Das große Krabbeln…

Vor einem Jahr war die Welt gut zu mir, meine Kinder pflegeleicht, meine Freizeit reichlich bemessen und die darin zu verrichtenden Tätigkeiten überschaubar.Diese Umstände und das freundliche Lächeln unserer Klassenlehrerin, gepaart mit einem Fußtritt meiner Banknachbarin ließen mich einwilligen, als Begleitperson der Klassenfahrt der Klassen 3 a-c  beizustehen.  Das es ehr um ein Überstehen geht, war mir…von freudigen Erinnerungen an meine Klassenfahrten benebelt… nicht klar.

Die beste Ehefrau von allen motivierte und bestärkte mich zu freiwilliger Meldung. Im Nachhinein ist mir klar, sie wollte Ihre Babys unter Beobachtung wissen, mit Hilfsbereitschaft dem Klassenkollektiv gegenüber, hatte das wenig zu tun.  Wie auch immer, letzten Mittwoch gegen 8:30 Uhr stand ich umringt von ca. eine Million tobender schreiender Knirpse auf dem Hof der Geschwister-Scholl-Grundschule und bereute wieder einmal bitterlich, auf die beste Ehefrau von allen gehört zu haben. Doch das freundlich Lächeln unserer Klassenlehrerin und die bevorstehenden 3 Tage Baustellenpause ließen mich Mut und Kraft schöpfen. Schnell sortierten sich die Gruppen zusammen, Kinder und Eltern die sich kannten bildeten Grüppchen, Väter freuten sich auf drei freie Tage mit ihren Frauen, Mütter freuten sich auf Freitag, den Tag der Rückkehr. Worauf sich die Wänster freuten, blieb mir im Detail verborgen. Da es sich um Klassenstufe drei handelt, mutmaßte ich, der Alkohol und Zigarettenkonsum würde sich in Grenzen halten und auf die nächtlichen Orgien wären überschaubar in Menge und Ausmaß.

T minus 30 Minuten:  „Der Bus kommt…“ Ein kurzer Moment der Ruhe weht über den Schulhof. Wie beim Start einer russischen Trägerrakete des Typs Proton, war es eine Sekunde lang still, bevor Ohrenbetäubender Donner die Massen in Bewegung brachte. Erst ganz langsam und dann immer gewaltiger drängten die Kinder zum kleinen Hoftor und rissen alles mit was sich in den Weg stellte. Eltern, Lehrer… mich. Irgendwo hatte ich mal gelesen, wer von einer Lawine erfasst würde, sollte auf ihr mitschwimmen… Ich schnappte meine Reisetasche und glitt auf einem donnernden Schwall Kinder zum Bus.

T minus 15 Minuten: Die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt lassen sich recht einfach beschreiben: Alle Kinder in den Bus, etliche Mamas hinterher, Mamas raus, einige Kinder heulen drinnen, einige Mamas draußen, Väter belehren ihre Söhne, Söhne ignorieren Ihre Väter. Die Kinder bekommen das übliche „sei fein lieb“ und das „höre was der Lehrer sagt“ mit auf den Weg gegeben. Die ersten Krabbler sind in ihren Sitzen versunken und geben sich einem Comic oder ihrem iPod hin, andere tauschen ihre Lego® Starwars© Karten, ein oder zwei sind eingenickt weil sie vor Aufregung über die erste Klassenfahrt nur wenig geschlafen haben.

T minus 3 Minuten: Hinter dem Fahrer sitzt ein kleines Mäuschen und schaut recht traurig drein…sie ist seit 10 Tagen die Neue in der Klasse, niemand wollte neben ihr sitzen… Mama und Oma stehen draußen neben dem Fenster und bestärken sie beim Traurig sein durch recht nutzloses gemeinsames Heulen. Unsere Klassenlehrerin setzt sich zu ihr und baut sie mit ein paar kuschelig motivierenden Worten wieder auf. Ich hab sie auch gehört und schöpfe wieder Mut für die kommenden 3 Tage.

T minus 1 Minute: Der Busfahrer startet den Motor, die Türen werden verriegelt, die beiden im Bus befindlichen Lehrerinnen zählen ob ausreichend Kindez dabei sind, mit einem schnellen Blick in die Spiegel versichert sich unser Pilot, das sich keine Mama draußen am Bus festgebissen hat… erste Gang…. Lift off…. 55 Stunden Wahnsinn starten.

