Bisher trug ich mich der Meinung, das nicht schlimmer sein als die gute Laune anderer Leute am Morgen nach einer durchzechten oder wie in meinem Fall sehr schlafarmen Nacht. Es gibt etwas deutlich Schlimmeres : Viele Kinder, egal welcher Laune. Da ich kaum geschlafen hatte, erhob ich mich missmutig von meinem Ruhestein, massierte die wundgelegenen Körperstellen um wenigstens die restlichen Nervenbahnen wieder mit Blut zu versorgen und schlappte zum Männerduschraum. Nahezu alle Anstaltsinsassen schliefen noch, den nach der späten Nachtruhe und dem aufregenden Tag war 5:53 Uhr einfach zu früh für die meisten Kinder. Ich schaute in den Spiegel als der Morgen graute, mir graute auch, viel kühles Duschwasser brachte meinen, recht betagten Kreislauf in Schwung und es gelang mir tatsächlich vor allen Anderen meine Morgentoilette, den Bettenbau und der Schuhputz abzuschließen. Der Tag kann kommen, dacht ich mir, während ich die Geschenke für unsere sanfte Lehrerin bereitlegte. Ja, sie hatte heute Geburtstag und viele der sonst, aus meiner Sicht, unerträglichen Terroristen hatten ein Präsent vorbereitet. Langsam begannen die Techniker den Start der Protonrakete vorzubereiten… stetig stieg der Geräuschpegel im Haus von Mucksmäuschenstill über Theatergemurmel auf Düsentriebwerksniveau an und erreichte gegen siebenuhrdreißig seinen Höhepunkt. Das Getöse hatte nun alle Langschläfer geweckt und jeder der unzähligen Minions begann auf seine Art und Weise mit dem Tag. Manche wuschen sich und putzten Zähne, andere Nehmen ein erstes Milkafrühstück in Form einer 300g Trauben-Nuss, einige spielten Starwars mit angeschlepptem Zubehör. Unsere Klassenlehrerin inspizierte die Räume ihrer Schützlinge mit dem ihr eigenen sanften Lächeln, welches heute besonders relaxt schien. Ein Umstand den ich ihrem Geburtstag zuschrieb. Dieser war auch der Grund, warum sie mehrmals an diesem Morgen mit einem lauthals dahingequäktem „Häbbie Börsdee Duu Juu“ überschüttet wurde. Mir blieb verschlossen, warum man an seinem Geburtstag zur Klassenfahrt fährt, wo man diesen doch mit ausgesuchten Menschen verbringen könne. Ich bin zu alt für diesen Kram, dachte ich mir, während ich die Protonrakete im Frühstücksraum zur Contenance pfiff und der so Angenehme geräuschlose Moment durch das tausendste Geburtstaglied niedergestreckt wurde.
Der Vormittag war frei, den die geplante Kremserfahrt wurde Abgesagt, nach dem der Wagenbesitzer unerwartet verstorben war. Vermutlich hatten unzählige Kinderfahrten mit ebenso vielen „ich muss mal“, „wann sind wir endlich da“ und „ich hab Hunger“ den letzten Funken Lebenskraft genommen oder ihn in der Selbstmord getrieben. Sicherlich würde er es mir im Himmel berichten, sobald auch ich durch etlichen Minions vom Suizidberg gestoßen bin. Tischtennis, Liegestütze, Hasche, Rempeleien… der Vormittag war dich gespickt mit vielen kleinen Kurzweiligen Programmpunkten und so kam es für die Taliban ganz und gar unerwartet, als die Protonrakete in den Speiseraum gerufen wurde, um die mittägliche Raubtierfütterung beginnen zu lassen.
„Am Nachmittag wandern wir nach Schmannewitz ins Bauernmuseum“ verkündete unser sanfte Lehrerin und ich grübelte ob das so eine gute Idee war. Zum einen konnte ich mir ganz und gar nicht vorstellen, ob es derart sehenswerte Bauern gab, daß man sie ausstellen konnte, andererseits taten mir die armen Bauern leid, die Wochentags von 9 bis 17 Uhr in einem Museum herumstehen mussten. „Zwölfuhrdreißig ist Abmarsch, denn die andere Gruppe war am Vortag über 90 Minuten dorthin unterwegs und wir wollen heute ja pünktlich ankommen“… war das die Herrausvorderung an mich oder nur so dahingesagt? Wie auch immer! Halb eins stand die 3a in Dreierreihe am Lagerausgang und wurde, fast im Gleichschritt von mir auf das 4200 Meter entfernte Ziel geschickt. „90 Minuten… das schaffen wir doch viel besser“ spornte ich die kleinen Seals an. Von der Geradlinigkeit meiner fast militärisch anmutenden Anweisungen begeistert, sangen wir sogar Marschlieder… mehr oder weniger zumindest….
Das Westerwaldlied scheiterte an Textsicherheit der Kinder, Alle meine Entchen passte nicht zum Schrittakt. Wir einigten und recht bald auf „aus den blauen Bergen kommen wir“ und ich erntete mit immer neuen Strophen, die Google mir aufs iPhone übermittelte, die Begeisterung der Kinder. Ein kleiner Strolch aus dem Zimmer meines Sohnes, den ich bereits als typischen Mitleidfarmer identifiziert hatte, verfiel erneut in diesen Modus. Mit „ich kann fast gar nicht mehr“ oder „nie darf ich ganz vorne Mitlaufen“ versuchte er sich durch erschnurrtes, grundloses Mitleid, einen Vorteil zu verschaffen (lG an Netti). Ich überlegt kurz ob es nützlich wäre, dem Zwerg Mitleid zu schenken, nachdem ich ihn „aus Versehen“ in einen Teich geschubbst habe, verwarf diesen Gedanken aber. Der kleine Kniebeißer, der fast ständig mit der Kapuze auf dem Kopf rumlief, war ja auch nur das Produkt, der Erziehung seiner Eltern. Die Kapuze trug er, weil alle Sithlord so was tun. Nun gut, dachte ich mir, versuch ich es mal mit der Macht. „wenn jemand in Meister Kenobis Team Kapuze tragen soll, dann sage ich das, den ich bin Meister Kenobi!“ Profunde Kenntnisse über das Starwarsuniversum sicherten mir schlagartig den Respekt des jungen Padawan und er folgte fortan willig meinen Anweisungen. Das machte ihn nicht erträglicher und so entschied ich mich, ihm die Aufgabe eines Scout nahezulegen. Mit etwas Spannung erklärt und die Wichtigkeit eines solchen Handels überzogen dargestellt, seppelte der junge Jediritter geschäzte 250 Meter vor dem Rest der Gruppe her, um uns vor nahenden Angriffen der imperialen Clonkrieger zu warnen.
Nach 74 Minuten Orientierungmarsch, 20 Lehrerfeindlichen Liederstrophen und mind. Drei vereitelten imperialen Angriffen, stand die Klasse 3a vor dem Gehöft, welches ein Bauernmuseum beinhalten sollte. Ein prima Zeit lobte ich die Achtjährigen und drängte sie Flüssigkeit und Nahrung zu sich zu nehmen. Zugegeben, ich hätte mich genauer ausdrücken können. CokaCola und Milkaschokolade war nicht das was ich für die passende Stärkung hielt, aber unsere kleinen Marathonläufer kamen augenscheinlich gut damit zurecht.
Nach dem das Finanzielle mit der Oberbäuerin geklärt war, begann die Führung. Es waren keine Bauern ausgestellt, aber sehr kindertauglich erklärt, wozu Bauern nütze sind und was sie so alles machen. Bauer im Wandel der Jahrzehnte, Technik um 1900 bis fast heute wurde unseren Stadtprimaten gelehrt. Manche Erkenntnis über ländliche Tätigkeit, Getreidearten und Agrarprodukte sicherte den pädagogisch wertvollen Teil unseres Trips ins Schmannewitzer Paralleluniversum. Nachdem wir uns antike Pflüge, Eggen, Saftpressen, Kartoffelwaschmaschinen und Kuhställe angesehen hat sowie einen Werbefilm über das bevorstehende Bauernfest, traten wir den Rückweg an. Es war 15:30 Uhr und somit reichlich Zeit, den dorfeigenen Eissalon zu erobern. 13 € aus der Klassenkasse sicherten jedem der kleinen Fruchteiszwerge einen kalten Snack in Waffel. Etwas abseits des Eiscafés, gleich beim ortseigenen Bach, ließen wir uns auf eine Wiese nieder. Erst lümmelten die erschöpften Krieger auf der Wiese rum und vertilgten ihren Imbiss. Mit der Zeit wurde das Bächlein, das kaum breiter war, als ein sechzigjähriger pinkeln kann, von den Rabaukenoberhäuptern zum „Reißenden Strom des Todes“ erklärt und nur die mutigsten der Mutigen würden es wagen ihn zu überspringen. Das ließ natürlich keiner auf sich sitzen. Nacheinander traten alle vorpubertären Basejumper an, den Todessprumg zu wagen. Ich überlegte mir, ob ich die wie gewohnt sanft zu Vorsicht mahnende Klassenlehrerin zu einer „wer fällt als erstes rein Wette“ anstiften sollte, als sich der Gedanke durch ein, vom Bach tönendes Flatsch, gepaart mit lautem „5ch€i?e“ und dem Gelächter einiger Kinder, in Luft auflöste. Allen Hinweisen zum trotz, hatte es eines der Minions gewagt, Knöcheltief im „schwarzen Schleim des Todes“ zu landen und schritt nun mit einem deutlich hörbarem Schmatzen im linken Schuh zu mir. „Verletzte?“ fragt ich und freute mich über ein deutliches „Nein“, den es nahm unseren beiden erwachsenen Begleiterinnen die gut sichtbaren Sorgenfalten aus der Stirn. Jonny Depp, wie ihn die Kinder auf Grund seines richtigen Namens nannten, ging es gut. Er zog es vor die schlammgeträngte Socke auszuziehen und barfuß im durchnässten Schuh heimwärts zu schmatzen. „Er kann ja hier warten bis er trocken ist!“ Der kleine Nerventöter riss mich aus meinen Gedanken. Er hatte seine Kapuze wieder über den Kopf gezogen und wartete umring von einigen Jungen auf meine Zustimmung. Auch die Erklärung der anwesenden Mama, das so etwas Unfug sei, brachte die Minions nicht von ihrer Meinung ab. Es war also an mir, die Situation zu retten. Es wäre ein leichtes gewesen, den Rackern die Anweisung zum Rückmarsch zu geben und ihre Meinung zu übergehen. Ich entschied mich anders. „Wir NAVI-Seals lassen keinen unserer Männer zurück, egal ob er gefangen wird oder verwundet ist! Ist das klar Männer?“ Die Augen der Jungs leuchteten auf, einer rief „Sir, yes Sir“ und fragte mich „wie ist ihr Plan General?“ Schnell waren die Aufgaben verteilt, zwei Scouts sicherten den Rückzug, drei weitere Sealsrekruten übernahmen das abwechselnde Tragen von Jonny´s Rucksack, einer mimte den Verbindungsmeister zwischen allen wichtigen Personen unserer Gruppe, zwei sicherten den rückwärtigen Raum. Ganz tief unten in meinen Erinnerungen an die Bundeswehr, hatte ich ein paar wichtig klingende Bezeichnungen verwendet und jeder glaubte, ohne seinen vollen Einsatz würde das Unternehmen „wir retten Jonny Depp vor dem schwatzen Todesschlamm“ scheitern. Ein Mädchen der Klasse, die sich ohnehin schon am besten mit unserer zu rettenden Zielperson verstand, bot sich spontan als Sanitäterin an. Das Team war gebrieft, jeder hatte seine Aufgabe und in sagenhaften 70 Minuten erreichten wir das rettende Basislager, wo es Essen, Getränke und Duschen gab. Meine kleinen Seals waren klasse! Wirklich! Keine imperialen Clone konnten uns etwas anhaben, wilde Tiere und Waldmonster wurden von den Scouts erkannt, von den Navigatoren umgangen oder von der Taskforce in die Flucht geschlagen und es gelang meinen Helden sogar zusätzlichen Ballast ( die Erwachsenen ) zu retten. Es war schon ein sehr erhebendes Gefühl im Jungszimmer zu stehen und aus TopGun zu zitieren… „Ihr seid die Besten der Besten! Ihr seid die Elite“ Meine 14 kleinen Seals platzten vor stolz und beim Abendbrot war der Start der Protonrakete irgendwie erträglicher als sonst. Nach Einbruch der Nacht war Lagerfeuer mit Knüppelkuchen.
