Bevor ich einen kleinen Bericht über meine neusten Abenteuer auf der Suche nach intelligentem Leben auf der Erde abliefere… seid gewarnt: meine Lektorin war dieses mal die Autokorrektur, denn meine Lieblings-Lektorin Kati hat einen neuen Job und wenig Zeit… liebe Grüße!
Der letzte Mittwoch sollte ein schöner Tag werden. Sollte.. mein Kalender erinnerte mich an die Schulkonferenz. Eine Zusammenkunft, bei der Lehrer und Eltern gleichermaßen Entscheidungen über Planungen der kommenden Schulmonate treffen. Vor langer Zeit hat mich unsere freundliche lächelnde Klassenlehrerin für den Posten des Elternsprechers vorgeschlagen… wie sie wohl darauf gekommen ist. Irgendwann landete ich dann in der Schulkonferenz und hatte, ganz im Gegensatz zu meinem häuslichen Stand, plötzlich Stimmrecht.
Normalweise ist ein solches Treffen recht schnell abgearbeitet. Alle wichtigen Dinge werden kurz durchgesprochen und danach per Handzeichen entschieden. Normalerweise…
Seit einiger Zeit hat eine der kleineren Klassen eine neue Elternsprecherin. Aufgefallen ist sie mir gleich am Anfang, weil sie unhörbar ist. Sie spricht oder ehr nuschelt dermaßen leise, das es fast weh tut, so sehr muss man sich beim zuhören anstrengen.
Eine Frau die leise spricht…da spricht nichts dagegen, möchte man sagen. Doch selbst ein Volltrunkener mit entzündetem Zungenpiercing ist verständlicher. Auffällig wurde die Gute vor ca 18 Monaten, als sie vorschlug den Schulhof mit Obstbäumen zu bepflanzen… damit die Kinder sich mal frisches Obst pflücken könnten.
Um den Gedanken ad absurdum zu führen ergänze ich damals: „es wird schwer werden ganzjährig tragende Mischobstbäume mit 358fachem Fruchtabwurf zu finden, damit jedes Kind täglich einmal was frisches pflücken kann…“
Die Jutetasche, wie ihr Spitzname seither ist, schaute mich an und sagte „ soviel brauchen wir nicht, es nutzen ja sicher nicht alle Kinder“… und sie meinte das Ernst!
Seither glänzt Juti mit mehr oder minder undurchführbaren, hirnrissigen und/oder unbezahlbaren Vorschlägen zum Wohle aller Kinder. Wohl gemerkt ALLER Kinder. Meine beiden Terrorzwerge sind sicher nicht wie alle, aber sie essen gern und reichlich in der Schule, nicht immer, aber sehr oft. Beschwert haben sie sich noch nie und auch sonst habe ich kaum Beanstandungen über den Essenanbieter die Schule vernommen…außer von Juti… In der von ihr vertretenen Klasse scheinen alle Kinder das Essen zu hassen und wünschen sich, scheinbar, nichts mehr als täglich frische Biodatteln, Gluten freie Weizenkleie und Birke-Brenneseltee zu Mittag.
Nicht falsch verstehen… seit die beste Ehefrau von allen, entschieden hat, ich will mich gesund ernähren, will ich das auch! Und wenn ich den Typen erwische, der jeden Monat im Escados mit meiner Kreditkarte 550g argentinisches Ribeye-Steak ißt, wehe dem…
Wie auch immer, gestern hat Juti vorgeschlagen „die Kinder aller Klassen könnten doch für sich selber und die Lehrer kochen“
Mr. Navarro hat mir gelehrt, kleine verdeckte Reaktionen der Menschen zu lesen… Umsonst. Verdrehte Augen, in Händen vergrabene Gesichter, spontan Richtung Ausgang gedrehte Füße und Körper und zunehmende Blässe in manchen Gesichtern sagten es überdeutlich „nein bitte, bitte nicht schon wieder ein biologisch abbaubarer Hirnfurz“
Zu spät. Ausgiebig erklärte Juti, wenn jede Klasse ein Kind pro Tag für eine Stunde zum Kochen abstellen würde, wären täglich 16 Kinder da, die das Essen für die ganze Schule bereiten könnten. Und das wäre gesund und würde dann allen schmecken.
Sie habe mal in einem Buch gelesen, das so etwas in einer Schule versucht wurde und allen Kindern habe es geschmeckt und sie waren fortan sehr glücklich.
Vermutlich war es das Jahrbuch der Woodstock „High“ Grundschule …
Ich erinnerte mich an den Versuch meiner Tochter, abgepackte Brötchen aufzubacken. Dem elektronischen Brandmelder verdanken wir unser Leben. Auch Max´ Idee Butter während des Toastens aufs Brot zu streichen, überstand er nur dank blitzschnell abschaltender Elektronik. Gepriesen sei Joe, der geniale Elektriker.
Sechzehn täglich wechselnde Kinder und eine Küchenfrau kochen alleine 360 Mahlzeiten auf ca 30 m². Ich stellte mir vor wie die Rettungssanitäter im St.Georg auf die Uhr schauen und sich gegenseitig zurufen:
„he lass uns schon mal losfahren, in der Scholli wird gleich wieder versucht zu kochen“ „sag mal, hat die Kleine aus der 3c ihre Vergiftung überstanden?“
„Ja, ihr Zustand ist stabil, aber der Erstklässler mit der Verbrühung wird es wohl nicht schaffen“
„seit der Mehlstaubverpuffung vor 2 Monaten kämpfen die Überlebenden darum, eine Cateringfirma zu bekommen, das wäre sicher am gesündesten für die Kinder“
„ich denk immer noch an den ausgehungerten Viertklässler, der vor Freude geweint hat, als ich ihm meine Bemme schenkte und ihm zuflüsterte >da ist Leberwurst drauf<“
All diese, durchaus realistischen Gedanken verdrängt Juti in ihrer Argumentationskette.
Die Kinder können doch gar nicht beurteilen wie gut richtiges Essen schmecken würde, weil sie ja nur FastFood kennen würden. Aha…
Ich verwarf den Gedanken, schuleigenes Cannabis zu pflanzen, um den Schulanfängern gleich zum Start pädagogisch richtig das Rauchen zu lehren, auch das schulgarteneigene Cocafeld strich ich zum gleichen Zeitpunkt.
Auf wundersame Weise gelang es unserer genialen Direktorin, das Thema und damit die Konferenz nach kurzweiligen 60 Minuten zu beenden. Erleichterung und Freudentränen zeigten sich in den angsterfüllten Augender meisten Teilnehmern.
Juti nuschelt nicht nur, sie scheint auch schwerhörig zu sein, den meinem Vorschlag einen Kurs „leckere Cocktails aus Eigenurin“ in das Nachmittagsprogramm zu integrieren, ignorierte sie augenscheinlich.
Ich verließ die Schule und beendet den Tag mit meinen Freunden bei Coffeein, Nikotin und Alkohol, sowie Wurzner Erdnusslocken….
Sicher…deswegen hat sich meine Lebenserwartung verringert… aber ich hatte wenigstens Spass dabei!!!
Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und
realen Handlungen sind rein zufällig… ehrlich!!!