Du bist was Du isst!

Ein mit mir befreundetes Pärchen, Johanna und Jens, leben mit ihren beiden Jungs in einem kleinen Häuschen am Stadtrand. Er ist irgendwas mit Computern, sie hat sich nach dem Magisterstudium der Mineralogie dazu entschieden Hausfrau und Mutter zu sein. Eine fast normal Familie möchte man sagen… nur zum Essen darf man nicht kommen und auch sonst sollte das Thema gemieden werden. Jens ist ca. 1,90m groß und bringt stattliche 82 Kilo auf die Waage. Bei Johanna scheint es andersrum zu sein. Sie misst rund 1,65m und ihre Waage zeigt seit langer Zeit an, sie sei viel zu klein für ihr Gewicht… oder einfach nur ERROR. Die beiden Jungs sind gesund, etwas drahtig, unauffällig. Auf den ersten Blick alles normal. Nur.. Johanna ist Vegetarierin. Ein Grund, warum ich das Vergnügen habe, mit ihrem Mann in regelmäßigen Abständen einen Nahrungsergänzungsabend im Escados verbringen zu dürfen. Jens und Johanna kennen alle Salat- & Vegetarierwitze und wenn ich mal einen Neuen erzähle, hab ich ihn von den beiden. Sie kocht für ihre Männer mit Hingabe und mittlerweile kommt sehr oft genießbares raus. Mir ist nicht klar, wie sie einen Hackbraten bereitet, ohne Fleisch und Soße zu kosten. Selbst Steaks hat sie für ihren Gatten und mich schon bereitet. Johanna isst nur Möhren, Blätter, Tomaten und manchmal, wenn sie sündigt sogar Obst. Sie trinkt stilles Wasser oder grünen Tee. An besonderen Tagen auch mal Tee mit Aroma.. Kaktus-Bittermandel, Algenteppich-Regenwald und Löwenzahn-Ebrochenes… Ich habe den üblen Gerüchen schon viele Namen gegeben und Jens pinkelt sich fast immer ein vor Lachen. Zum Repertoire Johannas Ernährung gehört natürlich auch Tofu. Frisch gefangene Sojapflanzen die zu geschmacklosem Glibber geformt werden und mit der Konsistenz von gekühltem Nasenschleim anmuten. Als Platte, ähnlich einem Kasslerstück, oder als Würstchen verarscht sich der eiweißgierende Pflanzenfresser selbst. Warum die Pampe in solche Formen gepresst wird, konnte mir Johanna nicht erklären. Sie argumentierte das Essen würde so normal aussehen. Es erschließt sich mir nicht, warum sie eine Kartoffelsuppe mit Würstchen kocht um die Würstchen wegzulassen und sie durch gestückelte Tofubolzen zu ersetzen. Ich stelle mir die Frage ob es nicht mal spannend wäre einen kleinen gemischten Salat aus Kochschinken, Hackbällchen, BiFis und BBQ-Soße zu machen…damit das Essen normal aussieht!?

Beim Essen…oder viel mehr beim Grasen… erklärt Johanna relativ oft, wie gesund, nahrhaft und bekömmlich ihre Art der Ernährung ist und welche vitalitären Vorteile uns ereilen würden, wenn wir auch auf Viehfutter umstellen würden. Sie sagt nicht Viehfutter, ihr Mann schon. Während ich mich auf die Giftstoffe, künstlichen Aromen und tierischen Fette des kommenden Whoppers freue, stell ich mir die Frage, warum von all den Vegetariern die ich kenne, die meisten militant sind? Meißt sind es diejenigen, deren Äußerliches an einen chronischen Burgerfleischvernichter erinnert, die glauben normale Allesfresser bekehren zu müssen??? Allzu oft treffe ich kleine dicke Vegetarier die wirklich eine Diät nötig hätten. Meißt erschließt es sich mir ja nicht, ab die Pummelchen erst durch den übermäßigen Genuss von Hafer ihre Hüften bekommen haben oder ob die Entscheidung vom gewachsenen Huftsteak gekommen ist. Oft denk ich mir, das Elefanten auch Vegetarier sind und frag nicht weiter nach. Vorteil der Elefanten, sie gehen zu keinem Löwen und erklären ihm, er soll seine Ernährung umstellen… Das unterscheidet den Elefanten vom Homa Sapiens Vegetarius.

