Am Dienstag war es mal wieder soweit. Eine, mit etwas Glück, Schweiß und die Unterstützung meiner Partner erarbeitete Schulungs- und Erholungsreise wollte angetreten werden. Zehn Tage Burgenland…
Die kürzeste Strecke dorthin führt über Dresden, Prag, Brünn, Bratislava.. 674 Kilometer Anreiseweg, 2 % Landstraße, der Rest Autobahn. Die Art der Prozentrechnung sei hier kurz genauer erklärt.
Meine Rechnung : 660 km Autobahn + Rauch-& Tankpause + Landstraße = 7 Stunden
Sylvias Rechnung: 660 km Autobahn + Rauch-& Tankpause + Landstraße = 12 Stunden
Für mich ist Mathematik etwas logikbasierendes, weshalb ich nicht verstehe, wie die beste Ehefrau von allen zu diesem Ergebnis gekommen ist.
Die meiste Zeit lenke ich den Familieneigenen Leopard2Kampfpanzer, zwischen Praha und Brno löste mich Sylvia für knapp 100 km ab… Reisedauer 7 h 25 min… es hätte mich fast den Führerschein gekostet, die Zeit zu halten, aber die fast 1,5 Stunden die meine Göttergattin die Reisegeschwindigkeit regelte, mussten ja reingespielt werden.
Nicht desto trotz, gönnte ich mir ab und an einen kleinen Spaß. Bei unserem letzten Trip spuckte der Bordcomputer mit dem BMW typischen Dingding eine Fehlermeldung der Einspritzanlage aus… ein Umstand, der etwas Panik bei meiner Liebsten verursachte, sich aber, dank des besten Schraubers von allen schnell klärte. Dieses Mal war gar nichts kaputt… aber wenn mein Schatz eingeschlummert ist und ich während der Fahrt das Gurtschloß öffne, ertönt aus dem Bordcomputer ein sanftes Dingding, welches herrlich anzusehende Reaktionen bei der schreckhaft erwachenden Ehefrau verursacht…ich hatte Spaß und die nächsten 80 Minuten auf keinen Gesprächspartner. Man kann nicht alles haben. Unsere geliebten Kinder haben wir per Flug nach Osterlitzsch versendet, das macht die Fahrt als solche und die Reisedauer erträglich und nahm der besten Ehefrau von Allen die Möglichkeit, mich bei der Benutzung des Gaspedals zu kritisieren.
Das Feriendorf liegt unweit vom Neudiedler See, direkt an der Ungarischen Grenze. Die Position lässt mich immer wieder vermuten, das der Ort im Jahr 1988/89 entstanden ist, dort wo die politischen Flüchtlinge über die Zonengrenze ins imperialistische Ausland gerobbt sind.
Heute zeigt sie das Örtchen als 5Sterne Hotelanlage. Sehr Detailverliebt und Luxuriös, ich glaube hier hat jeder Baum seinen eigenen Gärtner und jedes Handtuch sein eigenes Zimmermädchen. Ich bin Gast in dieser Anlage… seht es mir nach, das ich hier also nichts erwähnen werde, was mein Zynikerauge also würdig entdeckt hat.
Die Geschichten und Erlebnisse die mir meine Familie liefert, sowie der ein oder andere Gast sowie das Personal, sollen für die kommenden Tage genügen Stoff bieten.
Der Ankunftstag war voll bestückt mit kleinen und größeren Anreisemodalitäten, Begrüßungsimbiss in den Bauch stopfen, Wochenplan ausarbeiten, Fahrräder abholen, Fahrräder umtauschen… ja Umtauschen. Max konnte es nicht verschmerzen, das sein gewähltes Fahrrad Lila/Pink coloriert war und ein anderer Junge die gleiche Bauart in rot/blau um die Gäste fuhr. Die Anreise fand ihren Abschluss als wir endlich, bei 28 Grad Luft- und 26 Grad Wassertemperatur, den hoteleigenen Badesee aufsuchten und zu 80 % in die Fluten stürzten. Vier von fünf Reisenden badeten, ich zog es vor, unter dem Schatten eines Sonnenschirms, andere Badegäste zu beobachten und mir gedankliche Anregungen zu sammeln… und es gab so viele davon!!