Einige Kinder, die zuverlässigsten, wie mir versichert wurde, durften eine Sonderaufgabe übernehmen. Die andere Klasse hatte heute ihre Ruinenführung und wir sollten den Monsterteil übernehmen und sie zu Tode erschrecken. Viertel Zehn bezogen vier Jungs, fünf Mädchen, unsere Klassenlehrerin und ich den dunkelsten Teil des Weges zwischen Schlossruine und Herberge. Das Jungsteam unter meiner Leitung hatte die Aufgabe den Feind, wie die 3b kurzerhand von mir tituliert wurde, zu zermürben. Die Köpfe tief ins wegnahe Feld gepresst, verunsicherten wir den Gegner mit allerlei Wildtiergeräuschen. Mit Wildscheingrunzen, Kojotenheulen, Maulwurfscharren, Amselpfeifen und ähnlich gruseligen Geräuschen zogen wir die Konzentration des Gegners auf uns. Abgelenkt durch die bedrohliche Akustik gingen unsere erklärten Todfeinde in die Falle. Während alle mit Ihren Taschenlampen wieder und wieder über das Feld leuchteten um sicher zu gehen das ihnen keine Eichhörnchen des Todes, oder ähnliches grausliches Getier folgte, vergasen die Kinder die nahen Sträucher abzuleuchten. Dort lauerten unsere Mädels, die mit wahrhaft Ohrenbetäubenden Gekreische und Geschrei aus dem Unterholz schossen und die Klasse 3b vollends aufrieben. Es klang, als gäbe es 50% Rabatt auf alle Manolo Blahnik Schuhe! Die Kinder stoben auseinander wie eine Mehlstaubverpuffung und Chaos brach in der 3b aus. Es dauerte geraume Zeit bis wieder halbwegs Struktur zu erkennen war. Sonst ehr vorlaute Jungs weinten wie ihre 4jährigen Schwestern, Mädchen hielten sich mit angsterfüllten Augen zitternd bei den Händen, je größer die Klappe war, desto näher war das Kind am unkontrollierbaren Wasserlassen. Ein gelungener Einsatz der 3a-Seals, wie uns die schnell einkehrende Ruhe in der Herberge erkennen ließ. Auch heute gönnten sich die erwachsenen größtenteils einen trockenen Roten vor der Nachtruhe, denn unsere Klassenlehrerin hatte ja immer noch Geburtstag und ein wenig wollten wir ja auch das normal feiern! Kurz nach eins erklomm ich meinen Schlafstein, von der trügerischen Hoffnung getrieben, diese Nacht erholsamen Schlaf zu finden!
Das große Krabbeln…
Vor einem Jahr war die Welt gut zu mir, meine Kinder pflegeleicht, meine Freizeit reichlich bemessen und die darin zu verrichtenden Tätigkeiten überschaubar.Diese Umstände und das freundliche Lächeln unserer Klassenlehrerin, gepaart mit einem Fußtritt meiner Banknachbarin ließen mich einwilligen, als Begleitperson der Klassenfahrt der Klassen 3 a-c beizustehen. Das es ehr um ein Überstehen geht, war mir…von freudigen Erinnerungen an meine Klassenfahrten benebelt… nicht klar.
Die beste Ehefrau von allen motivierte und bestärkte mich zu freiwilliger Meldung. Im Nachhinein ist mir klar, sie wollte Ihre Babys unter Beobachtung wissen, mit Hilfsbereitschaft dem Klassenkollektiv gegenüber, hatte das wenig zu tun. Wie auch immer, letzten Mittwoch gegen 8:30 Uhr stand ich umringt von ca. eine Million tobender schreiender Knirpse auf dem Hof der Geschwister-Scholl-Grundschule und bereute wieder einmal bitterlich, auf die beste Ehefrau von allen gehört zu haben. Doch das freundlich Lächeln unserer Klassenlehrerin und die bevorstehenden 3 Tage Baustellenpause ließen mich Mut und Kraft schöpfen. Schnell sortierten sich die Gruppen zusammen, Kinder und Eltern die sich kannten bildeten Grüppchen, Väter freuten sich auf drei freie Tage mit ihren Frauen, Mütter freuten sich auf Freitag, den Tag der Rückkehr. Worauf sich die Wänster freuten, blieb mir im Detail verborgen. Da es sich um Klassenstufe drei handelt, mutmaßte ich, der Alkohol und Zigarettenkonsum würde sich in Grenzen halten und auf die nächtlichen Orgien wären überschaubar in Menge und Ausmaß.
T minus 30 Minuten: „Der Bus kommt…“ Ein kurzer Moment der Ruhe weht über den Schulhof. Wie beim Start einer russischen Trägerrakete des Typs Proton, war es eine Sekunde lang still, bevor Ohrenbetäubender Donner die Massen in Bewegung brachte. Erst ganz langsam und dann immer gewaltiger drängten die Kinder zum kleinen Hoftor und rissen alles mit was sich in den Weg stellte. Eltern, Lehrer… mich. Irgendwo hatte ich mal gelesen, wer von einer Lawine erfasst würde, sollte auf ihr mitschwimmen… Ich schnappte meine Reisetasche und glitt auf einem donnernden Schwall Kinder zum Bus.
T minus 15 Minuten: Die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt lassen sich recht einfach beschreiben: Alle Kinder in den Bus, etliche Mamas hinterher, Mamas raus, einige Kinder heulen drinnen, einige Mamas draußen, Väter belehren ihre Söhne, Söhne ignorieren Ihre Väter. Die Kinder bekommen das übliche „sei fein lieb“ und das „höre was der Lehrer sagt“ mit auf den Weg gegeben. Die ersten Krabbler sind in ihren Sitzen versunken und geben sich einem Comic oder ihrem iPod hin, andere tauschen ihre Lego® Starwars© Karten, ein oder zwei sind eingenickt weil sie vor Aufregung über die erste Klassenfahrt nur wenig geschlafen haben.
T minus 3 Minuten: Hinter dem Fahrer sitzt ein kleines Mäuschen und schaut recht traurig drein…sie ist seit 10 Tagen die Neue in der Klasse, niemand wollte neben ihr sitzen… Mama und Oma stehen draußen neben dem Fenster und bestärken sie beim Traurig sein durch recht nutzloses gemeinsames Heulen. Unsere Klassenlehrerin setzt sich zu ihr und baut sie mit ein paar kuschelig motivierenden Worten wieder auf. Ich hab sie auch gehört und schöpfe wieder Mut für die kommenden 3 Tage.
T minus 1 Minute: Der Busfahrer startet den Motor, die Türen werden verriegelt, die beiden im Bus befindlichen Lehrerinnen zählen ob ausreichend Kindez dabei sind, mit einem schnellen Blick in die Spiegel versichert sich unser Pilot, das sich keine Mama draußen am Bus festgebissen hat… erste Gang…. Lift off…. 55 Stunden Wahnsinn starten.
Nach einer überraschend ereignislosen Fahrt erreichen wir das Basislager in Dahlen. Während sich die Organisatoren der Anmeldeprozedur hingaben, versammelten sich die ca. 70 Kinder samt deren Gepäck auf der Eingangstreppe zur Jugendherberge… zumindest versuchten alle auf die 3×4 Meter große Treppe zu klettern. Tumult, Chaos, Quetschungen, Tod oder schlimmeres drohten sich an und ließen sich auch von dem liebevoll in die Massen gehauchtem „Vorsichtig Kinder, passt auf“ nicht abwenden.
Mein Einsatz schien gekommen. Ich trat meine Zigarette aus, die ich blickgeschützt hinter dem Bus geraucht hatte. Meine Reisetasche geschultert, stellte ich mich Mittig vor die Treppe, formte Daumen und Zeigefinger zum Ring und Pfiff auf diesem mit aller Kraft. Was bei meinem Kinderchen seit Anbeginn ihrer Zeit funktioniert, sollte doch auch hier klappen. 4 Kilohertz mit 113 Dezibel pressten sich erbarmungslos über jedes Geschrei und jeden Ipod in die Ohren aller Anwesenden und verliehen dem anschließendem „runter da und alle in eine Reihe stellen“ so extrem Nachdruck, das aller Treppenstürmer sofort die Empore verließen, auch die Erwachsenen. Irgendwo aus dem langsam aufkeimenden Gemurmel vernahm ich eine Lehrerin zu sagen „gut das ein Mann ist, der sich durchsetzen kann“… sie kennt mich scheinbar nicht näher.
Nach dem Check In wurden Zimmernummer preisgegeben und die Gruppen stürmten lauthals die Basis. Ich hatte Zimmer 5, eine Einzelzelle moderner Bauart. Bett, Schrank, Tisch, Stuhl und ein Waschbecken. Die Bettwäsche hatte ich mir auf dem Weg zum Zimmer mitgenommen und nach 10 Minuten war mein Schrank gefüllt und mein Bett vorschriftsmäßig bezogen und rechtwinklig gefaltet…. Nun durchschritt ich die Jungszimmer der 3a um den gleichen Zustand vorzufinden, was mir natürlich nicht gelang. Einige der Racker hatten gar nicht vor in Bettwäsche zu übernachten, andere haben sich bei dem Versuch ihr Bett zu beziehen, in ein Bettlackengespenst verwandelt. Mit 3x vormachen und einigen Tips konnte ich die Situation ins Loot bringen. Das freundliche Lächeln unserer Klassenlehrerin zeigt mir, das meine Methode die Jungs an ihr Ziel zu führen, wohl doch nicht allzu sehr mit ihren Vorstellungen kollidierte. Die Zimmer hatten sich Teamnamen ausgesucht.. die Starken und die Kohlköpfe, die sie dreifach und lauthals nach meinem „wer seid ihr?“ durch das Haus riefen… Es klang wohl ein bisschen wie bei der Armee, aber meine beiden Sealteams hatten sichtlich Spass dabei. Kasim, ein Junge aus Max´ Zimmer flüsterte meinem Spross zu „Dein Papa ist richtig cool“ Das ging runter wie Öl und bestärkte meine durch 70 Kinderstimmen ins wanken geratene Selbstsicherheit. Schließlich entgeht Kindern kein Fehler oder Missgeschick und das wollte ich ja vermeiden.
Um 12 Uhr sollte es Mittag geben und danach ist eine Försterwanderung geplant.
Mittagessen… Raubtierfütterung traf es ehr. Blöd, das die Essensausgeberinnen die Geschwindigkeit eine hüftkranken Schildkröte zeigten und sich der Fütterungsvorgang doch sehr in die Länge zog. Den Ohrenbetäubenden Lärm der Protonrakete beendete mein Pfeifton und kaum 30 Minuten später konnten auch die Erwachsenen hastig etwas nahrhaftes in sich hineinschlingen. Seit der Klassenfahrt trage ich mich mit dem Wunsch, Magengeschwüre als typische Berufskrankheit des Erziehungswesen zu bezeichnen. Die Försterwanderung sollte mich den verschiedenen Kindercharakteren der 3 a näher bringen. Wie in allen anderen Schulklassen auch vertreten, zeigten sich recht schnell die Vertretenen Gattungen: Labertasche, Mitleidfarmer, Verzogenes Balg, Mauerblümchen, Mitläufer, Bummeltriene u.v.m.