Nach einer überraschend ereignislosen Fahrt erreichen wir das Basislager in Dahlen. Während sich die Organisatoren der Anmeldeprozedur hingaben, versammelten sich die ca. 70 Kinder samt deren Gepäck auf der Eingangstreppe zur Jugendherberge… zumindest versuchten alle auf die 3×4 Meter große Treppe zu klettern. Tumult, Chaos, Quetschungen, Tod oder schlimmeres drohten sich an und ließen sich auch von dem liebevoll in die Massen gehauchtem „Vorsichtig Kinder, passt auf“ nicht abwenden.

Mein Einsatz schien gekommen. Ich trat meine Zigarette aus, die ich blickgeschützt hinter dem Bus geraucht hatte. Meine Reisetasche geschultert, stellte ich mich Mittig vor die Treppe, formte Daumen und Zeigefinger zum Ring und Pfiff auf diesem mit aller Kraft. Was bei meinem Kinderchen seit Anbeginn ihrer Zeit funktioniert, sollte doch auch hier klappen. 4 Kilohertz mit 113 Dezibel pressten sich erbarmungslos über jedes Geschrei und jeden Ipod in die Ohren aller Anwesenden und verliehen dem anschließendem „runter da und alle in eine Reihe stellen“ so extrem Nachdruck, das aller Treppenstürmer sofort die Empore verließen, auch die Erwachsenen. Irgendwo aus dem langsam aufkeimenden Gemurmel vernahm ich eine Lehrerin zu sagen „gut das ein Mann ist, der sich durchsetzen kann“… sie kennt mich scheinbar nicht näher.

Nach dem Check In wurden Zimmernummer preisgegeben und die Gruppen stürmten lauthals die Basis. Ich hatte Zimmer 5, eine Einzelzelle moderner Bauart. Bett, Schrank, Tisch, Stuhl und ein Waschbecken. Die Bettwäsche hatte ich mir auf dem Weg zum Zimmer mitgenommen und nach 10 Minuten war mein Schrank gefüllt und mein Bett vorschriftsmäßig bezogen und rechtwinklig gefaltet…. Nun durchschritt ich die Jungszimmer der 3a um den gleichen Zustand vorzufinden, was mir natürlich nicht gelang. Einige der Racker hatten gar nicht vor in Bettwäsche zu übernachten, andere haben sich bei dem Versuch ihr Bett zu beziehen, in ein Bettlackengespenst verwandelt. Mit 3x vormachen und einigen Tips konnte ich die Situation ins Loot bringen. Das freundliche Lächeln unserer Klassenlehrerin zeigt mir, das meine Methode die Jungs an ihr Ziel zu führen, wohl doch nicht allzu sehr mit ihren Vorstellungen kollidierte. Die Zimmer hatten sich Teamnamen ausgesucht.. die Starken und die Kohlköpfe, die sie dreifach und lauthals nach meinem „wer seid ihr?“ durch das Haus riefen… Es klang wohl ein bisschen wie bei der Armee, aber meine beiden Sealteams hatten sichtlich Spass dabei. Kasim, ein Junge aus Max´ Zimmer flüsterte meinem Spross zu „Dein Papa ist richtig cool“ Das ging runter wie Öl und bestärkte meine durch 70 Kinderstimmen ins wanken geratene Selbstsicherheit. Schließlich entgeht Kindern kein Fehler oder Missgeschick und das wollte ich ja vermeiden.

Um 12 Uhr sollte es Mittag geben und danach ist eine Försterwanderung geplant.

Mittagessen… Raubtierfütterung traf es ehr. Blöd, das die Essensausgeberinnen die Geschwindigkeit eine hüftkranken Schildkröte zeigten und sich der Fütterungsvorgang doch sehr in die Länge zog. Den Ohrenbetäubenden Lärm der Protonrakete beendete mein Pfeifton und kaum 30 Minuten später konnten auch die Erwachsenen hastig etwas nahrhaftes in sich hineinschlingen. Seit der Klassenfahrt trage ich mich mit dem Wunsch, Magengeschwüre als typische Berufskrankheit des Erziehungswesen zu bezeichnen. Die Försterwanderung sollte mich den verschiedenen Kindercharakteren der 3 a näher bringen. Wie in allen anderen Schulklassen auch vertreten, zeigten sich recht schnell die Vertretenen Gattungen: Labertasche, Mitleidfarmer, Verzogenes Balg, Mauerblümchen, Mitläufer, Bummeltriene u.v.m.

