fluchtversuche nach nur 5 Minuten Hilfe anbot. Nach dem ich das „Hee, Sie da“ vernommen hatte, ging ich zu ihm. Ich bin mir sehr sicher, das er schon vor dem Pförtnerhäuschen dort war und dieses dann um ihn herum gebaut worden ist. Er füllte den Innenraum nahezu vollständig aus und konnte die an beiden Seiten des Verschlages angebrachten Servicefenster bedienen. Er erklärte mir das Missgeschick des Baggerfahrers und auch, das er nun Tag und Nacht hier Abreisewilligen ein Ausfahrticket geben müsse und kaum noch nach Hause käme. Ich rätselte ob er von oben aus dem Häuschen oder ob dieses über ihn hinweg gehoben würde. Als er von der Mühseligkeit seiner Toilettenbesuche berichten wollte, griff ich das Ausfahrticket und verabschiedete mich freundlich. Wenige Minuten später glitt unser Pampersbomber über die Autobahn nach Leipzig. Vom nächtlichen Aufbruch und 3 halben Reisetabletten betäubt, ruhten meine drei Goldstücke auf der Rückbank. Meine Patentochter verbrachte die Reise Nintendo spielend auf dem Beifahrersitz, nicht ohne alle 20 Minuten die obligatorische Frage nach der verbleibenden Reisedauer zu stellen. Dienstag Mittag verließen wir unser Gefährt um etwas übermüdet aber gut erholt, dem heimatlichen Alltag entgegenzugehen.

Tarzans Patentochter

Traditionell ist bei uns Sonntag der Familientag. Nun ist es ja schon die ganze Woche so, das wir auf einem Haufen kleben, so wie diese schwarz-silbrigen Fliegen dicht gedrängt auf dem, was Javas Frauchen in der Tüte einsammelt. Familiensonntag in England bedeutete dieses mal: den Gang raus nehmen und alles mit besonders viel britischer Gelassenheit anzugehen. Der beste Mintlammgrillmaster der Welt hatte darauf bestanden uns ein englisches Frühstück zu bereiten. Ich wusste nicht was mich erwartet und rechnete mir daher natürlich nur das beste aus. Mint… my favorit flavor! Pfefferminztee, Grünbrauner Brotaufstrich… so eine Art After Eight Nutella, dazu Lammpasteten, Pfefferminzmarmelade und natürlich Toast. Alles was weder mein Herz noch mein Magen begehrt, habe ich erwartet und nicht bekommen. Sean kredenzte gebackene Bohnen, gebratenen Schinken, gegrillte Wurstelchen, Pilze, Spiegeleier und natürlich Toast. Zugegeben, dem unwissenden mitteleuropäischem Kind, war anzusehen, daß es nicht verstehen konnte, was Würstchen und Bohnen mit Frühstück zu tun haben. Wie auch immer, es gab keine Reste! Wir stopften auch das letzte Würstchen in den ohne hin schon bohnengeblähten Bauch. Die Tatsache, das es mir gerade die gebackenen Bohnen angetan hatten, sollte ich noch früh genug bereuen. Nach gut 2 Stunden Sonnenbaden im Garten von Tante Pissi und einigen Verdauungszigaretten entschlossen wir uns, in einen der unzähligen umliegenden Parks zu fahren. Wir entschieden uns für eine Art Abenteuerspielplatz mit zugehörigem Kletterwald. Natürlich blieb ich auch bei der nur fünfzehnminütigen Anreise nicht von dem obligatorischen „Ich muss mal lullern“ meiner kleinen Prinzessin verschont. Die zweite Sehenswürdigkeit nach dem kreditkartenfressenden Ticketautomaten, die wir in dem Park aufsuchten, war die öffentliche Toilette. Die unterschied sich kaum von einer deutschen Autobahntoilette, mit dem kleinen Unterschied, das der typische Ammoniak-Urinsteingeruch fehlte und durch… wie sollte es auch anders sein, Pfefferminzaroma ersetzt war. Der zugehörige Kiosk bot zu sehr moderaten Preisen Coffee & Icecream ohne dabei auf das britischen Primäraroma in Soßenform zu verzichten. Auf, in den Kletterwald. Drei von Vier Eltern waren spontan bereit, meinen Zwillingen beim erklimmen der Adventurestrecke vom Boden aus Hilfestellung zu geben. Mir blieb der freie Slot für den Explorerway. Eine Strecke mittlerer bis hoher Schwierigkeit, die geübte Kletterer in ca. 75 Minuten hinter sich bringen sollten. Meine Lieblingspatentochter und ich schlossen sich einer Gruppe Todesmutiger Grundschüler an. Es dauerte gut fünf Minuten bis wir die Einweisung und das Anlegen des Gurtzeuges hinter uns hatten und losklettern wollten. Genau in diesem Moment kam mir die Erinnerung an das Frühstück. Hätte ich den keramischen Pfefferminztempel vorm Start nochmal aufsuchen sollen?? Zu spät, Emy war bereits 20 Yards vor mir und ich musste mich sputen ihr zu folgen. Wie in jedem Kletterwald, gab es auch die diesem, verschiedene Elemente die in unterschiedlichster Weise Balance, Kraft, Geschicklichkeit und Mut erforderten. Meine Patentochter ist 11 und wenigstens beim Mut wollte ich ihr Paroli bieten. Die kleine dicke Rothaarige, die vor uns kletterte kam mir unbewusst zu Hilfe. Sie bewältigte den Parcours mit einer Geschwindigkeit, die auch eine beinamputierte Schildkröte nicht unterbieten konnte. Sie verhedderte sich in ihren Sicherungsleinen, klemmte sich ihre feurigen Haare in einer Seilwinde und stürzte Kopfüber von einem Balanceelement in die Tiefe. Die Gelegenheit nutzte ich auch gleich, um Emy zu erklären worin der Unterschied zwischen einem Normalen und einem Maurerdekolleté besteht. In den gut 5 Minuten die Miss Marshmellow in ihrem Harnes hing wie ein Maikäfer auf dem Rücken, boten genügend Gelegenheit, detailverliebte Erklärungen bildhaft darzustellen. Fasst hätte ich die gebackenen Bohnen dabei vergessen, die Bohnen jedoch nicht mich. Nun lässt ein Gurtzeug wenig Bewegungsfreiheit, und damit kaum die Möglichkeit leise zu atmen. Glücklicher Weise war das nächste Kletterelement ein ca 50 Yard langes Seil an dem man sich runterrollern lässt. Das Seil führte zwar knapp über einen gut besuchten Fußweg, aber sämtliche Zuschauer vernehmen lediglich einen lauten langanhaltenden Tarzanruf. Emy erklärte der vor uns kopfüber im Spinnennetz hängenden Pummelfee, das ihr Godfather immer solch lustig Dinge tue. Das war der Wink Gottes! Immer wenn die Bohnen in meinem Bauch ihrem Ruf folgten, stieß ich beim nächst passenden Element auch einen Ruf aus. Zwischenzeitlich hatte das rothaarige Fastfoodopfer eingesehen das Emy und ich die besseren Kletterer sind und uns bei ca 30% der Strecke überholen lassen. Zwei Stunden später besuchten wir erneut den Minzkiosk. Ob wohl der Duft wirklich nicht mein Liebster ist, war ich froh, diesen zu wittern.