Ich glaube es war J.W.Goethe, der mal sagte „man muss Kinder nicht erziehen, sie machen sowieso alles nach.“ Ich kann mir zwar immer noch nicht vorstellen, wer seinem Kind gelehrt hat, Tiere zu töten, aber ein paar Zornige Worte des Försters und eine strenge Disziplinarmaßnahme unserer sonst so sanften Klassenlehrerin verhinderten schlimmeres und so ließ nur ein Mistkäfer sein Leben und eine Nacktschnecke kam mit dem Schrecken davon. Weitere Vorfälle geistiger Umnachtung bezogen sich nur noch auf Wortwahl oder Missachtung von Anweisungen. Alles in allem ein sehr schöner und aufschlussreicher Nachmittag, der in einer abendlichen Raubtierfütterung enden sollte.
Danach ging es zum Schloss Dahlen. Besichtigung mit anschließender Nachtwanderung stand auf dem Plan. Beim Abendbrot gab nicht mehr Grund zu klagen, als bei allen anderen Mahlzeiten davor und danach… kaum Verletzte, wenig Blut.
Zum Abmarsch ins Schloss versammelten sich alle frisch gefütterten Quälgeister vor dem Landheim und spielten erwartungsvoll mit ihren Taschenlampen. Kurz nach dem Verlassen des Basislagers verließ unsere Klassenlehrerin den kürzesten Weg zum Schloss, um den Konvoi über einen Feldweg durch einen kleinen Park zu führen. Der Park gehörte zu der Ruine die sich in Machern Schloss nannte und hatte einen deutlich besseren Zustand als selbige. Er war intakt. Drei kleine Teiche säumten unseren Weg, in einem war ein Springbrunnen platziert, der im Gegensatz zu unseren Kindern leise und friedlich vor sich hin sprudelte. Eine Ente suchte das weite, als ein faustgroßer Stein unseren Sauhaufen verließ und in ihre Richtung flog. Es gelang mir nicht den Werfer auszumachen, so zogen wir weiter. Das Schloss, vielmehr dessen Überreste wirkte wie ein überdimensionaler Klotz, der von unten durch eine grüne Betonplatte geschossen wurde. Anfang der 70´er Jahre abgebrannt, vegetiert es seinem endgültigen Verfall entgegen. Ein paar Eingeborene zögern mit Hilfe von Sponsorengeldern den unvermeidlichen Witterungstod hinaus. Ein Paar dieser Leute empfingen uns am Eingang, trennten die Gruppe in zwei Teile und begannen die Führung durch die Schlossruine. Mehr oder weniger wissenswerte und reichlich langweilig uninteressante Schlossgeschichte wurde uns vorgetragen. Unser Dungeonkeeper fügte ab und an so überzeugend zeitgeschichtliche Verknüpfungen ein, das ich es im nachhinein für eine reife Leistung hielt, während meines letzten Schuljahres ein Verhältnis mit der Tochter meiner Geschichtslehrerin zu haben…nur um mir die Geschichtsprüfung zu ersparen.
Ich kapierte rein gar nichts und den Kindern ging es genau so wie mir. Es hatte den Anschein, als würde uns jemand die Bedienungsanleitung eines russischen Kernspintomographen auf Aramäisch vortragen. Der Bau hatte nichts Ansehnliches mehr und auch eine Folterkammer gab es nicht zu besichtigen. Endlich ging es heimwärts, die Nachtwanderung stand bevor. Eine der Lehrerinnen hatte deutlich mehr Angst als die Kinder und schlug vor, die befestigte Straße für den Heimweg zu wählen. Viele traurige kleine Gesichte und scheinbar umsonst mitgebrauchte Taschenlampen trieben mich dazu, den Feldweg durch den Park als einzig brauchbare Möglichkeit zu vertreten. Wir machten uns auf den Feldweg. Ängstlich Blicke, mit lauter Stimme überspielte Unsicherheit und Sorgenfalten waren deutlich erkennbare Zeichen in den Gesichtern der Pädagoginnen, als wir den Waldweg beschritten. Da keine Gespenster und Monster gebucht waren, kamen auch keine und wir erreichten die Herberge kaum 40 Minuten später. Der rumorende Haufen wurde zur Nachtruhe abkommandiert. Nach einigen lauten Worten meinerseits und der Androhung von nächtlichem Sport kehrte Ruhe in Bootcamp ein. „Wer nicht in 5 Minuten bettfertig ist, macht mit mir vorm Huas Liegestütze bis ich nicht mehr kann“… diesen Satz ließ ich in allen, mir anvertrauten Zimmern wirken. Die meisten der Geister hatten mich Nachmittags an der Tischtennisplatte beim liegestützen mit meinem Sohn gesehen und ahnten das ich a) ernst machen und b) lange durchhalten würde. In Max´s Zimmer ergänzte mein Lieblingssohn „oh oh, dann schlafen wir lieber, Papa kann echt viele Liegestütze, heute Nachmittag hat er mit mir 40 gemacht.“ Endlich war Ruhe und ich konnte den Schmerz in den Armen mit Rotwein betäuben, bevor ich meinen frisch bezogenen Schlafstein benutzen konnte. Ich verwende Schaumgummimatratzen, das schein aber bei Jugendherbergen unüblich. Der Wein ließ mich auch das ertragen. Der Schlaf war nötig und wichtig…Tag 2 war ja schon angebrochen…..
Anton Hynkel „wir müssen sofort in Osterlitzsch einfallen“
Am Dienstag war es mal wieder soweit. Eine, mit etwas Glück, Schweiß und die Unterstützung meiner Partner erarbeitete Schulungs- und Erholungsreise wollte angetreten werden. Zehn Tage Burgenland…
Die kürzeste Strecke dorthin führt über Dresden, Prag, Brünn, Bratislava.. 674 Kilometer Anreiseweg, 2 % Landstraße, der Rest Autobahn. Die Art der Prozentrechnung sei hier kurz genauer erklärt.
Meine Rechnung : 660 km Autobahn + Rauch-& Tankpause + Landstraße = 7 Stunden
Sylvias Rechnung: 660 km Autobahn + Rauch-& Tankpause + Landstraße = 12 Stunden
Für mich ist Mathematik etwas logikbasierendes, weshalb ich nicht verstehe, wie die beste Ehefrau von allen zu diesem Ergebnis gekommen ist.
Die meiste Zeit lenke ich den Familieneigenen Leopard2Kampfpanzer, zwischen Praha und Brno löste mich Sylvia für knapp 100 km ab… Reisedauer 7 h 25 min… es hätte mich fast den Führerschein gekostet, die Zeit zu halten, aber die fast 1,5 Stunden die meine Göttergattin die Reisegeschwindigkeit regelte, mussten ja reingespielt werden.
Nicht desto trotz, gönnte ich mir ab und an einen kleinen Spaß. Bei unserem letzten Trip spuckte der Bordcomputer mit dem BMW typischen Dingding eine Fehlermeldung der Einspritzanlage aus… ein Umstand, der etwas Panik bei meiner Liebsten verursachte, sich aber, dank des besten Schraubers von allen schnell klärte. Dieses Mal war gar nichts kaputt… aber wenn mein Schatz eingeschlummert ist und ich während der Fahrt das Gurtschloß öffne, ertönt aus dem Bordcomputer ein sanftes Dingding, welches herrlich anzusehende Reaktionen bei der schreckhaft erwachenden Ehefrau verursacht…ich hatte Spaß und die nächsten 80 Minuten auf keinen Gesprächspartner. Man kann nicht alles haben. Unsere geliebten Kinder haben wir per Flug nach Osterlitzsch versendet, das macht die Fahrt als solche und die Reisedauer erträglich und nahm der besten Ehefrau von Allen die Möglichkeit, mich bei der Benutzung des Gaspedals zu kritisieren.
Das Feriendorf liegt unweit vom Neudiedler See, direkt an der Ungarischen Grenze. Die Position lässt mich immer wieder vermuten, das der Ort im Jahr 1988/89 entstanden ist, dort wo die politischen Flüchtlinge über die Zonengrenze ins imperialistische Ausland gerobbt sind.
Heute zeigt sie das Örtchen als 5Sterne Hotelanlage. Sehr Detailverliebt und Luxuriös, ich glaube hier hat jeder Baum seinen eigenen Gärtner und jedes Handtuch sein eigenes Zimmermädchen. Ich bin Gast in dieser Anlage… seht es mir nach, das ich hier also nichts erwähnen werde, was mein Zynikerauge also würdig entdeckt hat.
Die Geschichten und Erlebnisse die mir meine Familie liefert, sowie der ein oder andere Gast sowie das Personal, sollen für die kommenden Tage genügen Stoff bieten.
Der Ankunftstag war voll bestückt mit kleinen und größeren Anreisemodalitäten, Begrüßungsimbiss in den Bauch stopfen, Wochenplan ausarbeiten, Fahrräder abholen, Fahrräder umtauschen… ja Umtauschen. Max konnte es nicht verschmerzen, das sein gewähltes Fahrrad Lila/Pink coloriert war und ein anderer Junge die gleiche Bauart in rot/blau um die Gäste fuhr. Die Anreise fand ihren Abschluss als wir endlich, bei 28 Grad Luft- und 26 Grad Wassertemperatur, den hoteleigenen Badesee aufsuchten und zu 80 % in die Fluten stürzten. Vier von fünf Reisenden badeten, ich zog es vor, unter dem Schatten eines Sonnenschirms, andere Badegäste zu beobachten und mir gedankliche Anregungen zu sammeln… und es gab so viele davon!!
Spielende Kinder, die von ihren Übergewichtigen Müttern zu einer gesunden Mahlzeit genötigt werden, Cheeseburger mit Pommes und Cola.
Fußballbegeisterte Väter, die sich sichtlich bemühen, das frisch gezapfte Bier zu leeren um noch vor Ende der Werbepause ein neues zu ordern. Ich bin mir sicher, wir werden viel erleben, von dem ich berichten kann.
Eine Erkenntnis hab ich schon aus den Erfahrungen des ersten Tages. Wer jemals zu 5 ein Ferienhaus bucht… stellt sicher, dass 2 Toiletten da sind. Nichts ist schlimmer, als am Morgen der erste in der Dusche sein zu müssen und als letzter aufs Klo zu dürfen!
Die Zeit zwischen Frühstück und dem Beginn der Morgendlichen Veranstaltungen überbrückten meine beiden Lieblingskinder mit Fahrradrennen um den direkt vorm Haus gelegenen Kletterspielplatz.
Dieser Punkt wurde auch als erstes und wichtigstes Thema in meiner Schulung angesprochen. Mäxchen hatte einen neuen Rekord aufgestellt. Diese Tatsache alleine genügte der Geschäftsleitung und der anwesenden Führungsriege, die Tagesordnung um den Punkt „Helmpflicht für Kinder“ zu erweitern.
Mein Junior schaffte es in einer bisher nie da gewesenen Kürze, die Zeitspanne vom Fahrrad ausleihen bis zum ersten Totalschaden mit Schmerzschreien und blutigen Körperteilen zu überwinden. Beim Radrennen verlor er die Kontrolle über sein, in Schräglage driftendes rot/blaues Fahrrad und hinterließ auf dem asphaltierten Weg ca. 10 Meter Kratz- und Schleuderspur bevor er an einem, am Wegesrand liegenden, Findling ruckartig zum liegen kam. Ein lautes, in den Morgen gewimmertes Aauaahahaa weckte die Aufmerksamkeit aller Bewohner, der um den Spielplatz angeordneten 12 Häuser. Sofort eilten einige Väter und alle Mütter meinem Sproß sorgenvoll zu Hilfe.
Seine Mutter sprintete natürlich auch zu ihrem Mäxchen.
Hätte Usian Bolt, der Olympiasieger, meine Frau in diesem Moment rennen gesehen, er würde seine Goldmedaille für 100m zurückgeben und bitterlich weinen. Ich kenne meinen Sohn, ich kann unterscheiden ob er einen Mitleids- oder Schmerzschrei ausstößt und ich weiß: seit er Judoka ist, kann er fallen. Klang und Intensität des Aauaahahaa ließen mich auf leichte Schürfwunden schließen. Ich hatte Recht. Knie, Ellenbogen und Kinn besaßen jetzt weniger Hautstärke als die anderen Körperregionen. Der Blutverlust hielt sich in Grenzen und kann im Milliliterbereich angegeben werden. Ein scheinbar richtig ausgeführtes Mae-Ukemi (Fallübung vorwärts) sowie der, vorsorglich von meiner Gattin angelegte, Fahrradhelm verhinderten schlimmeres. Muttis Trost und eine dicke Portion Mitleid von Oma und Schwester, halfen meinem Lieblingssohn schnell wieder auf die Beine.