Ich glaube es war J.W.Goethe, der mal sagte „man muss Kinder nicht erziehen, sie machen sowieso alles nach.“ Ich kann mir zwar immer noch nicht vorstellen, wer seinem Kind gelehrt hat, Tiere zu töten, aber ein paar Zornige Worte des Försters und eine strenge Disziplinarmaßnahme unserer sonst so sanften Klassenlehrerin verhinderten schlimmeres und so ließ nur ein Mistkäfer sein Leben und eine Nacktschnecke kam mit dem Schrecken davon. Weitere Vorfälle geistiger Umnachtung bezogen sich nur noch auf Wortwahl oder Missachtung von Anweisungen. Alles in allem ein sehr schöner und aufschlussreicher Nachmittag, der in einer abendlichen Raubtierfütterung enden sollte.

Danach ging es zum Schloss Dahlen. Besichtigung mit anschließender Nachtwanderung stand auf dem Plan. Beim Abendbrot gab nicht mehr Grund zu klagen, als bei allen anderen Mahlzeiten davor und danach… kaum Verletzte, wenig Blut.

Zum Abmarsch ins Schloss versammelten sich alle frisch gefütterten Quälgeister vor dem Landheim und spielten erwartungsvoll mit ihren Taschenlampen. Kurz nach dem Verlassen des Basislagers verließ unsere Klassenlehrerin den kürzesten Weg zum Schloss, um den Konvoi über einen Feldweg durch einen kleinen Park zu führen. Der Park gehörte zu der Ruine die sich in Machern Schloss nannte und hatte einen deutlich besseren Zustand als selbige. Er war intakt. Drei kleine Teiche säumten unseren Weg, in einem war ein Springbrunnen platziert, der im Gegensatz zu unseren Kindern leise und friedlich vor sich hin sprudelte. Eine Ente suchte das weite, als ein faustgroßer Stein unseren Sauhaufen verließ und in ihre Richtung flog. Es gelang mir nicht den Werfer auszumachen, so zogen wir weiter. Das Schloss, vielmehr dessen Überreste wirkte wie ein überdimensionaler Klotz, der von unten durch eine grüne Betonplatte geschossen wurde. Anfang der 70´er Jahre abgebrannt, vegetiert es seinem endgültigen Verfall entgegen. Ein paar Eingeborene zögern mit Hilfe von Sponsorengeldern den unvermeidlichen Witterungstod hinaus. Ein Paar dieser Leute empfingen uns am Eingang, trennten die Gruppe in zwei Teile und begannen die Führung durch die Schlossruine. Mehr oder weniger wissenswerte und reichlich langweilig uninteressante Schlossgeschichte wurde uns vorgetragen. Unser Dungeonkeeper fügte ab und an so überzeugend zeitgeschichtliche Verknüpfungen ein, das ich es im nachhinein für eine reife Leistung hielt, während meines letzten Schuljahres ein Verhältnis mit der Tochter meiner Geschichtslehrerin zu haben…nur um mir die Geschichtsprüfung zu ersparen.

Ich kapierte rein gar nichts und den Kindern ging es genau so wie mir. Es hatte den Anschein, als würde uns jemand die Bedienungsanleitung eines russischen Kernspintomographen auf Aramäisch vortragen. Der Bau hatte nichts Ansehnliches mehr und auch eine Folterkammer gab es nicht zu besichtigen. Endlich ging es heimwärts, die Nachtwanderung stand bevor. Eine der Lehrerinnen hatte deutlich mehr Angst als die Kinder und schlug vor, die befestigte Straße für den Heimweg zu wählen. Viele traurige kleine Gesichte und scheinbar umsonst mitgebrauchte Taschenlampen trieben mich dazu, den Feldweg durch den Park als einzig brauchbare Möglichkeit zu vertreten. Wir machten uns auf den Feldweg. Ängstlich Blicke, mit lauter Stimme überspielte Unsicherheit und Sorgenfalten waren deutlich erkennbare Zeichen in den Gesichtern der Pädagoginnen, als wir den Waldweg beschritten. Da keine Gespenster und Monster gebucht waren, kamen auch keine und wir erreichten die Herberge kaum 40 Minuten später. Der rumorende Haufen wurde zur Nachtruhe abkommandiert. Nach einigen lauten Worten meinerseits und der Androhung von nächtlichem Sport kehrte Ruhe in Bootcamp ein. „Wer nicht in 5 Minuten bettfertig ist, macht mit mir vorm Huas Liegestütze bis ich nicht mehr kann“… diesen Satz ließ ich in allen, mir anvertrauten Zimmern wirken. Die meisten der Geister hatten mich Nachmittags an der Tischtennisplatte beim liegestützen mit meinem Sohn gesehen und ahnten das ich a) ernst machen und b) lange durchhalten würde. In Max´s Zimmer ergänzte mein Lieblingssohn „oh oh, dann schlafen wir lieber, Papa kann echt viele Liegestütze, heute Nachmittag hat er mit mir 40 gemacht.“ Endlich war Ruhe und ich konnte den Schmerz in den Armen mit Rotwein betäuben, bevor ich meinen frisch bezogenen Schlafstein benutzen konnte. Ich verwende Schaumgummimatratzen, das schein aber bei Jugendherbergen unüblich. Der Wein ließ mich auch das ertragen. Der Schlaf war nötig und wichtig…Tag 2 war ja schon angebrochen…..