Den letzten Tag unseres Aufenthaltes waren wir allein in Tante Pissis House und verbrachten diesen kleinen und größeren Abreisevorbereitungen. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg zur örtlichen Poststelle um Briefmarken zu erwerben und die unzähligen Karten an die buckelige Verwandtschaft in eine rote Mülltonne zu werfen, die sich erst bei genaustem Hinsehen als Briefkasten entpuppte. Ein kleiner Einkaufsausflug, in den nächstgelegenen 24h-Store, rundete den Tag ab. Der besten Ehefrau von allen, war der Gedanke gekommen, das Abendmahl zu bereiten. So wechselte, gefühlt eine Tonne Reis und eine Hühnerfarm zzgl. diverser Kleinteile für unsere letzten Taler, in unseren Besitz. Auf dem Heimweg kehrten wir noch bei Shell auf einen Schluck SuperPlus ein. Schließlich steht uns ja noch eine 100 Meilen Anreise zum Flughafen London Luton bevor. Wie bei vielen Dingen, weicht auch das englische Tankprozedere vom kontinentalen ab. Wirklich anders ist es nicht, nur die Auswahl ist größer. Glücklicherweise haben wir einen Benziner. Dafür gibt es nur einen Kraftstoff und der ist spürbar günstiger als Heizöl für Selbstzünder. Man muss sich vor dem Tanken entscheiden, ob man an der Säule oder am Kiosk bezahlen will und im Kiosk steht die Auswahl zwischen Bargeld, Kredit- oder Debitcard. Nicht kompliziert, aber doch ungewohnt. Rückblickend auf diesen Tag, muss ich zugeben, das die erlebten Abenteuer einfach zu bewältigen waren. Sicherlich auch daher geschuldet, das uns Morgen ab 3.30 Uhr der Aufbruch zu den Landratten bevor steht. Weg von den Inseläffchen, dem Pfefferminzaroma und dem Linksverkehr. Hin zu den linksüberholenden, hektischen und aromamultiplen Europäern. Dem Aufbruch sehe ich mit einem lachendem und einem weinendem Auge entgegen. Hier ticken die Uhren einfach anders, nicht nur eine Stunde später, auch langsamer und leiser. Die Briten sind erfüllt von Nationalstolz, den sich in Deutschland keiner mehr zutraut. Sie zelebrieren all ihre Eigenarten mit einer Hingabe die Ihresgleichen sucht. Sie tragen sich wieder besseren Wissens, sogar mit der Meinung gute Fußballmannschaften zu haben. Ich habe in keinem Gespräch das 4:0 der WM erwähnt, aber oft schmunzelnd dran gedacht. Beim nächsten Besuch werden Burgen, Schlösser und weitere Parks erobert und mit unerschütterlicher Sicherheit ein weiterer Sieg im Laser-Tag errungen. We were awesome!