Meinem Sohn ist es also zu Verdanken, das der hoteleigene Konsum einen Umsatzanstieg in Fahrradschutzkleidung verzeichnete. Den Unterschied zwischen vorausdenkenden und mehrpreiszahlenden Eltern erkennt man nun an den fahrradfahrenden Kindern. Bunte lustige Helme oder blau mit Hotellogo…
Nach meiner Schulung treffen wir uns zum Mittag fassen und dann sammle ich neue Erlebnisse….
Taxi fahren war einmal…
Mercedes plant mit Nissan(Japan) diverse Modelle in Osteuropa zu produzieren.. so eine Art „polskyMercedes E350Z“ oder die Sondermodelle SLJ (SL Japanedition), SLKK (SLK Kasachisch) und ML ( M-Klasse Litauisch)
Bei den Osteuropäischen Bauformen ist die Wegfahrsperre mit jeder beliebigen Fernbedienung deaktivierbar und Fahrten mit eingerastetem Lenkradschloss aufpreisfrei.
Produktionsbedingte Fertigungstoleranzen zeigen sich nur selten… am auffälligsten beim Kraftstoff. Wo sonst SuperE10 an der Tankklappe stand, strahlt dem Tankwilligen jetzt ein „mind. Altöl – max Absolut Vodka“ entgegen. Gegen einen geringen Preisaufschlag wird bei diesen Modellen auch die Garantie verlängert:
50 € bis zum Hoftor des Händlers,
100 € bis 2500 km, max 2 Monate,
jeder weitere Monat / bzw je 1000 km weitere 100 € !
Die von Nissan in Japan entwickelten Modelle gibt es in vielen strahlenden Farben.
Den größten Nutzen dieser Japansymbiose gibt es für die klassischen DaimlerFahrer zum Nachrüsten.
Als Kasette bzw CD:
– mit Knack-, Knarr- und Klappergeräuschen für das Fernostfeeling oder
– mit Geräuschen wie Achsbruch, Getriebeschaden, Auspuffverlust als UdSSR-Edition
Alles in allem ein weiteres Zeichen der Globalisierung..
schließlich haben ja haben Bekannte von mir schon von einem DACIA LANDROVER geschwärmt und
mancheiner genießt die Verbindung von Volvotraktoren und Viagrapillen die unter dem Decknamen Maserati vertrieben wird.
Der Jahrmarkt der Eitelkeiten
Es ist nichts Unübliches, sich des Freitag Abends das Haupthaar zu stylen, restliches zu kürzen oder ganz zu entfernen und auf die Piste zu gehen. Als Verfechter des bequemen Schlabberlooks fällt es mir natürlich schwer mit der nötigen Achtung darüber zu berichten. Letzten Freitag zogen meine Freunde in den neuen „In-Club“ der Stadt, um sich auf besagtem Markt feil zu bieten oder die Auslagen zu betrachten. Grundsätzlich ist es ein gleichermaßen simples, wie nutzloses Unterfangen, mit immer gleichem Ablauf. Wenige Minuten bis Stunden im Bad und vorm Kleiderschrank verbringen, Transportmittelauswahl treffen, Mitfahrgelegenheiten abklären, Budget festlegen, vor glühen, anreisen, den Einlasser überstehen…
Den Teil vor dem Einlasser lasse ich unbeachtet, den habe ich mir erspart. Den Start in den Discoabend verbrachte ich in der Zigarre mit zwei Freunden. Dort wo die Kellnerinnen freundlich sind, einen kleinen Plausch mit ihren Gästen halten und trotzdem ihrer Tätigkeit mit Fleiß nachgehen, lässt sich ein solcher Abend gut beginnen.
Warum ich das so explizit niederschreibe? Nun, es gibt auch Bar´s in meiner Stammkneipenauswahl, in denen manche Mitarbeiterin mehr Wegstrecke mit leeren Händen zurücklegt als mit gefüllten, in denen für „den netten Plausch“ mehr als 50 % der Arbeitszeit verdattelt werden, während andere Gäste bei überfüllten Aschenbechern unsäglich lange auf eine einfache Faßbrause warten… Es gibt Kaffee´s da ist Kunde König… und manchmal ist der Kellner, in diesem Falle die Kellnerin, eben Kaiser(in)… Frau Kaiser eben.
Wie auch immer, nach einem schnell gebrachten und langsam genossenen Latte Macchiato, ging es von der Zigarre in Richtung Marktplatz. Dort wo sich dann riesige Aufblaskopfhörer im Stil einer IKEA-Kinderhüpfburg mit einem roten Teppich kreuzen, geht es in „den neuen Club“. Dieser Schuppen ist ein nüchtern eingerichteter Laden, welcher Tagsüber auch prima als Empfangsbereich einer Nervenheilanstalt dienen könnte. Eine Zweietagige Hopsbude. Im unteren Bereich eine Tanzfläche, welche kleiner kaum sein kann und ein VIP Bereich der den primären Zweck des Ladens selbst dem ungeübten Betrachter offenbart: Komm her, bring Geld mit, lass es hier und verschwinde wieder.
Mit der Gemütlichkeit des Mitropa-Wartebereichs und dem Charme der Krostitzer Bushaltestelle, lädt er weder zum Verweilen noch zum Wohlfühlen ein. Das ist ja auch gar nicht der bereits erwähnte Sinn. Jedem der Gäste scheint dies von Anfang an klar zu sein und sollte jemand noch unschlüssig gewesen sein, war es das Einlasspersonal, welches über jeden Zweifel erhaben war und deutlich untermauerte: Sein ist hier wertlos, der Schein ist das was Zählt. Mit verblüffender Deutlichkeit stellt die Dame das Einlassen dar, das es nicht notwendig ist, geputzte oder gar gepflegte Schuhe zu tragen. Mit gutem Beispiel trug sie Highheels mit abgestoßenen Spitzen und Absätzen, die deutlich erkennbare Edding-Reparaturen hinter sich hatten. Das Kostüm vom chinesischen Massenproduzenten passte sich harmonisch in die reichlich aufgetragene Menge an Make-Up ein. Einzig die dunkel gefärbten Haare stellten eine leichte Unwucht dar, hier wäre das natürliche Blond besser angebracht gewesen. Wenn man das Einlassteam als ganzes betrachtet, stellte dieses Mädchen das absolute Highlight dar. Ihre männlichen Kollegen trugen Anzüge des holländischen Designers VanDerStange oder des russischen Modezar „Iman Gebot“. Der Großteil der Jungs kam allem Anschein nach täglich zu Fuß zur Arbeit, zumindest verrieten das die geputzten, aber abgelaufenen Schuhe. Das gesparte Fahrgeld, hatten einige von ihnen seit längerem in Anabolika oder ähnliche Präparate investiert, Voltax war nicht dabei. Für diejenigen unter Euch die mit dem Wort nichts anzufangen wissen. Voltax steigert Gehirnfunktion und Merkfähigkeit z.B. bei Abitur oder Studium. Wie gesagt, das kannte dort keiner.
Das Beste was einem auf dem Weg nach drinnen geschah, war das Garderobenpärchen, welches mit ausgesuchter Freundlichkeit, Geduld und einer Vielzahl an Bitte und Danke den zahlungswilligen Gast seines schnöden Kälteschutzes erleichterte.
Die beiden Jungs an der Kasse, ein Duo Marke Berni und Erd, versäumten es nicht jeden Herren zu bitten seine Jacke abzugeben. Dabei wurde konsequent auch keine Ausnahme gemacht. Der Herr im Kleidungsstück aus englischem Tuch wurde, ebenso wie die Dame im maßgeschneiderten Mantel, zurück an die Garderobe geschickt… geben Sie mal ihre Jacke ab. Ein vorangestelltes Verzeihung oder gar ein Bitte im Satz erwartet scheinbar keiner, wozu auch, Du sollst Dein Geld in dem Laden lassen, Deine Erziehung kannst Du wieder mitnehmen. Trotz oder gerade wegen der harten Auswahl am Einlass, ist es ein besonderes Vergnügen, diesen Schuppen mal von Innen zu betrachten. Kaum drei Meter hinter den Gorillas erreicht man die erste Bar, zu groß um sie zu übersehen, zu klein um länger dort verweilen zu können. Genau richtig um das erste Begrüßungsgetränk erstehen zu müssen. Wer wie ich in den meisten Fällen ohne Alkohol durchs Leben geht, benötigt eine Weile, um in der Karte die eine alkoholfreie Seite zu finden, um sich dann doch für ein RB zu entscheiden. Wer etwas klamm in der Tasche ist, was hier natürlich keiner zugeben würde, trinkt am besten Bier, das ist am billigsten, weitaus günstiger als alkoholfreie Alternativen. Da diese Bar, wie auch die andern von mir besuchten, von Wodka und Moet-Flaschen gesäumt, genauso zum verweilen einlädt, wie eine Wurzelspitzenresektion beim Zahnarzt, zog ich weiter durch die Räumchen. Im Obergeschoß angekommen, erreichte ich die Raucherbar, oder vielmehr die Raucherlounge. Ebenfalls eine Bar, wie schon beschrieben. Klein, hässlich und überfüllt quetschte sie sich in einen Gang, der an Geräumigkeit einer ICE-Toilette in nichts nachstand. Es schien der einzige Ort zu sein, an dem der Nikotinsucht nachgegeben werden konnte. Auffällig war in diesem Abteil das Barpersonal, ein junger Man vom Typ Doktor Alban, der äußerst flink die ihm aufgetragenen Bestellungen bearbeitete und sich kaum bis gar nicht von den schönen Augen die auf ihn gerichtet waren, ablenken ließ. Seine Co-Stewardess, ein Wasserstoffblondiertes Rehäuglein, zeichnete sich im Gegensatz zum anderen weiblichen Bedienpersonal, durch Charme und Freundlichkeit aus. Sie sprach dialektfrei und deutlich, ihre Wortwahl ließ völlig überraschen auf ein erhöhtes Maß an Bildung schließen. Sie schaffte es auf beeindruckender Art und Weise, Fleiß, Dekolleté und Smalltalk miteinander zu kombinieren. Ich entschloss mich zu bleiben. Nach dem ich vom Personal, mit Ausnahme meiner Lieblingsbardame, das zu sehen bekam, was ich erwartet hatte, wendete ich mich den Gästen zu. Nein, ich werde keinen meiner anwesenden Freunde beschreiben, nur Personen die ich nie zuvor irgendwo gesehen habe, mit einer Ausnahme.