Anton Hynkel „wir müssen sofort in Osterlitzsch einfallen“

Am Dienstag war es mal wieder soweit. Eine, mit etwas Glück, Schweiß und die Unterstützung meiner Partner erarbeitete Schulungs- und Erholungsreise wollte angetreten werden. Zehn Tage Burgenland…
Die kürzeste Strecke dorthin führt über Dresden, Prag, Brünn, Bratislava.. 674 Kilometer Anreiseweg, 2 % Landstraße, der Rest Autobahn. Die Art der Prozentrechnung sei hier kurz genauer erklärt.
Meine Rechnung : 660 km Autobahn + Rauch-& Tankpause +  Landstraße = 7 Stunden
Sylvias Rechnung: 660 km Autobahn + Rauch-& Tankpause +  Landstraße = 12 Stunden

Für mich ist Mathematik etwas logikbasierendes, weshalb ich nicht verstehe, wie die beste Ehefrau von allen zu diesem Ergebnis gekommen ist.
Die meiste Zeit lenke ich den Familieneigenen Leopard2Kampfpanzer, zwischen Praha und Brno löste mich Sylvia für knapp 100 km ab… Reisedauer 7 h 25 min… es hätte mich fast den Führerschein gekostet, die Zeit zu halten, aber die fast 1,5 Stunden die meine Göttergattin die Reisegeschwindigkeit regelte, mussten ja reingespielt werden.
Nicht desto trotz, gönnte ich mir ab und an einen kleinen Spaß. Bei unserem letzten Trip spuckte der Bordcomputer mit dem BMW typischen Dingding eine Fehlermeldung der Einspritzanlage aus… ein Umstand, der etwas Panik bei meiner Liebsten verursachte, sich aber, dank des besten Schraubers von allen schnell klärte. Dieses Mal war gar nichts kaputt… aber wenn mein Schatz eingeschlummert ist und ich während der Fahrt das Gurtschloß öffne, ertönt aus dem Bordcomputer ein sanftes Dingding, welches herrlich anzusehende Reaktionen bei der schreckhaft erwachenden Ehefrau verursacht…ich hatte Spaß und die nächsten 80 Minuten auf keinen Gesprächspartner. Man kann nicht alles haben. Unsere geliebten Kinder haben wir per Flug nach Osterlitzsch versendet, das macht die Fahrt als solche und die Reisedauer erträglich und nahm der besten Ehefrau von Allen die Möglichkeit, mich bei der Benutzung des Gaspedals zu kritisieren.
Das Feriendorf liegt unweit vom Neudiedler See, direkt an der Ungarischen Grenze. Die Position lässt mich immer wieder vermuten, das der Ort im Jahr 1988/89 entstanden ist, dort wo die politischen Flüchtlinge über die Zonengrenze ins imperialistische Ausland gerobbt sind.
Heute zeigt sie das Örtchen als 5Sterne Hotelanlage. Sehr Detailverliebt und Luxuriös, ich glaube hier hat jeder Baum seinen eigenen Gärtner und jedes Handtuch sein eigenes Zimmermädchen. Ich bin Gast in dieser Anlage…  seht es mir nach, das ich hier also nichts erwähnen werde, was mein Zynikerauge also würdig entdeckt hat.
Die Geschichten und Erlebnisse die mir meine Familie liefert, sowie der ein oder andere Gast sowie das Personal, sollen für die kommenden Tage genügen Stoff bieten.
Der Ankunftstag war voll bestückt mit kleinen und größeren Anreisemodalitäten, Begrüßungsimbiss in den Bauch stopfen, Wochenplan ausarbeiten, Fahrräder abholen, Fahrräder umtauschen… ja Umtauschen. Max konnte es nicht verschmerzen, das sein gewähltes Fahrrad Lila/Pink coloriert war und ein anderer Junge die gleiche Bauart in rot/blau um die Gäste fuhr. Die Anreise fand ihren Abschluss als wir endlich, bei 28 Grad Luft- und 26 Grad Wassertemperatur, den hoteleigenen Badesee aufsuchten und zu 80 % in die Fluten stürzten. Vier von fünf Reisenden badeten, ich zog es vor, unter dem Schatten eines Sonnenschirms, andere Badegäste zu beobachten und mir gedankliche Anregungen zu sammeln… und es gab so viele davon!!
Spielende Kinder, die von ihren Übergewichtigen Müttern zu einer gesunden Mahlzeit genötigt werden, Cheeseburger mit Pommes und Cola.
Fußballbegeisterte Väter, die sich sichtlich bemühen, das frisch gezapfte Bier zu leeren um noch vor Ende der Werbepause ein neues zu ordern. Ich bin mir sicher, wir werden viel erleben, von dem ich berichten kann.