Wir werden, zu viert angereist, zu fünft nach Deutschland heimkehren. Die nächsten Abenteuer erwarten uns also schon!

Liebe Pissi, lieber Sean, es war uns eine Ehre!

Rib-Eye & Mintsauce

Tag 4 unseres erbarmungslosen Eroberungsfeldzuges, der weder Mensch noch Material schonte, führte uns nach London. Allen, die schon mal einen Sherlock Holmes Film gesehen haben, sei versichert: diese Stadt hat mehr zu bieten als messerstechende Buckelige und kochtopfbehütete Polizisten. Diese Stadt ist nicht schwarz/weiß, sie schillert in allen Farben, vor allem jedoch in der Farbe des Geldes. Nach einer 70 minütigen Anreise über eine Unmenge an Roundabouds (Kreisverkehre) und die üblichen Autobahnbaustellen, parkten wir im Stadtteil East Finchley direkt am U-Bahnhof. Das Parkticket hatte einen erträglichen Preis, welcher in bar am Automaten zu entrichten war. Für den münzgeldarmen Touristen ist ein Buchen per Kreditkarte ohne weiteres möglich. Für den marginalen Aufschlag von 33 % erstand ich eine Tageskarte. Ähnlich, wenn auch Aufschlagfrei erkaufte ich die 2 Adult-Tagestickets für die beste Ehefrau von allen und mich. Gott sei dank fuhren unsere Kinder kostenlos. An dieser Stelle sei mal der über alle Maaßen freundliche Undergroundmitarbeiter erwähnt, welcher, trotz meiner kärglichen Englischkenntnisse verstand, welcher Art Reise wir vor hatten und uns umgehend mit ausgesuchter Freundlichkeit aushalf.

Nach weiteren 45 Minuten und ca. 4 „ich muss mal/wann sind wir da“ verließen wir die Underground am Leicester Square, im Zentrum von London. Da wir nicht um 7.00 Uhr abgereist sind, sondern dem reichhaltigen und leckerem Frühstück in Tante Pissis House frönten, war es bereits Mittag, als wir endlich Sonnenlicht verspürten. Die aufkommende Freude über das Wetter wurde rapide gedämpft, als wir das fünfte und sehr dringend klingende „Ich muss mal“ vernahmen. Doch das Glück war auf meiner Seite! Direkt gegenüber der U-Bahnstation, also Luftlinie ca 15 Yards, entdeckte ich ein Angus Steak House. Ein Tempel der Gaumenfreude, der mir in diesem Moment wie die Oase in der Wüste erschien. Bei den Menschenmassen im Londoner Zentrum, dem (Links)verkehr und der Schrittgeschwindigkeit meiner Kinder halte ich die 15 Minuten bis zur Eroberung der Sitzplätze fast für eine Art Blitzkrieg. Zum Mittag kann ich nur eine knapp Aussage treffen : 15 OZ Rib Eye Steak! Der Kellner, ein deutschsprechender Türke, erkannte alle meine Sorgen mit einem Blick in meine glasigen Augen. Wir bekamen einen Sitzplatz mit Aussicht für die Kinder inklusive kurze Anreisewege zur Toilette und automatisiertem Getränkeservice. Es war jeden Penny wert!