Um genau zu sein, reicht diese eine Person auch völlig aus um zu beschreiben welches Klientel den Club primär heimsucht. Derjenige, er sei hier der Verständigkeit halber, mal Dav genannt, zog meine Aufmerksamkeit auf sich als er die Bar erreichte. Ein helles kariertes Hemd mit zu engem Kragen fiel mir als erstes auf. Dieses karierte Prunkstück aus früheren Tagen war eindeutig zu klein. Eine Größe neununddreißig bei einem Hals der locker eine vierundvierzig benötigt hat um frei atmen zu können. Dieses modische Dilemma kaschierte Dave mit einem großen Krawattenknoten. An sich eine prima Idee, wäre da nicht die Tatsache unübersehbar gewesen, das selbst die Vorkriegsottomane meiner verstorbenen Großmutter ein zweifelsfrei schöneres und moderneres Muster ihr eigen nannte. Auch hier kam Dav dem oberflächlich prüfenden Blick des stillosen Einlasstrios zuvor und kaschierte den Anblick der toten Couch mit einem über Hemd und Krawatte getragenen hellbraunen Pullover. Dieser passte sich mühelos in das Ensemble ein, ohne das er durch das darüber getragene stahlgraue Jackett des Edeldesigners CANDA an Widerlichkeit verlor. Wie die meisten der Einlasser, musste auch Dav zu Fuß angereist sein, zumindest ließ der Zustand seine Kunstlederschuhe darauf schließen. Ins Gespräch mit ihm gekommen, folgte ich interessiert seinen Ausführungen über sein berufliches tun und rätselte geraume Zeit, woher ich diesen Jungen kannte. Dav erklärte mir lang und breit, er arbeitet bei der Dresdner Bank und sei dort so eine Art Investmentkonifere. Koryphäe halte ich für den falschen Begriff, da es ja schon lange keine Dreba in Leipzig gibt, die ist ja an die Commerzbank verkauft wurden. Wie auch immer, ich wurde mit kompliziert klingenden Fachbegriffen überhäuft. Optionsscheine, Derivate, Sicherungsoptionen, Aktien, Gewinnmitnahme, Verlustrisiko…
Finanzsuaheli, mit dem Dav zu unterstreichen versuchte, wie wichtig er sei und welch genialer Banker mir gerade die Ehre erwies, mich mit ihm unterhalten zu dürfen. Ich sparte mir den Spaß detaillierter Nachfragen um ihm nicht den Abend zu vermiesen. Nicht zuletzt weil mir, nach intensiven überlegen, eingefallen ist, woher ich Dav kannte.
Einmal im Monat besuche ich mit einem oder mehreren Freunden das Cinestar im Petersbogen und schon öfter ist mir ein etwas pummeliger, bebrillter Kartenverkäufer aufgefallen, der recht wortkarg seinen Dienst verrichtet. Seltsamer weise erkannte ich auffallend viele Gemeinsamkeiten zwischen meinem, in Selbstherrlichkeit badenden Gesprächspartner und diesem Kartendealer. Beide trugen eine Sehhilfe, beide sind zu klein für ihr Gewicht, sie haben beide den gleichen Modegeschmack und Mr. Investment und Herr Kinokasse haben den gleichen Vornamen. Mit dieser Erkenntnis zog ich mein Schlussplädoyer zum Abend im Leipziger Nummer 1 Club.
Wer auf elektronische Tanzmusik steht, sich überteuerte Drinks mit magerem Service in oberflächlichem Ambiente leisten mag und keinen höheren Konversationsanspruch an den Abend und seine Gesprächspartner hat, ist dort gut aufgehoben. Wem die glänzende Hülle wichtiger ist, als der Inhalt, wird in der nähe des Marktes einen angenehmen Abend mit einer Menge an gleichgesinnten Verbringen können.
In Spizzkeller, Nightfever oder Moritzbastei gibt’s genau so viel Spaß, nur weniger bis gar nicht krampfhaft auf chicki micki gepimpt.
Getreu dem Motto „Geld macht sexy“ soll es auch dem gealterten, verfetten Herrn gestattet sein, den zweiten oder dritten Frühling durchleben zu dürfen.
Die Geschichte vom Steuersystem
Es waren einmal zehn Freunde, die trafen sich
jeden Tag zum gemeinsamen Mittagessen in der
Dorfschenke ihres Dorfes.
Jeder von Ihnen bestellte für 10 Euro Essen und Trinken, so dass sich
die Zeche jedes Mal auf 100 Euro belief. Da jeder der zehn Freunde ganz ein ganz
unterschiedliches Einkommen hatte, d.h. von sehr knapp bis recht vermögend,
kamen sie überein, die Rechnung so aufzuteilen, wie es ihrer Steuerlast
entsprach:
- Die ersten Vier, die Ärmsten der zehn Freunde, bezahlten nichts
- Der Fünfte bezahlte 1 Euro
- Der Sechste 3 Euro
- Der Siebte 7 Euro
- Der Achte 12 Euro
- Der Neunte 18 Euro
- Der Zehnte, der Reichste von allen, bezahlte 59 Euro
So waren alle zufrieden und wenn nichts dazwischen gekommen wäre, so würden
sie noch heute in Eintracht in Ihrem Stammlokal speisen.
Eines Tages
aber, machte Ihnen der Wirt ein unwiderstehliches Angebot. Weil die zehn Freunde
doch seine Stammgäste seien, und er ganz gut über die Runden käme, brauchten sie
ab sofort 20 Euro weniger bezahlen.
Die tägliche Rechnung betrug somit
nur noch 80 Euro, welche die zehn weiterhin nach
bewährtem Muster aufteilen
wollten. Also rechneten sie aus, wie viel jeder nun weniger bezahlen müsste,
wieder ganz konform zu ihrer jeweiligen Steuerlast.
- Die ersten Vier bekamen nichts zurück, sie konnten wie bisher umsonst essen
- Der Fünfte bekam eine Ersparnis von 1 Euro und musste ebenfalls gar nichts
mehr bezahlen - Der Sechste bekam eine Ersparnis von 1 Euro und zahlte nun 2 statt 3 Euro
- Der Siebte hätte jetzt 5 statt 7 Euro, also 2 Euro weniger
- Der Achte bezahle jetzt 9 statt 12 Euro, also 3 Euro weniger
- Der Neunte musste nun 14 Euro statt wie bisher 18 Euro beisteuern, somit 4
Euro weniger - Und der Zehnte schließlich bezahle ab sofort nur noch 50 statt der
bisherigen 59 Euro, also 9 Euro weniger
Die neue Vereinbarung schien allen gerecht, fuhr doch jeder der sechs
Zahlenden besser als vor dem Preisnachlass. Dann aber, beim Verlassen des
Gasthauses regte sich ein allgemeines Misstrauen und die Freunde verglichen Ihre
Ersparnis:
- Die ersten Vier 0 Euro
- Der Fünfte 1 Euro
- Der Sechste 1 Euro
- Der Siebte 2 Euro
- Der Achte 3 Euro
- Der Neunte 4 Euro
- Der Zehnte 9 Euro
„Ich erhalte nur 1 Euro von den 20, er aber bekommt 9 Euro!“, murrte der
Sechste und zeigte dabei auf den zehnten Freund. „Stimmt.“ pflichtete der Fünfte
bei, „Auch ich fahre nur 1 Euro günstiger.“ „Das geht doch nicht an, dass er
neunmal mehr erhält als ich!“ „Genau!“, empörte sich der Siebte, „Warum soll er
9 Euro abbekommen, und mir bleiben nur 2 Euro? Immer profitieren nur die
Reichen!“ „Jetzt aber langsam!“, schreien die ersten vier aus voller Kehle, „Wir
haben überhaupt nichts davon. Das System beutet die Armen aus!“ Die neun
umringten den Zehnten und schlugen erbost auf ihn ein.
Die Konsequenz
Am nächsten Abend aber erschien der Zehnte nicht zum Essen. Die übrigen neun
blieben unter sich, und als der Wirt ihnen die Rechnung vorlegte, stellten sie
verwundert fest: Auch wenn sie alle ihre Anteile zusammenlegten, reichte dies
nicht einmal für die Begleichung der halben Zeche aus.
Fazit:
Wer immer nur auf diejenigen einprügelt,
die die höchsten Steuern zahlen,
muss sich nicht wundern,
wenn er zum Schluss die Zeche alleine zahlen muss.
Der lange Weg nach Gohlis!
Mitten in der Nacht, 3:00 Uhr versuchte die beste Ehefrau von allen, leise das Bett zu verlassen. Ich verriet ihr nicht, das ich die ganze Nacht wach war, weil ich aus einem mir unbekannten Grund nicht schlafen konnte. Halb vier sollte Abfahrt sein und sie setzte alles daran, diesen Termin zu halten. Mit liebevoller Bestimmtheit weckte sie unseren Sohn, meine Tochter war bereits munter und hatte volle Betriebstemperatur erreicht. Ein hastig eingefüllter Kaffee, ein Nutellatoast, eine Zigarette und Los. Tante Pissi und das Navi sprechen nicht ganz die gleiche Sprache. Ich bin der Ursache nicht genau auf den Grund gegangen. Zum einen ist die Mutter meiner Patentochter gebürtige Deutsche, das Navigationssystem unseres Taxis schien mir auf Grund des Dialektes ehr britisch. Der zweite, wohl gewichtigere Unterschied: Männer erfinden Satellitennavigation um nicht nach dem Weg fragen zu müssen, Frauen verfahren sich einfach. Es ist Nachts um 4.20 Uhr schwer möglich auf der Autobahn nach dem Weg zu fragen. So kam es, das wir um unser Ziel kreiselten wie der Ring um das a beim @. Der Unterschied zwischen ursprünglich errechneter und tatsächlicher Ankunftszeit betrug jedoch nur ein Paar Viertelstunden und so schien es mir wenig verwunderlich, als nach dem CheckIn auf der Infotafel bei unserem Flug ein „LAST CALL“ zu lesen war.
Auf die Frage ob sie sich noch etwas zu trinken kaufen könne, erklärte ich Emy, wenn sie jetzt nicht sofort rennen würde, dürfe sie nach Leipzig laufen. Ihr Antwort will ich hier nicht wortgetreu wiedergeben, sinngemäß war sie zwischen einem Onanierenden und dem Ende des Dickdarms angesiedelt, aber sie rannte. Endlich erreichten wir das Gate und die Angestellten dort wirkten genauso erfreut darüber wie wir. Vermutlich war ihre Freude aber darin begründet, das sie unser Gepäck doch nicht ausladen mussten. Wir waren die letzten die den Flieger betraten. Von den ca 10 freien Sitzplätzen befanden sich 3 hintereinander in Reihe 11 bis 14. Ja es hat mich auch verwundert, aber auch bei Easyjet schein man dem Aberglaube zu erliegen und verzichtet auf Reihe dreizehn. Diese Sitze eroberten meine Kinder mit ihrer Mutter. Emy und ich fanden je ein lauschiges Plätzchen in Reihe 28 und 29, gegenüber der hinteren Toilette. Das sich das als etwas unangenehm erweisen sollte, merkte ich erst nach dem Start. Zum einen war es bei dem gepolter welches die Stewardessen hinter mir veranstalten, kaum möglich bei diesem Text zu bleiben. Viel intensiver war jedoch die vor dem Pissoir wartende Menschenmenge. Ich hatte das Gefühl, als würden die Urinalbesucher draußen Schlange zu stehen um einmal in meiner nähe pinkeln zu dürfen. Besonders anregend empfinde ich dann immer die typisch englische Dame, die ihre geschätzten 75 Jahre mit Unmengen an MakeUp und süßlichem Parfüm auf unter 50 zu drücken versucht. Sie stand geraume Zeit neben mir und nur die kurzen Momente, in denen die bordeigene Klimaanlage mir das Atmen erlaubte, sicherten mein Überleben. Ein Mitarbeiter von Easyjet musste in den letzten Tagen meinem Blog gelesen haben. Irgendetwas war anders. Es dauerte eine ganze Weile bis ich feststellte das die Stewardessen nicht dem erwarteten Bild der Ballerinas tragenden Pummelfee entsprachen. Keine der Damen war mit Joggingschuhen bestückt und alle samt schienen nur wenig übergewichtig sein. Nicht desto trotz, gab es genügend amüsante Auffälligkeiten. Die Teamchefin fiel mir als erstes aus. Ihre geschätzten 6 Fuß Körpergröße die sie dank schwarzer Pumps erreichte, hob sie auf angenehme Art und Weise von ihren ehr Zwergenhaften Kolleginnen ab. Das Figurbetonte Kostüm stand ihr ausgezeichnet. Lange schlanke Beine reichten vom Pfirsichpopo unter dem knielangen, knapp sitzendem Rock hervor, bis zum Kabinenboden. Die dunklen, fast schwarzen Haare trug sie zu eine tennisballgroßen Knolle geformt. Ich saß auf einem Sitz am Gang und konnte sie gut beobachten, wärend sie Snacks und Getränke an die vor mir Sitzenden verkaufte. Sie stand mit dem Rücken zu mir und im nachhinein wünscht ich mir, es wäre so geblieben. Es kam der Zeitpunkt an dem sämtliche Kaffeekannen auf dem Bollerwagen entleert waren und die Teamleiterin entschloss sich im hinteren Ende des Fliegers neuen Kaffee zu holen. Ihr erinnert Euch, dort saß ich. Sie drehte sich also um und machte sich auf den Weg zu mir und meiner Toilette. Ich bin ein Mann und angefüttert, von dem was sie bis dato in Aussicht gestellt hatte und kleiner gedanklicher Ergänzungen meinerseits , wandte ich meinen Blick nicht von Ihr. Da war es wieder, das Vorurteil gegenüber Britischen Frauen. Das schwarze Brillengestell neueren Modells gab ihr etwas von strenger Lehrerin, auch wenn es etwas unpassend zu den darin platzierten Glaskugeln wirkte. Schlagartig wurde mir klar, das ihre Frisur nicht nur hochgesteckte Haare waren sondern auch eine Art Gegengewicht zu dieser Brille enthalten mussten. Versteht mich nicht falsch, für ihr Manko in der Sehstärke kann sie nichts und das wäre als solches nicht erwähnenswert gewesen. Einzig die Bauform der Gläser weckte meine Aufmerksamkeit. Ein befreundeter Optiker verriet mir mal, das auf Grund moderner Technologien selbst eine Linse mit starker Brechung, sehr dünn gehalten werden kann. Die Bauform des Glastropfen war hier der Grund für meine Aufmerksamkeit. Die Dinger, die die Brille auf der Nasenwurzel halten, hatten bereits Vertiefungen in die Nase gepresst, die rotumrandet weithin sichtbar waren. Ich ließ meinem Blick zu ihrer, am Bollerwagen fleißigen Kollegin wandern. Sie trug keine Brille und das Meiste von ihr war durch den ca 4 Fuß hohen Servierwagen verdeckt. Ich erblickte ein junges Mädchen, mit einem auffallendem Lächeln, welches jedem Zahnarzt das Herz öffnete. Blendend weiße Zähne, ohne Fehlstellung zeigten sich da. Ohne nachzuzählen schätzte ich, das sich alle 32 Zähne im vordersten teil des Oberkiefers befanden. Ihre freundliches und sehr breites Lächeln glich dem eines Haflingers. Dies ist auch die beste Beschreibung für den Gesamteindruck. Ein relativ kleiner Kopf mit breiter und langer Stirnpartie und großen Augen. Ihre haflingertypisch fuchsfarbenen Haare trug sie als eine Art Helm, welche mich ein wenig an einen aus Legosteinen gefertigten Darth Vader Hut erinnerten.