Die großgewachsene langbeinige Blondine aus meinem Kundenstamm, die ein wenig ausschaut als wäre sie grade aus dem Hustler gehopst, hat seidigen Teint, max. 18% Körperfettanteil, Konfektionsgröße XS-S, tolle Haare, raucht, trinkt Cola, Kaffee und auch Alkohol… Sie versucht aber nicht irgendwen vom Vergetariertum zu überzeugen… ihr Anblick wäre Beweis genug…wäre! Zum Leidwesen die Grünzeugzunft ist ihr fast jedes Steakhouse in und um LE und einige Currywurstbuden gut bekannt. Wenn die beste Ehefrau von allen, Sonntagmorgen mit meiner Lieblingstochter vom Bäcker kommt, findet mein Sohn stets „Vogelfutterbrötchen“ im Einkaufskörbchen. Grinsend tastet er dann seine Lippen ab, um zu prüfen ob ihm ein Schnabel für die vielen Körner gewachsen ist. Während er sich wieder seiner Frühstückaufgabe zuwendet, sagt er nicht ohne etwas Ironie „Papa, es gibt Körner für die Hühner und richtiges Frühstück für uns.“ Dann bereitet er ein pomfortionöses Rührei mit Bacon. Obwohl wir jedesmal böse Blicke unserer Hühner ernten, reicht sein Teil nie ganz für alle, Körnerbrötchen bleiben über. Ich glaube der Grund warum kleine biologisch gefütterte Pummelfeen so radikal auf ihre Vogelfutterernährung drängen, liegt in der Möglichkeit von den eigenen Mankos ablenken zu können. Jemand der sich normal ernährt, hat ja keine Ahnung, wo wann und wie welche Tofuwurst in welchem Salat irgendwelche entschlackenden Wirkungen erzielen könnte. So kommt der beschwatze gar nicht auf die Idee, nach der Ursache für Pickel, Übergewicht und Allergien zu fragen.
Mediziner werden sicher widersprechen, aber ich kenne keinen mit einer Steakallergie oder Bratwurstüberempfindlichkeit. Gut.. von Fischallergien hab ich schon gehört.. aber mal im Ernst.. Fische haben weder Hufe noch Hörner. Möhren, Fruchsäuren, Datteln, Nüsse, Knoblauch…selbst Pollen… alles Pflanzen die algerische Reaktionen bei Leuten die mir persönlich bekannt sind, verursachen. Die ganzen Modeerscheinungen in Sachen Ernährung gehen mir auf den Weizenkeks. Nicht weil jemand eine Allergie, einen Glauben oder eine Einstellung hat, die ihm Fleisch, Fisch, Eier, Milch u.v.m verbieten. Das permanente Belehren… oder wie wir Fleischfresser sagen „Gesülze“… die Besserwisserei, das gefährliche Halbwissen und die darauf basierende Vorverurteilung sind nervig. Ich bin 183cm groß und 94 kG schwer, ich esse Rind, Schwein, Lamm und Kanninchen… letzteres mit Thüringer Klößen und Rotkraut… also sehr ausgewogen..

Als ich klein war haben wir kaum Allergien gehabt und im Kindergarten sogar alle das gleiche gegessen… Und wenn ein Kind mal einen ADHS Anfall hatte, gabs eine Watsche von Mama und es war geheilt! Es gibt zwei Arten von Pflanzenfressern…die die Pflanzen zum Zentrum ihrer Ernährung gemacht haben und diejenigen, welche alle andersdenkenden bekehren wollen… ich bin für die ADHS-Behandlung!