Spielende Kinder, die von ihren Übergewichtigen Müttern zu einer gesunden Mahlzeit genötigt werden, Cheeseburger mit Pommes und Cola.
Fußballbegeisterte Väter, die sich sichtlich bemühen, das frisch gezapfte Bier zu leeren um noch vor Ende der Werbepause ein neues zu ordern. Ich bin mir sicher, wir werden viel erleben, von dem ich berichten kann.
Eine Erkenntnis hab ich schon aus den Erfahrungen des ersten Tages. Wer jemals zu 5 ein Ferienhaus bucht… stellt sicher, dass 2 Toiletten da sind. Nichts ist schlimmer, als am Morgen der erste in der Dusche sein zu müssen und als letzter aufs Klo zu dürfen!
Die Zeit zwischen Frühstück und dem Beginn der Morgendlichen Veranstaltungen überbrückten meine beiden Lieblingskinder mit Fahrradrennen um den direkt vorm Haus gelegenen Kletterspielplatz.
Dieser Punkt wurde auch als erstes und wichtigstes Thema in meiner Schulung angesprochen. Mäxchen hatte einen neuen Rekord aufgestellt. Diese Tatsache alleine genügte der Geschäftsleitung und der anwesenden Führungsriege, die Tagesordnung um den Punkt „Helmpflicht für Kinder“ zu erweitern.
Mein Junior schaffte es in einer bisher nie da gewesenen Kürze, die Zeitspanne vom Fahrrad ausleihen bis zum ersten Totalschaden mit Schmerzschreien und blutigen Körperteilen zu überwinden. Beim Radrennen verlor er die Kontrolle über sein, in Schräglage driftendes rot/blaues Fahrrad und hinterließ auf dem asphaltierten Weg ca. 10 Meter Kratz- und Schleuderspur bevor er an einem, am Wegesrand liegenden, Findling ruckartig zum liegen kam. Ein lautes, in den Morgen gewimmertes Aauaahahaa weckte die Aufmerksamkeit aller Bewohner, der um den Spielplatz angeordneten 12 Häuser. Sofort eilten einige Väter und alle Mütter meinem Sproß sorgenvoll zu Hilfe.
Seine Mutter sprintete natürlich auch zu ihrem Mäxchen.
Hätte Usian Bolt, der Olympiasieger, meine Frau in diesem Moment rennen gesehen, er würde seine Goldmedaille für 100m zurückgeben und bitterlich weinen. Ich kenne meinen Sohn, ich kann unterscheiden ob er einen Mitleids- oder Schmerzschrei ausstößt und ich weiß: seit er Judoka ist, kann er fallen. Klang und Intensität des Aauaahahaa ließen mich auf leichte Schürfwunden schließen. Ich hatte Recht. Knie, Ellenbogen und Kinn besaßen jetzt weniger Hautstärke als die anderen Körperregionen. Der Blutverlust hielt sich in Grenzen und kann im Milliliterbereich angegeben werden. Ein scheinbar richtig ausgeführtes Mae-Ukemi (Fallübung vorwärts) sowie der, vorsorglich von meiner Gattin angelegte, Fahrradhelm verhinderten schlimmeres. Muttis Trost und eine dicke Portion Mitleid von Oma und Schwester, halfen meinem Lieblingssohn schnell wieder auf die Beine.
Meinem Sohn ist es also zu Verdanken, das der hoteleigene Konsum einen Umsatzanstieg in Fahrradschutzkleidung verzeichnete. Den Unterschied zwischen vorausdenkenden und mehrpreiszahlenden Eltern erkennt man nun an den fahrradfahrenden Kindern. Bunte lustige Helme oder blau mit Hotellogo…
Nach meiner Schulung treffen wir uns zum Mittag fassen und dann sammle ich neue Erlebnisse….