Alles in allem waren die 85 Minuten Flugzeit trotz oder gerade weil wir weit auseinander gesessen haben, ganz erträglich. Das nächste Highlight war die Passkontrolle. Zugegeben, der Polizist mühte sich sichtlich die über 200 Fluggäste schnell abzufertigen, aber das ging alleine halt nicht so schnell. Die 30 Minuten Anstehen vergingen wie im Flug. Gut eine Stunde nach der Landung, war unser Gepäck im Auto verstaut und die Parkhausschranke verweigerte uns die Ausfahrt. Eingefahren sind wir vor einer Woche mit Hilfe meiner EC-Karte und ich sollten diese, laut Internetbuchungsbestätigung, auch beim Verlassen nutzen können…theoretisch. Auf Grund der Bauarbeiten am Airport, hatte ein Baggerfahrer am gestrigen Tage die Datenleitung zw. Rechenzentrum und Parkhaus zertrennt und der Schranke so die Möglichkeit genommen, uns als zahlende Heimreisende zu identifizieren. In einem Pförtnerhäuschen unweit der Schranke thronte ein Mann der, sichtlich amüsiert, über meine Fluchtversuche nach nur 5 Minuten Hilfe anbot. Nach dem ich das „Hee, Sie da“ vernommen hatte, ging ich zu ihm. Ich bin mir sehr sicher, das er schon vor dem Pförtnerhäuschen dort war und dieses dann um ihn herum gebaut worden ist. Er füllte den Innenraum nahezu vollständig aus und konnte die an beiden Seiten des Verschlages angebrachten Servicefenster bedienen. Er erklärte mir das Missgeschick des Baggerfahrers und auch, das er nun Tag und Nacht hier Abreisewilligen ein Ausfahrticket geben müsse und kaum noch nach Hause käme. Ich rätselte ob er von oben aus dem Häuschen oder ob dieses über ihn hinweg gehoben würde. Als er von der Mühseligkeit seiner Toilettenbesuche berichten wollte, griff ich das Ausfahrticket und verabschiedete mich freundlich. Wenige Minuten später glitt unser Pampersbomber über die Autobahn nach Leipzig. Vom nächtlichen Aufbruch und 3 halben Reisetabletten betäubt, ruhten meine drei Goldstücke auf der Rückbank. Meine Patentochter verbrachte die Reise Nintendo spielend auf dem Beifahrersitz, nicht ohne alle 20 Minuten die obligatorische Frage nach der verbleibenden Reisedauer zu stellen. Dienstag Mittag verließen wir unser Gefährt um etwas übermüdet aber gut erholt, dem heimatlichen Alltag entgegenzugehen.
Tarzans Patentochter
Traditionell ist bei uns Sonntag der Familientag. Nun ist es ja schon die ganze Woche so, das wir auf einem Haufen kleben, so wie diese schwarz-silbrigen Fliegen dicht gedrängt auf dem, was Javas Frauchen in der Tüte einsammelt. Familiensonntag in England bedeutete dieses mal: den Gang raus nehmen und alles mit besonders viel britischer Gelassenheit anzugehen. Der beste Mintlammgrillmaster der Welt hatte darauf bestanden uns ein englisches Frühstück zu bereiten. Ich wusste nicht was mich erwartet und rechnete mir daher natürlich nur das beste aus. Mint… my favorit flavor! Pfefferminztee, Grünbrauner Brotaufstrich… so eine Art After Eight Nutella, dazu Lammpasteten, Pfefferminzmarmelade und natürlich Toast. Alles was weder mein Herz noch mein Magen begehrt, habe ich erwartet und nicht bekommen. Sean kredenzte gebackene Bohnen, gebratenen Schinken, gegrillte Wurstelchen, Pilze, Spiegeleier und natürlich Toast. Zugegeben, dem unwissenden mitteleuropäischem Kind, war anzusehen, daß es nicht verstehen konnte, was Würstchen und Bohnen mit Frühstück zu tun haben. Wie auch immer, es gab keine Reste! Wir stopften auch das letzte Würstchen in den ohne hin schon bohnengeblähten Bauch. Die Tatsache, das es mir gerade die gebackenen Bohnen angetan hatten, sollte ich noch früh genug bereuen. Nach gut 2 Stunden Sonnenbaden im Garten von Tante Pissi und einigen Verdauungszigaretten entschlossen wir uns, in einen der unzähligen umliegenden Parks zu fahren. Wir entschieden uns für eine Art Abenteuerspielplatz mit zugehörigem Kletterwald. Natürlich blieb ich auch bei der nur fünfzehnminütigen Anreise nicht von dem obligatorischen „Ich muss mal lullern“ meiner kleinen Prinzessin verschont. Die zweite Sehenswürdigkeit nach dem kreditkartenfressenden Ticketautomaten, die wir in dem Park aufsuchten, war die öffentliche Toilette. Die unterschied sich kaum von einer deutschen Autobahntoilette, mit dem kleinen Unterschied, das der typische Ammoniak-Urinsteingeruch fehlte und durch… wie sollte es auch anders sein, Pfefferminzaroma ersetzt war. Der zugehörige Kiosk bot zu sehr moderaten Preisen Coffee & Icecream ohne dabei auf das britischen Primäraroma in Soßenform zu verzichten. Auf, in den Kletterwald. Drei von Vier Eltern waren spontan bereit, meinen Zwillingen beim erklimmen der Adventurestrecke vom Boden aus Hilfestellung zu geben. Mir blieb der freie Slot für den Explorerway. Eine Strecke mittlerer bis hoher Schwierigkeit, die geübte Kletterer in ca. 75 Minuten hinter sich bringen sollten. Meine Lieblingspatentochter und ich schlossen sich einer Gruppe Todesmutiger Grundschüler an. Es dauerte gut fünf Minuten bis wir die Einweisung und das Anlegen des Gurtzeuges hinter uns hatten und losklettern wollten. Genau in diesem Moment kam mir die Erinnerung an das Frühstück. Hätte ich den keramischen Pfefferminztempel vorm Start nochmal aufsuchen sollen?? Zu spät, Emy war bereits 20 Yards vor mir und ich musste mich sputen ihr zu folgen. Wie in jedem Kletterwald, gab es auch die diesem, verschiedene Elemente die in unterschiedlichster Weise Balance, Kraft, Geschicklichkeit und Mut erforderten. Meine Patentochter ist 11 und wenigstens beim Mut wollte ich ihr Paroli bieten. Die kleine dicke Rothaarige, die vor uns kletterte kam mir unbewusst zu Hilfe. Sie bewältigte den Parcours mit einer Geschwindigkeit, die auch eine beinamputierte Schildkröte nicht unterbieten konnte. Sie verhedderte sich in ihren Sicherungsleinen, klemmte sich ihre feurigen Haare in einer Seilwinde und stürzte Kopfüber von einem Balanceelement in die Tiefe. Die Gelegenheit nutzte ich auch gleich, um Emy zu erklären worin der Unterschied zwischen einem Normalen und einem Maurerdekolleté besteht. In den gut 5 Minuten die Miss Marshmellow in ihrem Harnes hing wie ein Maikäfer auf dem Rücken, boten genügend Gelegenheit, detailverliebte Erklärungen bildhaft darzustellen. Fasst hätte ich die gebackenen Bohnen dabei vergessen, die Bohnen jedoch nicht mich. Nun lässt ein Gurtzeug wenig Bewegungsfreiheit, und damit kaum die Möglichkeit leise zu atmen. Glücklicher Weise war das nächste Kletterelement ein ca 50 Yard langes Seil an dem man sich runterrollern lässt. Das Seil führte zwar knapp über einen gut besuchten Fußweg, aber sämtliche Zuschauer vernehmen lediglich einen lauten langanhaltenden Tarzanruf. Emy erklärte der vor uns kopfüber im Spinnennetz hängenden Pummelfee, das ihr Godfather immer solch lustig Dinge tue. Das war der Wink Gottes! Immer wenn die Bohnen in meinem Bauch ihrem Ruf folgten, stieß ich beim nächst passenden Element auch einen Ruf aus. Zwischenzeitlich hatte das rothaarige Fastfoodopfer eingesehen das Emy und ich die besseren Kletterer sind und uns bei ca 30% der Strecke überholen lassen. Zwei Stunden später besuchten wir erneut den Minzkiosk. Ob wohl der Duft wirklich nicht mein Liebster ist, war ich froh, diesen zu wittern.