Körperlich gestärkt verließen wir die Oase der Secondhandvegetarier in Richtung Piccadilly Circus auf der Suche nach einer der berühmten Doppeldeckerbustouren, denn mein Lieblingssohn hatte festgelegt, wir wollen ganz oben und ganz vorne und im Freien sitzen. Ob Ihr es glaubt oder nicht: es gelang uns… nicht alles gleichzeitig…aber immerhin. Wir durchschritten die Coventry Street, bei gefühlten 5 Millionen Menschen im Gegenverkehr und außer einem 4 etagigen M&M-Superstore gab es nur minimale Verzögerungen. Im Store war alles… ALLES aus M&Ms, mit M&Ms und über M&Ms. Drei von vier Leuten hätten dort Leib und Seele hergegeben um in den Besitz von Feuerwehrautos, Spielautomaten, Prinzessinenburgen und Plüschfiguren zu gelangen. Nur die beste Ehefrau von allen behielt die Vernunft. Bei der Bushaltestelle angekommen reihten wir uns brav in die Schlange der Wartenden ein und kurze Zeit später kassierte ein freundliche Mitarbeiter den Tourpreis für die Familienkarte, um uns nach erfolgter Abbuchung mitzuteilen, das wir an der falschen Haltestelle stünden. Hier gibt es keine deutschsprachigen Fahrten, die starten zwei Blocks weiter in der Pall Mall Street! Eine Zigarette war auch das, was meinen Puls in diesem Moment wieder unter 200 brachte. Wir hatten Glück, es waren kleine Blocks und an dem geänderten Startpunkt wurde unser Ticket ohne weitere Nachfrage akzeptiert. Die Fahrt selbst, lasse ich hier nahezu unkommentiert, sie war toll, ging 2,5 Stunden und war absolut „ich muss mal“-frei! Auf Grund der aufkommenden Mattheit unserer Taliban und der fortgeschrittenen Stunde folgte der Fahrt mit „The Original Tour“-Red Line der Antritt der Heimreise. Ein kleiner Shoppingtrip und eine Stärkung bei Starbucks rundeten den Tag in London auf angenehme Weise ab. Starbucks hat übrigens die gleichen Größen und Preise wie in Deutschlang, nur in £. Die U-Bahn- und Autorückreise verlief zwischenfallsfrei, wenn man von ein paar kleinen Panikattacken meiner Ehefrau absieht. Die Sorge wir könnten im falschen Stadtteil von London verloren gehen halte ich immer noch für unbegründet. Die Tatsache, das wir 130 auf der Autobahn fahren, konnte ich dadurch erklären, das ich den Tachometer unseres Taxis von Meilen auf Kilometer umgestellt habe. War natürlich nicht an dem, aber sie nahm es hin und schlummerte friedlich bis zur Ankunft im Basislager.