 

Tagesaktuelle Erkenntnise mit Augenzwinkern

„Eine uralte Weisheit der Dakota-Indianer besagt:
Wenn Du merkst, Du reitest auf einem toten Pferd… steig ab!“
Tom Snider, sächsischer Cowboy

Diese Einstellung ist geprägt von Resignation und Passivität und damit kein Vorbild für uns. Na ja, was verstehen die Sioux auch schon von Pferden?
Da sind wir weiter. Wir als hochqualifiziertes Führungspersonal in der kommunalen Verwaltung haben für derartige Situationen zahlreiche erfolgsorientierte Strategien und zielführende Methoden entwickelt:

  • Wir sagen: „So haben wir das Pferd doch immer geritten.“
  • Wir weisen den Reiter an, sitzen zu bleiben, bis das Pferd wieder aufsteht.
  • Wir stellen dem Reiter eine Beförderung in Aussicht.
  • Wir ordnen Überstunden für Reiter und Pferd an.
  • Wir schließen mit dem Reiter eine Zielvereinbarung über das Reiten toter Pferde.
  • Wir gewähren dem Reiter eine Leistungspämie, um seine Motivation zu erhöhen.
  • Wir schicken den Reiter auf ein Weiterbildungsseminar, damit er besser reiten lernt.
  • Wir organisieren regelmäßige Teamgespräche mit einem externen Supervisor, um die Kommunikation zwischen Reiter und totem Pferd zu verbesseren.
  • Wir schlagen dem Personalrat vor, Leistungsanreize für tote Pferde einzuführen.
  • Wir erläutern dem Pferd, dass sein Verhalten zur Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen führen könnte.
  • Wir sourcen den Stall für tote Pferde aus, um Futterkosten zu sparen. (Vorschlag von „asterio“)
  • Wir setzen den Reiter um und schreiben die Stelle verwaltungsintern aus.
  • Wir schreiben die Stelle des Reiters des toten Pferdes bundesweit aus, nachdem sich aus dem eigenen Haus kein qualifizierter Bewerber gefunden hat.
  • Wir besorgen eine größere Peitsche.
  • Wir verdoppeln die Futterration für das Pferd.
  • Wir wechseln den Pferdelieferanten.
  • Wir wechselnd den Futterlieferanten.
  • Wir wechselnd das Stroh im Stall aus.
  • Wir lassen den Stall renovieren.
  • Wir schließen mit dem Personalrat eine Dienstvereinbarung über den Einsatz toter Pferde in der Verwaltung.
  • Wir berufen einen ämterübergreifenden Arbeitskreis, um das tote Pferd zu analysieren.
  • Wir besuchen andere Verwaltungen, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
  • Wir stellen fest, dass die anderen auch tote Pferde reiten und erklären dies zum Normalzustand.
  • Wir schließen uns einem interkommunalen Vergleichsring an, um entsprechend dem best-practice-Gedanken das tote Pferd zu optimieren.
  • Wir bringen im Rahmen des Budgets die Produkt- und die Finanzverantwortung des toten Pferdes zur Deckung.
  • Wir starten einen verwaltungsinternen Ideenwettbewerb zum Reiten toter Pferde.
  • Wir ernennen einen Verwaltungsmitarbeiter zum Beauftragten für das Totepferdewesen.
  • Wir beauftragen eine renommierte Beratungsfirma mit einem Gutachten, ob es billigere und leistungsfähigere tote Pferde gibt.
  • Das Gutachten stellt fest, dass das tote Pferd kein Futter benötigt und empfiehlt, nur noch tote Pferde zu verwenden.
  • Ein Ergänzungsgutachten ergibt, dass die Leistung des toten Pferdes etwa doppelt so hoch ist wie die Arbeitsleistung eines durchschnittlichen Beamten und empfiehlt die Verbeamtung des Pferdes. („Häh???“)
  • Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde.
  • Wir lassen das tote Pferd nach DIN EN ISO 9001 zertifizieren.