Den letzten Tag unseres Aufenthaltes waren wir allein in Tante Pissis House und verbrachten diesen kleinen und größeren Abreisevorbereitungen. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg zur örtlichen Poststelle um Briefmarken zu erwerben und die unzähligen Karten an die buckelige Verwandtschaft in eine rote Mülltonne zu werfen, die sich erst bei genaustem Hinsehen als Briefkasten entpuppte. Ein kleiner Einkaufsausflug, in den nächstgelegenen 24h-Store, rundete den Tag ab. Der besten Ehefrau von allen, war der Gedanke gekommen, das Abendmahl zu bereiten. So wechselte, gefühlt eine Tonne Reis und eine Hühnerfarm zzgl. diverser Kleinteile für unsere letzten Taler, in unseren Besitz. Auf dem Heimweg kehrten wir noch bei Shell auf einen Schluck SuperPlus ein. Schließlich steht uns ja noch eine 100 Meilen Anreise zum Flughafen London Luton bevor. Wie bei vielen Dingen, weicht auch das englische Tankprozedere vom kontinentalen ab. Wirklich anders ist es nicht, nur die Auswahl ist größer. Glücklicherweise haben wir einen Benziner. Dafür gibt es nur einen Kraftstoff und der ist spürbar günstiger als Heizöl für Selbstzünder. Man muss sich vor dem Tanken entscheiden, ob man an der Säule oder am Kiosk bezahlen will und im Kiosk steht die Auswahl zwischen Bargeld, Kredit- oder Debitcard. Nicht kompliziert, aber doch ungewohnt. Rückblickend auf diesen Tag, muss ich zugeben, das die erlebten Abenteuer einfach zu bewältigen waren. Sicherlich auch daher geschuldet, das uns Morgen ab 3.30 Uhr der Aufbruch zu den Landratten bevor steht. Weg von den Inseläffchen, dem Pfefferminzaroma und dem Linksverkehr. Hin zu den linksüberholenden, hektischen und aromamultiplen Europäern. Dem Aufbruch sehe ich mit einem lachendem und einem weinendem Auge entgegen. Hier ticken die Uhren einfach anders, nicht nur eine Stunde später, auch langsamer und leiser. Die Briten sind erfüllt von Nationalstolz, den sich in Deutschland keiner mehr zutraut. Sie zelebrieren all ihre Eigenarten mit einer Hingabe die Ihresgleichen sucht. Sie tragen sich wieder besseren Wissens, sogar mit der Meinung gute Fußballmannschaften zu haben. Ich habe in keinem Gespräch das 4:0 der WM erwähnt, aber oft schmunzelnd dran gedacht. Beim nächsten Besuch werden Burgen, Schlösser und weitere Parks erobert und mit unerschütterlicher Sicherheit ein weiterer Sieg im Laser-Tag errungen. We were awesome!
Wir werden, zu viert angereist, zu fünft nach Deutschland heimkehren. Die nächsten Abenteuer erwarten uns also schon!
Liebe Pissi, lieber Sean, es war uns eine Ehre!
Rib-Eye & Mintsauce
Tag 4 unseres erbarmungslosen Eroberungsfeldzuges, der weder Mensch noch Material schonte, führte uns nach London. Allen, die schon mal einen Sherlock Holmes Film gesehen haben, sei versichert: diese Stadt hat mehr zu bieten als messerstechende Buckelige und kochtopfbehütete Polizisten. Diese Stadt ist nicht schwarz/weiß, sie schillert in allen Farben, vor allem jedoch in der Farbe des Geldes. Nach einer 70 minütigen Anreise über eine Unmenge an Roundabouds (Kreisverkehre) und die üblichen Autobahnbaustellen, parkten wir im Stadtteil East Finchley direkt am U-Bahnhof. Das Parkticket hatte einen erträglichen Preis, welcher in bar am Automaten zu entrichten war. Für den münzgeldarmen Touristen ist ein Buchen per Kreditkarte ohne weiteres möglich. Für den marginalen Aufschlag von 33 % erstand ich eine Tageskarte. Ähnlich, wenn auch Aufschlagfrei erkaufte ich die 2 Adult-Tagestickets für die beste Ehefrau von allen und mich. Gott sei dank fuhren unsere Kinder kostenlos. An dieser Stelle sei mal der über alle Maaßen freundliche Undergroundmitarbeiter erwähnt, welcher, trotz meiner kärglichen Englischkenntnisse verstand, welcher Art Reise wir vor hatten und uns umgehend mit ausgesuchter Freundlichkeit aushalf.
Nach weiteren 45 Minuten und ca. 4 „ich muss mal/wann sind wir da“ verließen wir die Underground am Leicester Square, im Zentrum von London. Da wir nicht um 7.00 Uhr abgereist sind, sondern dem reichhaltigen und leckerem Frühstück in Tante Pissis House frönten, war es bereits Mittag, als wir endlich Sonnenlicht verspürten. Die aufkommende Freude über das Wetter wurde rapide gedämpft, als wir das fünfte und sehr dringend klingende „Ich muss mal“ vernahmen. Doch das Glück war auf meiner Seite! Direkt gegenüber der U-Bahnstation, also Luftlinie ca 15 Yards, entdeckte ich ein Angus Steak House. Ein Tempel der Gaumenfreude, der mir in diesem Moment wie die Oase in der Wüste erschien. Bei den Menschenmassen im Londoner Zentrum, dem (Links)verkehr und der Schrittgeschwindigkeit meiner Kinder halte ich die 15 Minuten bis zur Eroberung der Sitzplätze fast für eine Art Blitzkrieg. Zum Mittag kann ich nur eine knapp Aussage treffen : 15 OZ Rib Eye Steak! Der Kellner, ein deutschsprechender Türke, erkannte alle meine Sorgen mit einem Blick in meine glasigen Augen. Wir bekamen einen Sitzplatz mit Aussicht für die Kinder inklusive kurze Anreisewege zur Toilette und automatisiertem Getränkeservice. Es war jeden Penny wert!
Körperlich gestärkt verließen wir die Oase der Secondhandvegetarier in Richtung Piccadilly Circus auf der Suche nach einer der berühmten Doppeldeckerbustouren, denn mein Lieblingssohn hatte festgelegt, wir wollen ganz oben und ganz vorne und im Freien sitzen. Ob Ihr es glaubt oder nicht: es gelang uns… nicht alles gleichzeitig…aber immerhin. Wir durchschritten die Coventry Street, bei gefühlten 5 Millionen Menschen im Gegenverkehr und außer einem 4 etagigen M&M-Superstore gab es nur minimale Verzögerungen. Im Store war alles… ALLES aus M&Ms, mit M&Ms und über M&Ms. Drei von vier Leuten hätten dort Leib und Seele hergegeben um in den Besitz von Feuerwehrautos, Spielautomaten, Prinzessinenburgen und Plüschfiguren zu gelangen. Nur die beste Ehefrau von allen behielt die Vernunft. Bei der Bushaltestelle angekommen reihten wir uns brav in die Schlange der Wartenden ein und kurze Zeit später kassierte ein freundliche Mitarbeiter den Tourpreis für die Familienkarte, um uns nach erfolgter Abbuchung mitzuteilen, das wir an der falschen Haltestelle stünden. Hier gibt es keine deutschsprachigen Fahrten, die starten zwei Blocks weiter in der Pall Mall Street! Eine Zigarette war auch das, was meinen Puls in diesem Moment wieder unter 200 brachte. Wir hatten Glück, es waren kleine Blocks und an dem geänderten Startpunkt wurde unser Ticket ohne weitere Nachfrage akzeptiert. Die Fahrt selbst, lasse ich hier nahezu unkommentiert, sie war toll, ging 2,5 Stunden und war absolut „ich muss mal“-frei! Auf Grund der aufkommenden Mattheit unserer Taliban und der fortgeschrittenen Stunde folgte der Fahrt mit „The Original Tour“-Red Line der Antritt der Heimreise. Ein kleiner Shoppingtrip und eine Stärkung bei Starbucks rundeten den Tag in London auf angenehme Weise ab. Starbucks hat übrigens die gleichen Größen und Preise wie in Deutschlang, nur in £. Die U-Bahn- und Autorückreise verlief zwischenfallsfrei, wenn man von ein paar kleinen Panikattacken meiner Ehefrau absieht. Die Sorge wir könnten im falschen Stadtteil von London verloren gehen halte ich immer noch für unbegründet. Die Tatsache, das wir 130 auf der Autobahn fahren, konnte ich dadurch erklären, das ich den Tachometer unseres Taxis von Meilen auf Kilometer umgestellt habe. War natürlich nicht an dem, aber sie nahm es hin und schlummerte friedlich bis zur Ankunft im Basislager.
Für Sonnabend war nichts großartiges geplant. Es gibt ein Shoppingcenter in Corby, nicht weit vom Basislager. Besagte Mall haben wir heute käuflich erworben, zumindest hatte ich das Gefühl. Schuhe, Kleider, Shirts, Hosen… hatte ich Schuhe schon erwähnt? Wir waren im Schlaraffenland für kleine und große Mädchen. Im ersten Store hielten wir uns kurze 2 Stunden auf und meine kleine Prinzessin erhellte diesen, durch das leuchten ihrer Augen, auf allen vier Etagen. Wie ihr Euch sicher denken könnt, waren meine Mädels vollends in Shoppingwahn. Es gab reichlich von allem und davon eine ganze Menge. Mein Sohn und ich verkrümelten uns in die Herrenabteilung und suchten uns ein schönes Partnerlookoutfit raus. Eine Jeans, ein Shirt… 10 Minuten und gut. Die verblieben Zeit, bis die Mädels durch waren verbrachten wir damit, Sachen umzuhängen, Größenaufkleber zu tauschen und Preise zu korrigieren. Zugegeben, nicht ganz fair, aber wir hatten Spaß. Das Tauschen selber war nicht ganz so spannend, aber die Effekte bei den anderen Kunden, waren den Aufwand alle mal wert. Beispielsweise die nette alleinerziehende Mutter, die es schaffte geschätzte 100 Kg auf knappe 5 Fuß zu komprimieren und zielsicher nach dem Größe L Shirt griff, welches ursprünglich XS war. Vermutlich denkt sie heute Mittag wiedermal über eine Diät nach, es war ein Bild für die Götter. Ein ähnlich lustiges Bild gab der Kriegsveteran ab, der einen Mantel suchte. Dieser, ursprünglich in XXL ausgewiesene Parker, wirkte an dem mickrigen Opa, wie ein Viermanzelt an einem normalen Mitteleuropäer. Ich verlor den Senior aus den Augen als er versuchte seinen Spazierstock aufzuheben und dabei über den unteren Saum des etwas zu großen Mantels stolperte.
Den größten Coup hatte jedoch mein Lieblingssohn eingefädelt. Er hatte ein 149£ Schild gegen ein anderes getauscht. Woher er dieses her hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, ließ ihn aber mangels andere Beschäftigung gewähren. Die reduzierte Lederjacke für ursprüngliche 399£, war ein Einzelstück und fand zu meiner Verwunderung tatsächlich während unserer Anwesenheit einen Käufer. Ein hochgewachsener, breitschultriger Mann Mitte 30, griff nach ihr, begutachtete Sie, zog diese über und entschloss sich augenscheinlich zum Kauf. Ich grübelte eine ganze Weile, ob es den Spaß wohl wert war, die Preisschilder eins zu eins tauschen zu lassen. Ja, war es. An der Kasse angekommen reichte der bis dahin gut gelaunte Mann seine Jacke der Kassierin, welche ihm sichtlich verwundert mitteilte, das er im Begriff sei, ein Paar „Manolo Blahnik black suede ‚Anastasia‘ flag trim“ Pumps der Größe 36 für Ursprüngliche 399 £ zu erwerben. Mein Englisch ist für den umgangsprachlichen Teil leider nicht gut genug, aber ich bin mir sehr sicher, er rezitierte keine Liebesgedichte. Mir liefen die Tränen vor Lachen, ich erstarrte jedoch augenblicklich zur Salzsäule als ich meine Mädels in der Schlange zur Kasse sah. Mein Sohn versicherte mir jedoch, keine weiteren Preisschilder vertauscht zu haben und so passierten meine Mädels die Kasse ohne Fehlkäufe. Der schlecht gelaunte Mittdreißiger verließ nach uns das Geschäft… mit seiner neuen Jacke. Im weiteren Verlauf des Tages erlitt ich noch 3 Schuhgeschäfte sowie einen Shoe-Super-Store, einen Brautausstatter, eine Drogerie, 1 weiteren Laden für Designerklamotten und einen Süßwarenladen. In letzterem konnte man alles kosten und wir haben alles gekostet. Nach 5 Minuten hatte ich das Gefühl mit Sekundenkleber gegurgelt zu haben, meinen kleinen Critter hielt das nicht davon ab, alles Mögliche in sich hinein zu stopfen.
Den einen Sportartikelladen in dem es Golfschläger „Holz3“ von TaylerMade für 29 £ gibt, erwähne ich an dieser Stelle einzig und allein für meine golfspielenden Kollegen, die sicherlich gerade vor Neid in den Tisch beißen.