Für Sonnabend war nichts großartiges geplant. Es gibt ein Shoppingcenter in Corby, nicht weit vom Basislager. Besagte Mall haben wir heute käuflich erworben, zumindest hatte ich das Gefühl. Schuhe, Kleider, Shirts, Hosen… hatte ich Schuhe schon erwähnt? Wir waren im Schlaraffenland für kleine und große Mädchen. Im ersten Store hielten wir uns kurze 2 Stunden auf und meine kleine Prinzessin erhellte diesen, durch das leuchten ihrer Augen, auf allen vier Etagen. Wie ihr Euch sicher denken könnt, waren meine Mädels vollends in Shoppingwahn. Es gab reichlich von allem und davon eine ganze Menge. Mein Sohn und ich verkrümelten uns in die Herrenabteilung und suchten uns ein schönes Partnerlookoutfit raus. Eine Jeans, ein Shirt… 10 Minuten und gut. Die verblieben Zeit, bis die Mädels durch waren verbrachten wir damit, Sachen umzuhängen, Größenaufkleber zu tauschen und Preise zu korrigieren. Zugegeben, nicht ganz fair, aber wir hatten Spaß. Das Tauschen selber war nicht ganz so spannend, aber die Effekte bei den anderen Kunden, waren den Aufwand alle mal wert. Beispielsweise die nette alleinerziehende Mutter, die es schaffte geschätzte 100 Kg auf knappe 5 Fuß zu komprimieren und zielsicher nach dem Größe L Shirt griff, welches ursprünglich XS war. Vermutlich denkt sie heute Mittag wiedermal über eine Diät nach, es war ein Bild für die Götter. Ein ähnlich lustiges Bild gab der Kriegsveteran ab, der einen Mantel suchte. Dieser, ursprünglich in XXL ausgewiesene Parker, wirkte an dem mickrigen Opa, wie ein Viermanzelt an einem normalen Mitteleuropäer. Ich verlor den Senior aus den Augen als er versuchte seinen Spazierstock aufzuheben und dabei über den unteren Saum des etwas zu großen Mantels stolperte.
Den größten Coup hatte jedoch mein Lieblingssohn eingefädelt. Er hatte ein 149£ Schild gegen ein anderes getauscht. Woher er dieses her hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, ließ ihn aber mangels andere Beschäftigung gewähren. Die reduzierte Lederjacke für ursprüngliche 399£, war ein Einzelstück und fand zu meiner Verwunderung tatsächlich während unserer Anwesenheit einen Käufer. Ein hochgewachsener, breitschultriger Mann Mitte 30, griff nach ihr, begutachtete Sie, zog diese über und entschloss sich augenscheinlich zum Kauf. Ich grübelte eine ganze Weile, ob es den Spaß wohl wert war, die Preisschilder eins zu eins tauschen zu lassen. Ja, war es. An der Kasse angekommen reichte der bis dahin gut gelaunte Mann seine Jacke der Kassierin, welche ihm sichtlich verwundert mitteilte, das er im Begriff sei, ein Paar „Manolo Blahnik black suede ‚Anastasia‘ flag trim“ Pumps der Größe 36 für Ursprüngliche 399 £ zu erwerben. Mein Englisch ist für den umgangsprachlichen Teil leider nicht gut genug, aber ich bin mir sehr sicher, er rezitierte keine Liebesgedichte. Mir liefen die Tränen vor Lachen, ich erstarrte jedoch augenblicklich zur Salzsäule als ich meine Mädels in der Schlange zur Kasse sah. Mein Sohn versicherte mir jedoch, keine weiteren Preisschilder vertauscht zu haben und so passierten meine Mädels die Kasse ohne Fehlkäufe. Der schlecht gelaunte Mittdreißiger verließ nach uns das Geschäft… mit seiner neuen Jacke. Im weiteren Verlauf des Tages erlitt ich noch 3 Schuhgeschäfte sowie einen Shoe-Super-Store, einen Brautausstatter, eine Drogerie, 1 weiteren Laden für Designerklamotten und einen Süßwarenladen. In letzterem konnte man alles kosten und wir haben alles gekostet. Nach 5 Minuten hatte ich das Gefühl mit Sekundenkleber gegurgelt zu haben, meinen kleinen Critter hielt das nicht davon ab, alles Mögliche in sich hinein zu stopfen.
Den einen Sportartikelladen in dem es Golfschläger „Holz3“ von TaylerMade für 29 £ gibt, erwähne ich an dieser Stelle einzig und allein für meine golfspielenden Kollegen, die sicherlich gerade vor Neid in den Tisch beißen.
Ebenfalls erwähnenswert ist die ausgesuchte britische Höflichkeit. Als ich versuchte dem mir anvertrautem Jungen zu zeigen, wie man mit einer von ihm so benannten Keule spiele, riss ich 2 Kartons Golfbälle und 4-5 Paar Handschuhe aus dem nebenstehenden Regal. Meine Entschuldigungsversuche tat der herbeigeeilte Mitarbeiter mit einem freundlichen Lächeln ab, sinngemäß übersetzt mit „kein Problem, kommt öfter vor.“ Auch als ihm mein Spross, beim versuch es mir gleich zu tun, beinahe einen Lendenwirbel zerschmetterte, ereilte uns lediglich ein schmerzverzertes lächelndes „Sorry“. Verry British. Aus Mitleid mit dem gebeutelten Mann, verwarf ich den Gedanken, auszutesten, wie viel man umwerfen oder ausschütten könne, bevor sich seine Laune ändert.

Zum Lunch kehrten wir zwischendurch im „Harvester“ ein. Ein ganz normales englisches Restaurant, jedoch mit Salatbuffet. Chicken-Nugget, Pommes, Cola, Spagetti, Ketchup… kurz um, alles was des Herz eines übergewichtigen, verwöhnten Einzelkindes begehrt. Der besten Ehefrau von allen verdanken wir, das die Einzige, in der Karte versteckte, vollwertige, gesunde und schmackhafte Mahlzeit, entdeckt, bestellt und verspeist wurde. Vollgestopft wie holländische Mastgänse eroberten wir einen Weiteren Outletpark. Zum Dinner hat der Hausherr in Tante Pissis House den Grill angeworfen, Coleslaw bereitet und extra für mich „Lamm with mintsauce“ serviert. Yeah, my favorit flavor.

Sorgt Euch nicht, es gab auch richtiges Essen, richtig gut und echt viel!

We were awesome!