  • Wir bilden eine Task Force, um das tote Pferd wiederzubeleben.
  • Wir stellen Vergleiche unterschiedlich toter Pferde an.
  • Wir ändern die Kriterien, die besagen, ob ein Pferd tot ist.
  • Wir schirren mehrere tote Pferde zusammen an, damit sie gemeinsam schneller werden.
  • Wir erklären: „Kein Pferd kann so tot sein, dass man es nicht doch motivieren könnte.“
  • Wir beantragen Fördermittel der EU aus dem Landwirtschaftsfond für Pferdehaltung.
  • Alternativ schlagen wir vor, das tote Pferd als EU-Kommissar nach Brüssel zu berufen.
  • Wir erklären: „Wenn man das tote Pferd schon nicht reiten kann, dann kann es doch wenigstens eine Kutsche ziehen“.
  • Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung für tote Pferde zu finden.
  • Wir überarbeiten die Dienstanweisung für das Reiten von Pferden.
  • Wir richten einen unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein.
  • Wir weisen darauf hin, dass im Rahmen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements das tote Pferd als bewegliches Anlagevermögen zu bewerten ist.
  • Wir definieren ein eigenes Produkt „Reiten toter Pferde“.
  • Wir erstellen eine Power-Point-Präsentation, um zu zeigen, was das Pferd könnte, wenn es denn nicht tot wäre.
  • Wir bilden innerhalb der Verwaltung ein neues Sachgebiet mit Integration aller toten Pferde, um Synergieeffekte zu nutzen.
  • Wir überlegen die Gründung einer kommunalen GmbH für tote Pferde, nachdem die Einrichtung eines optimierten Regiebetriebes bzw. eines Eigenbetriebes keinen Erfolg brachte.
  • Wir suchen einen finanzstarken Partner aus der Privatindustrie und gründen zusammen mit dessen toten Pferden ein Public-Private-Partnership-Projekt.
  • Wir tauschen das tote Pferd gegen ein anderes totes Pferd aus, das laut Produktbeschreibung schneller läuft.
  • Wir tauschen das tote Pferd gegen eine tote Kuh aus.
  • Wir erschießen alle lebendigen Pferde, um die Chancen unseres toten Pferdes zu erhöhen. (Vorschlag Thomas Vogler)
  • Im Rahmen eines internationalen Artenschutzabkommens verpflichten sich alle Partner, das Aussterben toter Pferde zu verhindern. (Anregung Heide Stan)
  • Wir kündigen nach Anhörung des Personalrates dem Pferd fristlos, da es sich um einen klaren Fall von Arbeitsverweigerung handelt.
  • Wir verklagen das Pferd zivilrechtlich auf Schadensersatz wegen Nichterbringung einer zugesicherten Leistung.
  • Wir wenden die Helmut-Kohl-Strategie an: Wir setzen uns hin und warten sechzehn Jahre, ob das Pferd sich nicht einfach nur tot stellt.
  • Wir wenden die Gerhard-Schröder-Strategie an: Wir schnallen dem toten Pferd einen leichteren Sattel um, damit es die Chance hat, sich wieder von selbst zu erholen.
  • Wir wenden die Angela-Merkel-Strategie an: Alle dürfen munter sich widersprechende Vorschläge machen und am Schluss ist der Koalitionspartner schuld, wenn das Pferd sich nicht bewegt.
  • Wir erklären, daß ein totes Pferd von Anfang an unser Ziel war.
  • Wir legen das tote Pferd bei jemand anderem in den Stall und behaupten, es sei seines.
  • Wir leugnen, jemals ein Pferd besessen zu haben.

Nun stellt sich dem lachenden Leser die Frage „woran merke ich, das mein Pferd verstorben ist?“ keine Ahnung, aber mein Tip lautet:

„Wenn Du sicher bist, dass Du ein totes Pferd reitest, sorge für einen bequemen Sattel – es könnte ein langer Ritt werden!“

Insofern… einen guten Ritt..
Euer Kenobi