Eine Erkenntnis hab ich schon aus den Erfahrungen des ersten Tages. Wer jemals zu 5 ein Ferienhaus bucht… stellt sicher, dass 2 Toiletten da sind. Nichts ist schlimmer, als am Morgen der erste in der Dusche sein zu müssen und als letzter aufs Klo zu dürfen!

Die Zeit zwischen Frühstück und dem Beginn der Morgendlichen Veranstaltungen überbrückten meine beiden Lieblingskinder mit Fahrradrennen um den direkt vorm Haus gelegenen Kletterspielplatz.
Dieser Punkt wurde auch als erstes und wichtigstes Thema in meiner Schulung angesprochen. Mäxchen hatte einen neuen Rekord aufgestellt. Diese Tatsache alleine genügte der Geschäftsleitung und der anwesenden Führungsriege, die Tagesordnung um den Punkt „Helmpflicht für Kinder“ zu erweitern.
Mein Junior schaffte es in einer bisher nie da gewesenen Kürze, die Zeitspanne vom Fahrrad ausleihen bis zum ersten Totalschaden mit Schmerzschreien und blutigen Körperteilen zu überwinden. Beim Radrennen verlor er die Kontrolle über sein, in Schräglage driftendes rot/blaues Fahrrad und hinterließ auf dem asphaltierten Weg ca. 10 Meter Kratz- und Schleuderspur bevor er an einem, am Wegesrand liegenden, Findling ruckartig zum liegen kam. Ein lautes, in den Morgen gewimmertes Aauaahahaa weckte die Aufmerksamkeit aller Bewohner, der um den Spielplatz angeordneten 12 Häuser. Sofort eilten einige Väter und alle Mütter meinem Sproß sorgenvoll zu Hilfe.
Seine Mutter sprintete natürlich auch zu ihrem Mäxchen.
Hätte Usian Bolt, der Olympiasieger, meine Frau in diesem Moment rennen gesehen, er würde seine Goldmedaille für 100m zurückgeben und bitterlich weinen. Ich kenne meinen Sohn, ich kann unterscheiden ob er einen Mitleids- oder Schmerzschrei ausstößt und ich weiß: seit er Judoka ist, kann er fallen. Klang und Intensität des  Aauaahahaa ließen mich auf leichte Schürfwunden schließen. Ich hatte Recht. Knie, Ellenbogen und Kinn besaßen jetzt weniger Hautstärke als die anderen Körperregionen. Der Blutverlust hielt sich in Grenzen und kann im Milliliterbereich angegeben werden. Ein scheinbar richtig ausgeführtes Mae-Ukemi (Fallübung vorwärts) sowie der, vorsorglich von meiner Gattin angelegte, Fahrradhelm verhinderten schlimmeres. Muttis Trost und eine dicke Portion Mitleid von Oma und Schwester, halfen meinem Lieblingssohn schnell wieder auf die Beine.
Meinem Sohn ist es also zu Verdanken, das der hoteleigene Konsum einen Umsatzanstieg in Fahrradschutzkleidung verzeichnete. Den Unterschied zwischen vorausdenkenden und mehrpreiszahlenden Eltern erkennt man nun an den fahrradfahrenden Kindern. Bunte lustige Helme oder blau mit Hotellogo…

Nach meiner Schulung treffen wir uns zum Mittag fassen und dann sammle ich neue Erlebnisse….