Liebe Freunde, nach zwei weiteren Tagen gekochtem Wildschwein in Pfefferminzsoße, ist es mir ein tiefes Bedürfnis weitere Erlebnisse und Gedanken zu veröffentlichen.
Gestern haben wir fast den ganzen Tag im Wicksteedpark zugebracht. Dieser Park ist eine gekonnte Mischung aus dem Wörlitzer Park, dem Belantis und der Sparkasse Leipzig. Rein landschaftlich angelehnt an die hochherrschaftlichen Parks französischer Könige, besticht er durch ewig lange Fußwege und wenige Sitzmöglichkeiten. Letztere sind, so vorhanden, bereits belegt durch Pfefferminztee trinkende Veteranen aus dem zweiten Weltkrieg. Dann gibt es natürlich noch die zu den Restaurants gehörenden Sitzmöglichkeiten, welche in Komfort in etwa gleich zu setzen sind mit einem westindischen Fakirkissen. Der nächste Baustein (Belantis) weckte da schon deutlich mehr Interesse bei den uns. Jedoch reichte auch hier die Bewertung von 0 – 10. Je nach dem, wer bewertete und was und wann bewertet wurde. Mit der Begeisterung wie sie nur kleine Jungs von sich geben können, entdeckte mein Sohn eine GoKartbahn… selbst Gas geben, selbst Lenken, der Erwachsene muss nur daneben sitzen. Wir stellten uns an. Natürlich, wie bei allen Attraktionen, an eine ganz kurze Schlange… naja… ist mein Lieblingssohn! „The Race“ erwies sich jedoch als Sache deren Spaßfaktor einem Lebertranwettrinken nicht den Rang ablaufen kann. Die Karts knatterten mit der doppelten Geschwindigkeit eines AOK-Choppers über die hosenträgerbreite Holperstrecke. Es war unmöglich irgendetwas andere zu machen, als im Entenmarsch hinter den anderen her zu tuckern. Der liebste meiner Söhne, brachte es mit einem Satz auf den Punkt, den ich treffender nicht formulieren hätte können: „Das ist ja, wie wenn Mama fährt!“ Ein Autoscooter, eine Wildwasserrutsche und den ganzen anderen Kram ließ ich zum Spaße meiner Kinder über mich ergehen. Meine Lieblingspatentochter rettete den Tag mit den Worten: „Holly, spielst Du Laser-Tag?“…

Emi und ich kämpften uns teils Schulter an Schulter, teils Rücken an Rücken durch hunderte, fast tausende von Gegnern. Wild um sich ballernde 6 jährige. Militante Mütter der neben ihrer Lasergun mit Handtasche, Blackberry und Tempos bewaffnet, ihren heulenden Kleinkindern erklärten, das sie nicht wirklich sterben müssen. Teenager die, enttäuscht über den Mangel an Realität, lieber mit roher Gewalt aufeinander losgingen. Die bereits erwähnten Kriegsveteranen, welche augenscheinlich verwundert waren, das ein Deutscher mitspielen durfte und ein junges gutaussehendes Mädchen mit ihm kollaborierte. Wie auch immer…
We were awesome!
Mit einer Hitrate oberhalb RAMBO 1-3 gingen wir wie ein heißes Messer durch irische Butter.
Wer sich jetzt fragt, was die Leipziger Sparkasse in der Beschreibung diese Parks zu suchen hat, dem seinen die Preise dieses Unternehmens in Erinnerung gerufen. Ob man 3 Erwachsen und 3 Kinder bis 14 Jahren durch diesen Park schleust, oder den bereits erwähnten E250 mietet, ist rein finanziell ein marginaler Unterschied. Einzig und allein das über alle Maaßen begeisterte erzählen der lieben kleinen entschädig großzügig für das „ich muss mal, ich hab Hunger, wann sind wir endlich da“ auf An- und Abreise!

Weil einmal nicht genug ist, ging es heute in den nächsten Park. Woburn Safari Park. Ja, ihr vermutet fast richtig. Ein Park, Tiere, Imbissbuden die auch das letzte Hemd in Zahlung nehmen und Kriegsveteranen mit ihren (Ur)Enkeln. Der erste Teil des Parks ist wie eine Safari in der afrikanischen Savanne angelegt… nur mit betonierten Straße. Wir fuhren also an Löwen, Giraffen, Nashörnern, Elefanten und vielerlei anderem Getier vorbei. Ja, wir fuhren! Der alte Isegrim und Meister Petz schlichen um unser Auto, in der Hoffnung etwas Essbares zu erhaschen. Belegte Brote, Obst, Gemüse, kleine Kinder, ältere Frauen… alles was das Raubtierherz begehrt, gab es als Essen auf Rädern. Verlustfrei und ohne Materialschäden kämpften wir uns weiter durch die Savanne Mittelenglands in die Gegend, wo Affen ihr Unwesen trieben. Während meine  Fahrgäste regelmäßig lauthals ihre Begeisterung über Aussehen und Tun dieser Tierchen äußerten, gönnte ich meiner Zynikerseele einen Moment Erholung und fing an Gemeinsamkeiten zwischen den Primaten und mir persönlich bekannten Personen zu finden. Anhaltspunkte dafür gaben mir Gangart, Balzverhalten, Auftreten in der Gruppe, Körperbehaarung und Umgang mit dem Nachwuchs. Unerwarteter Weise gab es sehr viele Übereinstimmungen, das ich sie hier und heute unerwähnt lasse um Später darauf zurück zu kommen. In einer Sache bin ich mir aber nun ganz sicher: Die Menschen stammen vom Affen ab… zumindest die meisten, die ich kenne.