Ebenfalls erwähnenswert ist die ausgesuchte britische Höflichkeit. Als ich versuchte dem mir anvertrautem Jungen zu zeigen, wie man mit einer von ihm so benannten Keule spiele, riss ich 2 Kartons Golfbälle und 4-5 Paar Handschuhe aus dem nebenstehenden Regal. Meine Entschuldigungsversuche tat der herbeigeeilte Mitarbeiter mit einem freundlichen Lächeln ab, sinngemäß übersetzt mit „kein Problem, kommt öfter vor.“ Auch als ihm mein Spross, beim versuch es mir gleich zu tun, beinahe einen Lendenwirbel zerschmetterte, ereilte uns lediglich ein schmerzverzertes lächelndes „Sorry“. Verry British. Aus Mitleid mit dem gebeutelten Mann, verwarf ich den Gedanken, auszutesten, wie viel man umwerfen oder ausschütten könne, bevor sich seine Laune ändert.
Zum Lunch kehrten wir zwischendurch im „Harvester“ ein. Ein ganz normales englisches Restaurant, jedoch mit Salatbuffet. Chicken-Nugget, Pommes, Cola, Spagetti, Ketchup… kurz um, alles was des Herz eines übergewichtigen, verwöhnten Einzelkindes begehrt. Der besten Ehefrau von allen verdanken wir, das die Einzige, in der Karte versteckte, vollwertige, gesunde und schmackhafte Mahlzeit, entdeckt, bestellt und verspeist wurde. Vollgestopft wie holländische Mastgänse eroberten wir einen Weiteren Outletpark. Zum Dinner hat der Hausherr in Tante Pissis House den Grill angeworfen, Coleslaw bereitet und extra für mich „Lamm with mintsauce“ serviert. Yeah, my favorit flavor.
Sorgt Euch nicht, es gab auch richtiges Essen, richtig gut und echt viel!
We were awesome!
Liebe Freunde, nach zwei weiteren Tagen gekochtem Wildschwein in Pfefferminzsoße, ist es mir ein tiefes Bedürfnis weitere Erlebnisse und Gedanken zu veröffentlichen.
Gestern haben wir fast den ganzen Tag im Wicksteedpark zugebracht. Dieser Park ist eine gekonnte Mischung aus dem Wörlitzer Park, dem Belantis und der Sparkasse Leipzig. Rein landschaftlich angelehnt an die hochherrschaftlichen Parks französischer Könige, besticht er durch ewig lange Fußwege und wenige Sitzmöglichkeiten. Letztere sind, so vorhanden, bereits belegt durch Pfefferminztee trinkende Veteranen aus dem zweiten Weltkrieg. Dann gibt es natürlich noch die zu den Restaurants gehörenden Sitzmöglichkeiten, welche in Komfort in etwa gleich zu setzen sind mit einem westindischen Fakirkissen. Der nächste Baustein (Belantis) weckte da schon deutlich mehr Interesse bei den uns. Jedoch reichte auch hier die Bewertung von 0 – 10. Je nach dem, wer bewertete und was und wann bewertet wurde. Mit der Begeisterung wie sie nur kleine Jungs von sich geben können, entdeckte mein Sohn eine GoKartbahn… selbst Gas geben, selbst Lenken, der Erwachsene muss nur daneben sitzen. Wir stellten uns an. Natürlich, wie bei allen Attraktionen, an eine ganz kurze Schlange… naja… ist mein Lieblingssohn! „The Race“ erwies sich jedoch als Sache deren Spaßfaktor einem Lebertranwettrinken nicht den Rang ablaufen kann. Die Karts knatterten mit der doppelten Geschwindigkeit eines AOK-Choppers über die hosenträgerbreite Holperstrecke. Es war unmöglich irgendetwas andere zu machen, als im Entenmarsch hinter den anderen her zu tuckern. Der liebste meiner Söhne, brachte es mit einem Satz auf den Punkt, den ich treffender nicht formulieren hätte können: „Das ist ja, wie wenn Mama fährt!“ Ein Autoscooter, eine Wildwasserrutsche und den ganzen anderen Kram ließ ich zum Spaße meiner Kinder über mich ergehen. Meine Lieblingspatentochter rettete den Tag mit den Worten: „Holly, spielst Du Laser-Tag?“…
Emi und ich kämpften uns teils Schulter an Schulter, teils Rücken an Rücken durch hunderte, fast tausende von Gegnern. Wild um sich ballernde 6 jährige. Militante Mütter der neben ihrer Lasergun mit Handtasche, Blackberry und Tempos bewaffnet, ihren heulenden Kleinkindern erklärten, das sie nicht wirklich sterben müssen. Teenager die, enttäuscht über den Mangel an Realität, lieber mit roher Gewalt aufeinander losgingen. Die bereits erwähnten Kriegsveteranen, welche augenscheinlich verwundert waren, das ein Deutscher mitspielen durfte und ein junges gutaussehendes Mädchen mit ihm kollaborierte. Wie auch immer…
We were awesome!
Mit einer Hitrate oberhalb RAMBO 1-3 gingen wir wie ein heißes Messer durch irische Butter.
Wer sich jetzt fragt, was die Leipziger Sparkasse in der Beschreibung diese Parks zu suchen hat, dem seinen die Preise dieses Unternehmens in Erinnerung gerufen. Ob man 3 Erwachsen und 3 Kinder bis 14 Jahren durch diesen Park schleust, oder den bereits erwähnten E250 mietet, ist rein finanziell ein marginaler Unterschied. Einzig und allein das über alle Maaßen begeisterte erzählen der lieben kleinen entschädig großzügig für das „ich muss mal, ich hab Hunger, wann sind wir endlich da“ auf An- und Abreise!
Weil einmal nicht genug ist, ging es heute in den nächsten Park. Woburn Safari Park. Ja, ihr vermutet fast richtig. Ein Park, Tiere, Imbissbuden die auch das letzte Hemd in Zahlung nehmen und Kriegsveteranen mit ihren (Ur)Enkeln. Der erste Teil des Parks ist wie eine Safari in der afrikanischen Savanne angelegt… nur mit betonierten Straße. Wir fuhren also an Löwen, Giraffen, Nashörnern, Elefanten und vielerlei anderem Getier vorbei. Ja, wir fuhren! Der alte Isegrim und Meister Petz schlichen um unser Auto, in der Hoffnung etwas Essbares zu erhaschen. Belegte Brote, Obst, Gemüse, kleine Kinder, ältere Frauen… alles was das Raubtierherz begehrt, gab es als Essen auf Rädern. Verlustfrei und ohne Materialschäden kämpften wir uns weiter durch die Savanne Mittelenglands in die Gegend, wo Affen ihr Unwesen trieben. Während meine Fahrgäste regelmäßig lauthals ihre Begeisterung über Aussehen und Tun dieser Tierchen äußerten, gönnte ich meiner Zynikerseele einen Moment Erholung und fing an Gemeinsamkeiten zwischen den Primaten und mir persönlich bekannten Personen zu finden. Anhaltspunkte dafür gaben mir Gangart, Balzverhalten, Auftreten in der Gruppe, Körperbehaarung und Umgang mit dem Nachwuchs. Unerwarteter Weise gab es sehr viele Übereinstimmungen, das ich sie hier und heute unerwähnt lasse um Später darauf zurück zu kommen. In einer Sache bin ich mir aber nun ganz sicher: Die Menschen stammen vom Affen ab… zumindest die meisten, die ich kenne.
Während der Fahrt durchs Dschungelcamp blieben mir die meisten der Üblichen „ich muss mal pullern“ und „ich hab Hunger“ Rufe erspart und die restlichen konnte ich, dank meiner sehr Bildhaften Vorstellung zu o.g. Gedanken ignorieren. Erst ein ungewöhnlich hektisches Verhalten meiner Lieblingsehefrau gepaart mit einem säuerlichen Duft ließ mich das leise dahingewürgte „mir ist schlecht“ meiner kleinen Prinzessin als solches wahrnehmen. Ein englisches Frühstück, 2 Mentos und je ein viertel Liter Saft und Wasser fand gut durchmischt Platz im Fond unseres PKW.
Es was der Zeitpunkt gekommen, den Teil des Parks aufzusuchen, welcher zu Fuß erobert werden will. Dieser durchaus reiz- und liebevoll angelegte Teil enthielt mehrere Käfige, Tierhäuser, Terrarien und Becken. An jeder Stelle ein anderes Schließsystem und jedes für sich hätte das Herz eines jeden Strafvollzugsbeamten schon höher schlagen lassen. Unsere drei Krümel verhielten sich wie alle Kinder in einem solchen Park. Sie wählten den direkten Weg zum einzigen und deshalb überteuerten Restaurant um dort das zu tun was Kinder eben so tun, sie fraßen uns die Haare vom Kopf… Überzeugt Euch kommenden Mittwoch selbst. Alle drei wählten einen kleinen Snack. In Summe mit zwei Latte Macchiato, die schmeckten als wären sie durch ein betagtes Suspensorium gepresst worden, ging eine Tankfüllung von oft erwähntem E250 über den Tisch des Hauses. Nach dem wir alle mehr oder weniger satt waren bzw. es satt hatten, sollte es zu den Tierchen gehen. Eine Gebäude welches eine Hüpfkrabbelkletterrutschhangelspringburg enthielt machte diesen Plan zunichte. Tiere hatten wir ja schon genug auf der Safari gesehen. Also verbrachten wir die folgenden 3 Stunden in diesem „Kinder haben Spaß“-Haus und ließen uns auf den eigens bereit gestellten „genervte Eltern warten“-Stühlen nieder. Ein Kinderland wie man es in Deutschland des Öfteren findet. Kleine, mittlere und große Kinder schrien, quakten, heulten und schlugen sich treppauf rutscheab durchs Haus. Und im „Achtung strenger Körpergeruch“-Bereich warteten betagte Kriegsveteranen, kugelköpfig-rothaarige und leicht angetrunkene Eingeborenenväter sowie eine überdurchschnittlich große Menge an Müttern, die es entweder nicht geschafft hatten, ihren Mann zu überzeugen mitzukommen oder es nicht geschafft hatten irgendeinen Mann zu überzeugen…
Letztere auffallend oft in Leggins aus dem XXXL-Store und … wie nicht anders zu erwarten… Ballerinas. Ab und an war ich versucht, mal hin zu gehen und den Mädels zu stecken, das es so nichts wird, anderer Seitz fand ich den Gedanken dann doch wieder abstoßend, mit einer dicken Sonnenallergikerin ins Gespräch zu kommen. Meine Lieblingsgattin und ich beschränken uns darauf ab und an den Platz zu wechseln, um dem stetig wechselnden Stelldichein der Körpergerüche etwas Einhalt zu gebieten. Gegen 16.30 Uhr traten wir, die vom Navi mit 50 Minuten recht kurz angesetzte, Heimreise an. Im Nachhinein bin ich zu der Erkenntnis gelangt das Frauen im Allgemeinen und 12jährige Mädchen ohne Führerscheingrundkenntnisse, gepaart mit Linksverkehr und einem Süßsauren Aroma vom warmen Erbrochen keine guten Beifahrer sind. Das mehr an Meilen durch diverse unnötige Umwege, habe ich jedoch gern zur Vermeidung von Blech- oder Personenschäden in Kauf genommen. Zu guter Letzt hatte ich die Möglichkeit alle schlechten Fußballspieler, Alleinerziehende und Kriegsveteranen RECHTS zu überholen. Durch eine klitzekleine Diskrepanz zwischen dem Navi und meiner ortsunkundigen aber fließend englisch sprechenden Patentochter, bot sich mir die Möglichkeit eines längeren Autobahnaufenthalts… Wir waren 18.12 Uhr wieder im Basislager. In >Tante Pissis House< wurde ich für alle Entbehrungen des Tages mit gutbürgerlicher Hausmannskost entschädigt… immer noch ohne Pfefferminz!