Taxi fahren war einmal…

Mercedes plant mit Nissan(Japan) diverse Modelle in Osteuropa zu produzieren.. so eine Art „polskyMercedes E350Z“ oder die Sondermodelle SLJ (SL Japanedition), SLKK (SLK Kasachisch) und ML ( M-Klasse Litauisch)
Bei den Osteuropäischen Bauformen ist die Wegfahrsperre mit jeder beliebigen Fernbedienung deaktivierbar und Fahrten mit eingerastetem Lenkradschloss aufpreisfrei.
Produktionsbedingte Fertigungstoleranzen zeigen sich nur selten… am auffälligsten beim Kraftstoff. Wo sonst SuperE10 an der Tankklappe stand, strahlt dem Tankwilligen jetzt ein „mind. Altöl – max Absolut Vodka“ entgegen. Gegen einen geringen Preisaufschlag wird bei diesen Modellen auch die Garantie verlängert:
50 € bis zum Hoftor des Händlers,
100 € bis 2500 km, max 2 Monate,
jeder weitere Monat / bzw je 1000 km weitere 100 € !
Die von Nissan in Japan entwickelten Modelle gibt es in vielen strahlenden Farben.
Den größten Nutzen dieser Japansymbiose gibt es für die klassischen DaimlerFahrer zum Nachrüsten.
Als Kasette bzw CD:
– mit Knack-, Knarr- und Klappergeräuschen für das Fernostfeeling oder
– mit Geräuschen wie Achsbruch, Getriebeschaden, Auspuffverlust als UdSSR-Edition

Alles in allem ein weiteres Zeichen der Globalisierung..
schließlich haben ja haben Bekannte von mir schon von einem DACIA LANDROVER geschwärmt und
mancheiner genießt die Verbindung von Volvotraktoren und Viagrapillen die unter dem Decknamen Maserati vertrieben wird.