Während der Fahrt durchs Dschungelcamp blieben mir die meisten der Üblichen „ich muss mal pullern“ und „ich hab Hunger“ Rufe erspart und die restlichen konnte ich, dank meiner sehr Bildhaften Vorstellung zu o.g. Gedanken ignorieren. Erst ein ungewöhnlich hektisches Verhalten meiner Lieblingsehefrau gepaart mit einem säuerlichen Duft ließ mich das leise dahingewürgte „mir ist schlecht“ meiner kleinen Prinzessin als solches wahrnehmen. Ein englisches Frühstück, 2 Mentos und je ein viertel Liter Saft und Wasser fand gut durchmischt Platz im Fond unseres PKW.
Es was der Zeitpunkt gekommen, den Teil des Parks aufzusuchen, welcher zu Fuß erobert werden will. Dieser durchaus reiz- und liebevoll angelegte Teil enthielt mehrere Käfige, Tierhäuser, Terrarien und Becken. An jeder Stelle ein anderes Schließsystem und jedes für sich hätte das Herz eines jeden Strafvollzugsbeamten schon höher schlagen lassen. Unsere drei Krümel verhielten sich wie alle Kinder in einem solchen Park. Sie wählten den direkten Weg zum einzigen und deshalb überteuerten Restaurant um dort das zu tun was Kinder eben so tun, sie fraßen uns die Haare vom Kopf… Überzeugt Euch kommenden Mittwoch selbst. Alle drei wählten einen kleinen Snack. In Summe mit zwei Latte Macchiato, die schmeckten als wären sie durch ein betagtes Suspensorium gepresst worden, ging eine Tankfüllung von oft erwähntem E250 über den Tisch des Hauses. Nach dem wir alle mehr oder weniger satt waren bzw. es satt hatten, sollte es zu den Tierchen gehen. Eine Gebäude welches eine Hüpfkrabbelkletterrutschhangelspringburg enthielt machte diesen Plan zunichte. Tiere hatten wir ja schon genug auf der Safari gesehen. Also verbrachten wir die folgenden 3 Stunden in diesem „Kinder haben Spaß“-Haus und ließen uns auf den eigens bereit gestellten „genervte Eltern warten“-Stühlen nieder. Ein Kinderland wie man es in Deutschland des Öfteren findet. Kleine, mittlere und große Kinder schrien, quakten, heulten und schlugen sich treppauf rutscheab durchs Haus. Und im „Achtung strenger Körpergeruch“-Bereich warteten betagte Kriegsveteranen, kugelköpfig-rothaarige und leicht angetrunkene Eingeborenenväter sowie eine überdurchschnittlich große Menge an Müttern, die es entweder nicht geschafft hatten, ihren Mann zu überzeugen mitzukommen oder es nicht geschafft hatten irgendeinen Mann zu überzeugen…
Letztere auffallend oft in Leggins aus dem XXXL-Store und … wie nicht anders zu erwarten… Ballerinas. Ab und an war ich versucht, mal hin zu gehen und den Mädels zu stecken, das es so nichts wird, anderer Seitz fand ich den Gedanken dann doch wieder abstoßend, mit einer dicken Sonnenallergikerin ins Gespräch zu kommen. Meine Lieblingsgattin und ich beschränken uns darauf ab und an den Platz zu wechseln, um dem stetig wechselnden Stelldichein der Körpergerüche etwas Einhalt zu gebieten. Gegen 16.30 Uhr traten wir, die vom Navi mit 50 Minuten recht kurz angesetzte, Heimreise an. Im Nachhinein bin ich zu der Erkenntnis gelangt das Frauen im Allgemeinen und 12jährige Mädchen ohne Führerscheingrundkenntnisse, gepaart mit Linksverkehr und einem Süßsauren Aroma vom warmen Erbrochen keine guten Beifahrer sind. Das mehr an Meilen durch diverse unnötige Umwege, habe ich jedoch gern zur Vermeidung von Blech- oder Personenschäden in Kauf genommen. Zu guter Letzt hatte ich die Möglichkeit alle schlechten Fußballspieler, Alleinerziehende und Kriegsveteranen RECHTS zu überholen. Durch eine klitzekleine Diskrepanz zwischen dem Navi und meiner ortsunkundigen aber fließend englisch sprechenden Patentochter, bot sich mir die Möglichkeit eines längeren Autobahnaufenthalts… Wir waren 18.12 Uhr wieder im Basislager. In >Tante Pissis House< wurde ich für alle Entbehrungen des Tages mit gutbürgerlicher Hausmannskost entschädigt… immer noch ohne Pfefferminz!