Der Jahrmarkt der Eitelkeiten

Es ist nichts Unübliches, sich des Freitag Abends das Haupthaar zu stylen, restliches zu kürzen oder ganz zu entfernen und auf die Piste zu gehen. Als Verfechter des bequemen Schlabberlooks fällt es mir natürlich schwer mit der nötigen Achtung darüber zu berichten. Letzten Freitag zogen meine Freunde in den neuen „In-Club“ der Stadt, um sich auf besagtem Markt feil zu bieten oder die Auslagen zu betrachten. Grundsätzlich ist es ein gleichermaßen simples, wie nutzloses Unterfangen, mit immer gleichem Ablauf. Wenige Minuten bis Stunden im Bad und vorm Kleiderschrank verbringen, Transportmittelauswahl treffen, Mitfahrgelegenheiten abklären, Budget festlegen, vor glühen, anreisen, den Einlasser überstehen…
Den Teil vor dem Einlasser lasse ich unbeachtet, den habe ich mir erspart. Den Start in den Discoabend verbrachte ich in der Zigarre mit zwei Freunden. Dort wo die Kellnerinnen freundlich sind, einen kleinen Plausch mit ihren Gästen halten und trotzdem ihrer Tätigkeit mit Fleiß nachgehen, lässt sich ein solcher Abend gut beginnen.
Warum ich das so explizit niederschreibe? Nun, es gibt auch Bar´s in meiner Stammkneipenauswahl, in denen manche Mitarbeiterin mehr Wegstrecke mit leeren Händen zurücklegt als mit gefüllten, in denen für „den netten Plausch“ mehr als 50 % der Arbeitszeit verdattelt werden, während andere Gäste bei überfüllten Aschenbechern unsäglich lange auf eine einfache Faßbrause warten… Es gibt Kaffee´s da ist Kunde König… und manchmal ist der Kellner, in diesem Falle die Kellnerin, eben Kaiser(in)… Frau Kaiser eben.
Wie auch immer, nach einem schnell gebrachten und langsam genossenen Latte Macchiato, ging es von der Zigarre in Richtung Marktplatz. Dort wo sich dann riesige Aufblaskopfhörer im Stil einer IKEA-Kinderhüpfburg mit einem roten Teppich kreuzen, geht es in „den neuen Club“. Dieser Schuppen ist ein nüchtern eingerichteter Laden, welcher Tagsüber auch prima als Empfangsbereich einer Nervenheilanstalt dienen könnte. Eine Zweietagige Hopsbude. Im unteren Bereich eine Tanzfläche, welche kleiner kaum sein kann und ein VIP Bereich der den primären Zweck des Ladens selbst dem ungeübten Betrachter offenbart: Komm her, bring Geld mit, lass es hier und verschwinde wieder.
Mit der Gemütlichkeit des Mitropa-Wartebereichs und dem Charme der Krostitzer Bushaltestelle, lädt er weder zum Verweilen noch zum Wohlfühlen ein. Das ist ja auch gar nicht der bereits erwähnte Sinn. Jedem der Gäste scheint dies von Anfang an klar zu sein und sollte jemand noch unschlüssig gewesen sein, war es das Einlasspersonal, welches über jeden Zweifel erhaben war und deutlich untermauerte: Sein ist hier wertlos, der Schein ist das was Zählt. Mit verblüffender Deutlichkeit stellt die Dame das Einlassen dar, das es nicht notwendig ist, geputzte oder gar gepflegte Schuhe zu tragen. Mit gutem Beispiel trug sie Highheels mit abgestoßenen Spitzen und Absätzen, die deutlich erkennbare Edding-Reparaturen hinter sich hatten. Das Kostüm vom chinesischen Massenproduzenten passte sich harmonisch in die reichlich aufgetragene Menge an Make-Up ein. Einzig die dunkel gefärbten Haare stellten eine leichte Unwucht dar, hier wäre das natürliche Blond besser angebracht gewesen. Wenn man das Einlassteam als ganzes betrachtet, stellte dieses Mädchen das absolute Highlight dar. Ihre männlichen Kollegen trugen Anzüge des holländischen Designers VanDerStange oder des russischen Modezar „Iman Gebot“. Der Großteil der Jungs kam allem Anschein nach täglich zu Fuß zur Arbeit, zumindest verrieten das die geputzten, aber abgelaufenen Schuhe. Das gesparte Fahrgeld, hatten einige von ihnen seit längerem in Anabolika oder ähnliche Präparate investiert, Voltax war nicht dabei. Für diejenigen unter Euch die mit dem Wort nichts anzufangen wissen. Voltax steigert  Gehirnfunktion und Merkfähigkeit z.B. bei Abitur oder Studium. Wie gesagt, das kannte dort keiner.
Das Beste was einem auf dem Weg nach drinnen geschah, war das Garderobenpärchen, welches mit ausgesuchter Freundlichkeit, Geduld und einer Vielzahl an Bitte und Danke den zahlungswilligen Gast seines schnöden Kälteschutzes erleichterte.
Die beiden Jungs an der Kasse, ein Duo Marke Berni und Erd, versäumten es nicht jeden Herren zu bitten seine Jacke abzugeben. Dabei wurde konsequent auch keine Ausnahme gemacht. Der Herr im Kleidungsstück aus englischem Tuch wurde, ebenso wie die Dame im maßgeschneiderten Mantel, zurück an die Garderobe geschickt… geben Sie mal ihre Jacke ab. Ein vorangestelltes Verzeihung oder gar ein Bitte im Satz erwartet scheinbar keiner, wozu auch, Du sollst Dein Geld in dem Laden lassen, Deine Erziehung kannst Du wieder mitnehmen. Trotz oder gerade wegen der harten Auswahl am Einlass, ist es ein besonderes Vergnügen, diesen Schuppen mal von Innen zu betrachten. Kaum drei Meter hinter den Gorillas erreicht man die erste Bar, zu groß um sie zu übersehen, zu klein um länger dort verweilen zu können. Genau richtig um das erste Begrüßungsgetränk erstehen zu müssen. Wer wie ich in den meisten Fällen ohne Alkohol durchs Leben geht, benötigt eine Weile, um in der Karte die eine alkoholfreie Seite zu finden, um sich dann doch für ein