Auf ins Pfefferminzland!

Es gibt ja viele Vorurteile und Gerüchte über die Britten… ich bin versucht zu behaupten sie sind alle wahr. Oder wie Obelix stets so treffend bemerkte „die spinnen, die Britten!“ Wenn man großzügig über die seltsamen Gewohnheiten, wie in der Schlange anstellen und auf der falschen Seite fahren hinweg sieht, bleiben Dinge übrig, die sicherlich jedes für sich gesehen, Einzelschicksale sind. In Summe aller Punkte erklären eben diese Dinge, den seltsamen Ruf dieser Nation.
In den kommenden Tagen, will ich ein paar Beispiele verewigen, welche meine Sicht untermauern, das England einen Besuch wert ist, jedoch eine gehörige Portion Gelassenheit ins Handgepäck muss.
Etwas übermüdet auf Grund des erwarteten Fluglotsenstreiks, stieg ich in den Easyjet-Flieger in Berlin-Schönefeld! Nun mag der eine oder andere ja sagen: selbst Schuld, aber Lufthansa wollte gleich mal das achtfache für die selbe Strecke.
In besagtem Flieger erwartete mich eine Stewardess, die nicht passender hätte sein können. Langsam stieg ich die Gangway empor und erblickte ein hübsches Gesicht, leuchtend blaue Augen und schwarzes, zum Zopf gebundenes Haar. Die erdbeerroten Lippen setzten den passenden Kontrast zu den dichten, langen, schwarzen und vermutlich künstlichen Wimpern. Nicht ganz ins erste Bild passten die weit abstehenden Ohren. Na gut…dachte ich mir, dafür kann sie ja nichts. Das Traumbild einer Stewardess erlitt einen weiteren Niederschlag. Zur Bluse mit Weste und Rock trug sie schwarze Stoffballerinas, welche ihre ohnehin schon recht kurzen Beine alles andere als schlank aussehen ließen und dem Durchschreiten der Sitzreihen etwas von einer Elefantenparade verlieh. Auch ihre Kollegin, gleiche Bauart in blond und ohne Segelohren, rettete auf Grund ihres ebenfalls bebenden Gangs nichts an diesem Eindruck. Einzig und allein der Steward, eine Art in die Jahre gekommener, verarmter David Beckham, kompensierte alle nebensächlichen Mankos mit an Charme grenzender Freundlichkeit und seiner zuvorkommenden Art. Letztere primär der großen, schlanken gutaussehenden Berlinerin, zwei Reihen vor uns, gegenüber. Nun ja, man kann nicht alles haben.

In Luton angekommen ging es direkt zum Europcar-Counter, welcher geschlossen war. Der mietwillige Flugreisende wurde darüber informiert, das der zuständige und geöffnete Mietwagenstützpunkt nur 10 Minuten Busfahrt entfernt sei. Nach kurzem Studium alle Busfahrpläne ging es dann zum Stützpunkt. Dort wurde uns nach nur weiteren 30 Minuten Wartens mitgeteilt, das der Reservierte PKW Typ nicht vorrätig sei.
In dem Fall eine unerwartet gute Nachricht wie sich noch zeigen sollte. Die kurze Busanreise erinnerte mich daran, das ich nur gelegentlich auf der Autobahn links fahre und noch nie in meinem kurzen Autofahrerleben mit der linken Hand geschaltet habe.
Kurzerhand entschloss ich mich den Renault Laguna zu stornieren und erstand einen E250 mit Automatik… ein gute Entscheidung. Mit einem unermüdlich, in feinstem Cambridgeenglisch quatschendem Navi, zwei quengelnden Kindern und eine leicht schreckhaften Beifahrerin, wäre mir zu wenig Konzentration für die Gangwechsel geblieben. Blech- oder Motorschaden wären die folgen gewesen, welche ich mit einem moderaten Aufpreis im dreistelligen Pound-Sterling-Bereich verhinderte!

Nach einer glücklicherweise zwischenfallfreien Anreise, erwartete uns die Ankunft in „Tante Pissis House“ … unser Basislager für die kommenden 7 Tage.