RB zu entscheiden. Wer etwas klamm in der Tasche ist, was hier natürlich keiner zugeben würde, trinkt am besten Bier, das ist am billigsten, weitaus günstiger als alkoholfreie Alternativen. Da diese Bar, wie auch die andern von mir besuchten, von Wodka und Moet-Flaschen gesäumt, genauso zum verweilen einlädt, wie eine Wurzelspitzenresektion beim Zahnarzt, zog ich weiter durch die Räumchen. Im Obergeschoß angekommen, erreichte ich die Raucherbar, oder vielmehr die Raucherlounge. Ebenfalls eine Bar, wie schon beschrieben. Klein, hässlich und überfüllt quetschte sie sich in einen Gang, der an Geräumigkeit einer ICE-Toilette in nichts nachstand. Es schien der einzige Ort zu sein, an dem der Nikotinsucht nachgegeben werden konnte. Auffällig war in diesem Abteil das Barpersonal, ein junger Man vom Typ Doktor Alban, der äußerst flink die ihm aufgetragenen Bestellungen bearbeitete und sich kaum bis gar nicht von den schönen Augen die auf ihn gerichtet waren, ablenken ließ. Seine Co-Stewardess, ein Wasserstoffblondiertes Rehäuglein, zeichnete sich im Gegensatz zum anderen weiblichen Bedienpersonal, durch Charme und Freundlichkeit aus. Sie sprach dialektfrei und deutlich, ihre Wortwahl ließ völlig überraschen auf ein erhöhtes Maß an Bildung schließen. Sie schaffte es auf beeindruckender Art und Weise, Fleiß, Dekolleté und Smalltalk miteinander zu kombinieren. Ich entschloss mich zu bleiben. Nach dem ich vom Personal, mit Ausnahme meiner Lieblingsbardame, das zu sehen bekam, was ich erwartet hatte, wendete ich mich den Gästen zu. Nein, ich werde keinen meiner anwesenden Freunde beschreiben, nur Personen die ich nie zuvor irgendwo gesehen habe, mit einer Ausnahme.
Um genau zu sein, reicht diese eine Person auch völlig aus um zu beschreiben welches Klientel den Club primär heimsucht. Derjenige, er sei hier der Verständigkeit halber, mal Dav genannt, zog meine Aufmerksamkeit auf sich als er die Bar erreichte. Ein helles kariertes Hemd mit zu engem Kragen fiel mir als erstes auf. Dieses karierte Prunkstück aus früheren Tagen war eindeutig zu klein. Eine Größe neununddreißig bei einem Hals der locker eine vierundvierzig benötigt hat um frei atmen zu können. Dieses modische Dilemma kaschierte Dave mit einem großen Krawattenknoten. An sich eine prima Idee, wäre da nicht die Tatsache unübersehbar gewesen, das selbst die Vorkriegsottomane meiner verstorbenen Großmutter ein zweifelsfrei schöneres und moderneres Muster ihr eigen nannte. Auch hier kam Dav dem oberflächlich prüfenden Blick des stillosen Einlasstrios zuvor und kaschierte den Anblick der toten Couch mit einem über Hemd und Krawatte getragenen hellbraunen Pullover. Dieser passte sich mühelos in das Ensemble ein, ohne das er durch das darüber getragene stahlgraue Jackett des Edeldesigners CANDA an Widerlichkeit verlor. Wie die meisten der Einlasser, musste auch Dav zu Fuß angereist sein, zumindest ließ der Zustand seine Kunstlederschuhe darauf schließen. Ins Gespräch mit ihm gekommen, folgte ich interessiert seinen Ausführungen über sein berufliches tun und rätselte geraume Zeit, woher ich diesen Jungen kannte. Dav erklärte mir lang und breit, er arbeitet bei der Dresdner Bank und sei dort so eine Art Investmentkonifere. Koryphäe halte ich für den falschen Begriff, da es ja schon lange keine Dreba in Leipzig gibt, die ist ja an die Commerzbank verkauft wurden. Wie auch immer, ich wurde mit kompliziert klingenden Fachbegriffen überhäuft. Optionsscheine, Derivate, Sicherungsoptionen, Aktien, Gewinnmitnahme, Verlustrisiko…
Finanzsuaheli, mit dem Dav zu unterstreichen versuchte, wie wichtig er sei und welch genialer Banker mir gerade die Ehre erwies, mich mit ihm unterhalten zu dürfen. Ich sparte mir den Spaß detaillierter Nachfragen um ihm nicht den Abend zu vermiesen. Nicht zuletzt weil mir, nach intensiven überlegen, eingefallen ist, woher ich Dav kannte.
Einmal im Monat besuche ich mit einem oder mehreren Freunden das Cinestar im Petersbogen und schon öfter ist mir ein etwas pummeliger, bebrillter Kartenverkäufer aufgefallen, der recht wortkarg seinen Dienst verrichtet. Seltsamer weise erkannte ich auffallend viele Gemeinsamkeiten zwischen meinem, in Selbstherrlichkeit badenden Gesprächspartner und diesem Kartendealer. Beide trugen eine Sehhilfe, beide sind zu klein für ihr Gewicht, sie haben beide den gleichen Modegeschmack und Mr. Investment und Herr Kinokasse haben den gleichen Vornamen. Mit dieser Erkenntnis zog ich mein Schlussplädoyer zum Abend im Leipziger Nummer 1 Club.
Wer auf elektronische Tanzmusik steht, sich überteuerte Drinks mit magerem Service in oberflächlichem Ambiente leisten mag und keinen höheren Konversationsanspruch an den Abend und seine Gesprächspartner hat, ist dort gut aufgehoben. Wem die glänzende Hülle wichtiger ist, als der Inhalt, wird in der nähe des Marktes einen angenehmen Abend mit einer Menge an gleichgesinnten Verbringen können.
In Spizzkeller, Nightfever oder Moritzbastei gibt’s genau so viel Spaß, nur weniger bis gar nicht krampfhaft auf chicki micki gepimpt.
Getreu dem Motto „Geld macht sexy“ soll es auch dem gealterten, verfetten Herrn gestattet sein, den zweiten oder dritten Frühling durchleben zu dürfen.